Entwicklung ländlicher Räume

Ein Blick hinter die Kulissen des LEADER-Programms

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Hugo Wirthensohn stellt den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Exkursion das Projekt „Wald – Holz – Mensch / Gemeinsam mehr erreichen“ vor.

Durach – Ideen, Kreativität und Visionen sind die Voraussetzungen für die Entwicklung ländlicher Räume. Die Gemeinde Durach, die im Rahmen des LEADER-Programms der Europäischen Union bereits Projekte erfolgreich abgeschlossen hat, lud Freitag vergangener Woche ein, einen Blick hinter die Kulissen von LEADER-Projekten im Oberallgäu zu werfen und sich mit Akteuren aus der Region und Nachbar-Regionen, wie der Gemeinde Reutte in Österreich auszutauschen.

Die Europäische Union unterstützt seit 1991 ländliche Regionen mit dem LEADER-Programm. LEADER ist eine französische Abkürzung und steht übersetzt für „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der Wirtschaft ländlicher Räume“. So sind Menschen vor Ort aktiv an der Planung und Umsetzung von Entwicklungsprozessen beteiligt, erklärte Dr. Sabine Weizenegger, Geschäftsführerin der Regionalentwicklung Oberallgäu. 

Die lokale Entwicklungsstrategie möchte eine nachhaltige Entwicklung der Region erreichen, die Wirtschaftskraft stärken, dem Klimawandel begegnen und die Lebensqualität steigern. „Die Allgäuer wissen doch selbst am besten, was ein Allgäuer braucht“, so Weizenegger. 

Mit einer Exkursion auf dem Wasserweg, der vom Parkplatz an der Schule in Durach bis zur Waldschänke im Kemptener Wald verläuft, startete der Nachmittag. Das Projekt „Wald & Mensch – Zeitreise durch den Kemptener Wald“, das im Januar 2006 bewilligt wurde, hatte zum Ziel, den weitläufigen Kemptener Wald, der für eine Freizeitnutzung kaum erschlossen war, mit einem Erlebnis- und Themenweg sowie einzelnen Wegestationen aufzuwerten. 

Drei Natur-Erlebniswege, Wasser-, Wald- und Mythenwege, wurden in die natürlichen Gegebenheiten integriert. So verläuft etwa der Wasserweg stetig an der Durach, dem namensgebenden Bach der Gemeinde Durach. 

Infostationen rund um das Thema Wasser sowie zu Tier- und Pflanzenwelt, eine Hängebrücke, ein Wasserspielplatz, eine Hangrutsche und vieles mehr begleiten Jung und Alt entlang des Weges, erklärten Monika Ostermeier und Uschi Kempin, die an der Realisierung des Projektes beteiligt waren. Zudem beschäftigt sich der Waldweg mit erneuerbarer Energie, Forst und Jagd und der Mythenweg lässt die Erholungssuchenden in die Welt der Sagen und Legenden eintauchen. 

Der attraktive Naherholungsraum ist bei den Duracher Bürger*innen bekannt und werde von allen Generationen genutzt, so Gerhard Hock, Bürgermeister der Gemeinde Durach. Doch mit zunehmender Beliebtheit entstanden auch diverse Konflikte, eine eskalierende Parkplatzsituation, Nichtbeachtung allgemeiner Toilettenregeln und Nichtbeachtung gesperrter Wege. Zudem wurden durch eine Windhose 50 bis 60 Prozent der Spielgüter zerstört. Dies erfordere konkrete Maßnahmen, so Hock. 

So sei die Idee hinter der Exkursion, aufzuzeigen, dass das Projekt tatsächlich etabliert wurde. Zudem spiegelt die aktuelle Situation in Durach wider, dass so ein Projekt auch kein Selbstläufer ist, betonte Sabine Weizenegger. „Wenn die Probleme zu groß werden, müsse das Konzept angepasst werden.“ 

Im Kemptener Wald präsentierte Hugo Wirthensohn, erster Vorstand des Holz-Forum Allgäu, das Projekt „Wald-HolzMensch gemeinsam mehr erreichen“, das 2016 als LEADER-Projekt startete. Die Idee dahinter sei, die ökologischen, regionalwirtschaftlichen, energietechnischen und baubiologischen Vorzüge des Holzbaus bekannt zu machen und dadurch eine verstärkte Nutzung des wertvollen Naturprodukts Holz entlang der Wertschöpfungskette im Allgäu zu intensivieren.

So wird jährlich ein Allgäuer Holztag im Rahmen der Festwoche veranstaltet, es findet eine permanente Medien- und Öffentlichkeitsarbeit statt und im Mai 2019 gab es eine Veranstaltung „Inno4wood Barcamps“ an der Hochschule Kempten – „Holz trifft Digital“, erklärte Wirthensohn. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Bekanntheitsgrad und den Absatz der heimischen Holzprodukte zu steigern und die Kommunikation und Kooperation der Holz-Akteure untereinander zu verbessern. Ein erstes Ergebnis dieses Projektes sei der Bau eines mehrgeschossigen Holzhauses in Kempten durch die Sozialbau GmbH, so Wirthensohn. 

Herbert Beck, Geschäftsführer der Mona GmbH und Alexandra Rudhard stellten das Projekt „Einheitliche Tarifstruktur und Tarifharmonisierung im Busverkehr“ vor. 2018 erging der Förderbescheid und 2020 soll das Projekt abgeschlossen werden. Das Ziel sei ein klassischer Flächenzonentarif und eine einheitliche Tarifstruktur für alle Regionen, erklärte Beck. Dadurch werde der ÖPNV im Allgäu vereinfacht und übersichtlicher. Zudem entstehe eine Vernetzung der Mobilität verbunden mit einer Erhöhung der Akzeptanz bei der Bevölkerung. 

Den Abschluss der Veranstaltung machte die neu entstandene JugendKulturWerkstatt in Durach. Der Verein Kulterbunt e.V. musste im Zuge einer Neuausweisung eines Baugebietes seine Villa K. am Ortsrand verlassen. Ohne passende Räumlichkeiten hätte das Kulturprogramm nicht fortgeführt werden können. So entstand die Idee, ein Gebäude in der Ortsmitte, das vormals die Schreinerei Herz beherbergte, in ein neues Kulturzentrum umzubauen, erzählte Markus Schuster, der Vorsitzende des Vereins. Mit viel Herzblut, hohem ehrenamtlichen Engagement und Unterstützung von Gemeinde und Bürger*innen ist die JugendKulturWerkstatt entstanden. Ausgestattet mit einem Jugend- und einem Multifunktionsraum, einem Saal mit großer Bühne und einem großen Foyer mit Bar und Küche bietet sie Nutzungsmöglichkeiten für die verschiedensten Kulturveranstaltungen. So sind vielfältige Events geplant, wie zum Beispiel Kino, Manuco und eine Kindertheaterwerkstatt. Es soll ein zweites Wohnzimmer werden, philosophierte Schuster.

Christine Reder

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