Erdrückende Argumente gegen Schaf, Ochs und Esel

Kemptener Weihnachtsmarkt: Hoffnungen auf lebendige Krippe begraben

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Ach in Kempten wird man sich in Zukunft wohl auf Strohtiere beschränken müssen. Der Werkausschuss hat am Donnerstag beschlossen, dass das Projekt Lebendige Krippe nicht umsetzbar ist.

Keine leichte Werkausschuss-Sitzung hatte am Donnerstag Stadtrat Peter Wagenbrenner (CSU). Seit drei Jahren hatte er dafür gekämpft, auf dem Kemptener Weihnachtsmarkt eine lebende Krippe ins Leben zu rufen. Nun hat das Gremium Schaf und Esel einstimmig ad acta gelegt. 

Auf offiziellen Antrag Wagenbrenners hin hatte die Verantwortliche Martina Dufner-Wucher und Hans Peter-Hartmann (FW/ÜP) Erfahrungen der Weihnachtsmarkt-Veranstalter in Ulm eingeholt, die davon abrieten, in der heutigen Zeit ein Tiergehege auf dem Markt zu starten. In Ulm ist die Krippe mit einem Esel, zwei Schafen und vier Lämmern seit 30 Jahren fester Bestandteil. Der Esel gehört sogar der Messe Ulm, wie Dufner-Wucher berichtete. „Die Besitzer stellen ihre Tiere nicht für den Weihnachtsmarkt zur Verfügung“, erklärte sie. 

Seit vier Jahren wachsen die Proteste von Tierschützern und um das Tierwohl besorgter Bürger. Das Veterinäramt kontrolliert in letzter Zeit verstärkt. Kürzlich ist das 250 bis 300 Quadratmeter große Gehege aus Stall und Einfriedung für 20 000 Euro umgebaut worden. Man brauche einen beheizbaren Rückzugsort, was allerdings die Ulmer Landwirte abschrecke, weil die Schafe dadurch verweichlicht würden. Nötig sind außerdem eine sachkundige Person, die rund um die Uhr vor Ort ist, eine Nachtwache, ein rufbereiter Tierarzt, Ultraschall vor und nach dem Markt.

Auch Erkundigungen Wuchers bei der lokalen Bauernschaft waren ernüchternd. Die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer, die mit anderen Mitgliedern des Bayerischen Bauernverbandes bereits mit „Kuh und Kalb“ auf der Festwoche informiert hätten, sagten auf Anfrage diesen Auftritt nun ab; zu groß seien der Arbeitsaufwand und die Befürchtungen, angefeindet zu werden. Sie rechnen auf dem Weihnachtsmarkt auch mit einem zu hohem Lärmpegel und Trubel, sodass „weder Mayer noch ihre Kollegen sich bereit erklärten“, Tiere zur Verfügung zu stellen.

Und auch von Volker Reichle, damals noch verantwortlich für das Verkehrswesen, hatte die Verwaltung eine Absage erhalten. Er hatte den Sigmund-Ullmann-Platz als möglichen Platz für die Krippe geprüft. „Das wäre die letzte mögliche Umleitung bei Sperrung der Kronenstraße“, so die Begründung.

Schließlich war noch eine Kostenkalkulation unternommen worden. Als einmalige Kosten waren 10 000 Euro unterstellt worden, als laufende 15 500 Euro. Würde die Krippe nur an einem Wochenende ausgestellt werden, beliefen sich die laufenden Aufwendungen auf 5000 Euro, wie die Verwaltung angenommen hatte. „Allein aus Kostengründen können wir die Krippe nicht umsetzen“, resümierte Hartmann, der auch das in Kaufbeuren verendete Schaf anführte: „Das brauchen wir in Kempten nicht.“ Überzeugt durch die Argumente zeigte sich in seinem anschließenden Wortbeitrag auch Wagenbrenner. Er dankte der Verwaltung für die aufwändige Arbeit und hisste im Kampf für die Krippe „die weiße Fahne“.

Susanne Kustermann

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