Den Erfolg neu definieren

Der Kreis von Unternehmern, die sich einmal im Monat in Isny zu einem Gespräch treffen, hatte sich erstaunlich erweitert, als kürzlich Anselm Bilgri für ein Referat ins Kurhaus kam. Der studierte Theologe und Benediktinerpater war von 1994 bis 2004 Prior im Kloster Andechs. Danach gründete er das „Anselm-Bilgri-Zentrum für Unternehmenskultur“ in München. Vor den Unternehmern sprach er von Maßhalten, langfristigem Erfolgsdenken und davon, den Menschen wieder in den Vordergrund zu rücken. Wo Bilgri seine geistige Heimat gefunden hat, wird beim Lesen seiner Schriften und auch in seinen Vorträgen deutlich. Das Arbeitsethos der Benediktiner ist offensichtlich ein Teil seines Lebens und Denkens geworden. „Ora et Labora“ hat er auch ins Gästebuch der Stadt Isny geschrieben. Danach richtet er sein Leben aus.

Deutlich merkte man Bilgri an, dass er ein erfahrener Redner und begeisterter Befürworter der Reduzierung auf das Wesentliche ist. Die Ordensregeln der Benediktiner will er auf neuen Wegen den Menschen verständlich und nachvollziehbar machen. Geschickt benutzte er die Bankenkrise und ihre Auswirkungen weltweit, um seine Gedanken zu untermauern. „Wir müssen von der Maßlosigkeit ablassen und Maßhalten neu lernen“, erklärte er. Das Vertrauen der Menschen sei erschüttert und besonders die Großbanken hätten es verspielt. Der Wertewandel der Gesellschaft zog sich wie ein roter Faden durch seine Betrachtungen. Erfolg zeichne sich für ihn nicht in sofortigem Gewinn aus, sondern in der Nachhaltigkeit seiner Auswirkungen. Besonders die Ansprüche werden in der Erziehung groß herausgebracht, während Pflichten und Solidarität nicht gelehrt werden, kritisierte er. Wandel steht bevor Bilgri sieht allerdings in der Gesellschaft auch einen bevorstehenden Wandel. Durch die Globalisierung und die Mobilität der Weltbevölkerung rücke der Mensch wieder stärker in den Vordergrund, ist er sich sicher. Entlassungen sind nach seiner Meinung kein Weg, erfolgreich zu rationalisieren und Kosten einzusparen. „Das Wissen und Können der Mitarbeiter, eine gesunde Motivierung und damit Erfolg werden neue Ziele im Wettbewerb der Firmen und Konzerne werden“, gab Bilgri den Isnyer Unternehmern mit auf den Weg. Der Mensch sucht Freiheit Der Benediktinerpater blickte zurück in der Geschichte: In der Antike sei es den Menschen darum gegangen, ein erfülltes und sinnvolles Leben zu führen. Das habe sich im Mittelalter in die Suche nach der Glückseligkeit und in der Moderne in das Streben nach der individuellen Freiheit gewandelt. Je eher es gelinge, den Menschen und seine persönliche Freiheit und Entscheidungsfähigkeit mit einzubinden, desto eher komme der Erfolg, erklärte Bilgri. Die anschließende Diskussion beschränkte sich auf wenige Beiträge, denn das Gehörte mussten die Gäste erst einmal verdauen. Ob die anwesenden Unternehmer nun in der Lage sind, diese Grundregeln in ihre Betriebe zu übernehmen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Bilgris Rat, sich täglich eine kurze Zeit einzuräumen, in der man über seine Ziele und seine Beweggründe nachdenkt, wäre zumindest ein Ansatz dazu.

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