Entwicklungsminister Gerd Müller berichtet über seine Erfahrungen und gemeinsame Verantwortung

Einsatz für Gerechtigkeit

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Auf Einladung von Dekan Bernhard Ehler (rechts) von der Pfarrei St. Lorenz berichtete Bundesentwicklungsminister Gerd Müller von seinen Eindrücken aus den Kriegs- und Krisengebieten im Sudan und in Syrien.

Kempten – Die Cityseelsorge Kempten hatte vergangene Woche einen ganz besonderen Gast. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller, nutzte seinen Aufenthalt zuhause im Allgäu, um von seinen Reisen in die Krisenländer dieser Erde und dem Engagement der Kirchen für menschenwürdige Lebensbedingungen zu berichten.

„Ohne den Beitrag der Religionen werden wir die globalen Herausforderungen nicht bewältigen können. Gerade heute, wo Religion als Rechtfertigung für Terror und Gewalt missbraucht wird, müssen wir die Zusammenarbeit mit allen Religionsgemeinschaften verbessern. Wir dürfen das Feld nicht den Extremisten überlassen, sondern müssen die stark machen, die sich für Frieden und Entwicklung einsetzen“, zitierte Pfarrer Bernhard Ehler von der Pfarrei St. Lorenz den Bundesentwicklungsminister und überraschte ihn mit einem ganz aktuellen Video, das auf der Homepage des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit zu finden ist und einen kleinen Einblick in die Reisen und in das Zusammentreffen mit Menschen in Jordanien, der Türkei und im Nordirak vermittelt.

Minister Müller zeigte sich sehr erfreut über die Internetrecherchen von Dekan Ehler und bestätigte den Inhalt des Videos mit der Aufforderung „Friede muss bei uns im Herzen beginnen.“ Ganz in diesem Sinne verknüpfte er das Ziel einer wertegebundenen Entwicklungspolitik mit dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland: „Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben – ein Recht auf Leben in Würde“, betonte Müller im Pfarrzentrum der katholischen Pfarrgemeinde St. Lorenz in Kempten. Die Weltreligionen hätten ein gemeinsames Fundament: Solidarität und Einsatz für den Mitmenschen. „Es wäre eigentlich so einfach“, gab der Bundesentwicklungsminister zu bedenken und betonte, dass die angeblichen Religionskriege in Wirklichkeit kein religiöses Fundament hätten. „Aber natürlich gibt es religiöse, ideologische Verblendung und zerstörerische Kräfte wie den sogenannten Islamischen Staat.“ Dieser überziehe eine ganze Region mit einem grausamen und menschenverachtenden Krieg. Großen Respekt zollte Müller dem Engagement der Kirchen in Krisen- und Kriegsgebieten und machte dies am Beispiel von Syrien deutlich. Die Region erlebte zwischen 2006 und 2011 die größte Dürreperiode der vergangenen Jahrzehnte. Zahlreiche Trinkwasserbrunnen versiegten und knapp 80 Prozent des Viehs verendete. Daraus resultierten Verteilungskämpfe und Gewalt. Hunger, Not und Elend seien die eigentlichen Ursachen für Krieg und Terror. Unter diesen Bedingungen leisten die Kirchen und die kirchlichen Hilfsorganisationen mit der Organisation und Verteilung von Lebensmitteln überlebenswichtige Dienste. „Dies ist mit ein Grund, warum die Kirchen als privilegierte Partner der Entwicklungshilfe gelten“, erläuterte der Bundesentwicklungsminister.

Beim Thema Flucht und Fluchtursachen betonte Müller deutlich, dass es keine Lösung ist Mauern zu bauen. „Wir müssen uns bewusst machen, dass es ein Gerechtigkeits- und ein Verteilungsproblem gibt. Wenn alle Menschen auf dieser Erde so leben würden wie wir in Deutschland oder den USA, dann bräuchten wir zwei oder gar drei Planeten“, veranschaulichte er den Ist-Zustand. Trotz all dieser Probleme und dem damit verbundenen Leid zeigte sich Müller zuversichtlich: „Eine Welt ohne Hunger ist möglich.“ Dieser Vision näher zu kommen bedürfe es dem Einsatz und der Verantwortung der Menschen in den Industrienationen. Müller erinnerte daran, dass vor 80 Jahren Hunger und Not im Allgäu allgegenwärtig waren, dies inzwischen aber kein Thema mehr sei. Da die Welt inzwischen ein globales Dorf sei und die Menschen in Nord und Süd, in Ost und West, real oder digital miteinander in Verbindung stünden, könnten wir, die wir uns auf der „Sonnenseite des Daseins“ befinden, uns nicht vom Rest der Welt abkoppeln.

Als wichtigen Ansatz stufte Müller die faire Gestaltung der Welthandelsbeziehungen ein. Fair gehandelter Kaffee, Tee und Schokolade seien da nur der Anfang und deswegen kämpfe er dafür, dass das Textilbündnis eine Erfolgsgeschichte wird und die Arbeiterinnen in den Fabriken in Bangladesch besser und gerechter bezahlt werden. Für Deutschland sah Müller ein großes Fair-Trade-Potenzial im Bereich des öffentlichen Beschaffungswesens und ermunterte hier anzupacken.

Michael Schropp

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