Nominierungsversammlung der CSU: Hickhack um Stimmauszählung

Zitterpartie um Wölfle

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Josef Wölfle will Bürgermeister werden.

Haldenwang – Der parteilose Josef Wölfle wurde von den Freien Wählern sowie der CSU in zwei separaten Veranstaltungen als gemeinsamer Kandidat für das Bürgermeisteramt aufgestellt.

Während die Nominierung durch die FW reibungslos ablief, ging die Nominierungsversammlung der CSU und Jungen Wähler am Montagabend vergangener Woche mit einigen Irritationen und Verwirrungen einher und wurde kurzzeitig zu einer Zitterpartie für Wölfle. 

 Seit Dienstag vergangener Woche ist es offiziell: Josef Wölfle ist der dritte Bewerber um die Nachfolge des nach 24 Jahren aus dem Amt scheidenden Anton Klotz (CSU). Er tritt gegen Christine Rietzler (Grüne offene Liste) und Peter Mair an, dessen Kandidatur für die Wählergruppe „Ortsverbunden unabhängig“ aufgrund formaler Umstände noch nicht offiziell ist (der Kreisbote berichtete). Bei der Nominierungsversammlung der FW, zu der alle parteilich unabhängigen Bürger eingeladen waren, hatte Josef Wölfle 74 von 77 gültigen Stimmen erhalten. 

 Anders bei der Nominierungsversammlung der CSU und Jungen Wähler am Montag vergangener Woche. Diese war ursprünglich nichtöffentlich (womit nur CSU-Mitglieder stimmberechtigt gewesen wären), wurde jedoch kurzfristig zu einer öffentlichen Veranstaltung umfirmiert, „um den nicht der CSU angehörigen Gemeinderatskandidaten die Chance zu geben, mit abzustimmen“, wie der CSU-Ortsvorsitzende Dr. Christian Schwarz erklärt. Von 34 stimmberechtigten Personen votierten dann 17 für Wölfle, zwei gegen ihn, 12 für Peter Mair und einer für den Gemeinderat Michael Hauke, zwei Stimmen waren ungültig. Somit war zunächst unklar, ob Wölfles Nominierung überhaupt erfolgreich war – und wie mit den Gegenstimmen umzugehen sei. 

Am Dienstag vergangener Woche noch war Schwarz davon ausgegangen, dass die für Mair abgegebenen Stimmen ungültig gewesen seien, „da er bereits über eine Unterstützungsliste seine eigene Kandidatur eingeleitet hat und diese Versammlung bereits stattfand.“ Außerdem habe an diesem Abend nur Josef Wölfle zur Wahl gestanden. Auf die Frage von Versammlungsleiter Wolfgang Gabler habe es keine weiteren Personalvorschläge gegeben, weshalb auch die Stimme für Michael Hauke als ungültig zu werten sei. Somit seien 19 Stimmen gültig, von denen 17 auf Wölfle entfielen. Am Freitag kam nun die Kehrtwende: „Nach Rücksprache mit dem Wahlamt der Gemeinde Haldenwang hat sich die CSU-Ortsvorstandschaft dazu entschlossen, auch die Stimmen, die auf Peter Mair und Michael Hauke entfallen sind, als gültig zu werten. Da zwei Stimmen ungültig waren, hat Josef Wölfle von 32 gültigen Stimmen 17 erreicht und ist damit nominiert.“ 

Hätte Wölfle keine Mehrheit erreicht, dann hätte die Möglichkeit bestanden, ihn in einer weiteren, nichtöffentlichen CSU-Versammlung erneut zur Wahl zu stellen, so Schwarz. Wölfles Nominierung ging eine mehrmonatige Entscheidungsfindung voraus. Seit mehr als 35 Jahren stellen die FW und die CSU in Haldenwang einen gemeinsamen Kandidaten. So auch in diesem Jahr, in dem ein sechsköpfiges Gremium aus CSU und FW in mehreren Befragungsrunden aus acht Bewerbern (unter ihnen auch Peter Mair) schließlich Wölfle als Favoriten auswählte. Die Kandidatur war von dem Gremium selbst an ihn herangetragen worden. „Der ist es!“, sei die einhellige Meinung gewesen, so Gremiumsmitglied Dr. Albrecht Botzenhardt. Wölfle habe mit sehr ehrlichen, fundierten und durchdachten Antworten überzeugt, er sei engagiert und verfüge über Fachwissen, „eine gewisse Schlitzohrigkeit“, Esprit und Charme. Zudem sei er mit seinen 52 Jahren jung genug, „um der Ära Klotz eine Ära Wölfle folgen zu lassen“. 

 Josef Wölfle wurde in Stoßberg bei Haldenwang geboren. Der verheiratete Vater zweier erwachsener Kinder ist gelernter Einzelhandelskaufmann mit abgeschlossenem Landwirtschaftsstudium und seit 20 Jahren als Landwirtschaftsamtsrat am Kemptener Landwirtschaftsamt tätig, wo er seit 1994 auch Personalratsvorsitzender ist. Seit seiner Hochzeit 1992 lebt er in Waltenhofen. Ein Umzug nach Haldenwang komme für ihn nicht infrage, gibt er ehrlich zu, denn er wolle seine betagten Schwiegereltern, mit denen die Familie zusammenlebt, keinen Ortswechsel zumuten und sie auch nicht alleine lassen. Die Autofahrt von Waltenhofen nach Haldenwang sei schließlich in einer Viertelstunde zu bewältigen. 

 Politische Erfahrung sammelte er bei einer halbjährigen vertretungsweisen Beschäftigung im Münchner Landwirtschaftsministerium. Als Pfarrgemeinderatsvorsitzender und Geschäftsführer des Verbandes für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) Immenstadt sei er es gewohnt, „ähnlich wie im Gemeinderat“, Sitzungen zu leiten, zu organisieren, Probleme zu lösen und „vor de Leit ebbas zum sage“. Um sich ganz auf seine hauptamtlichen Aufgaben als Bürgermeister konzentrieren zu können, würde er sowohl seine Ehrenämter, als auch seine „sehr attraktive“ Arbeit bei der Behörde aufgeben, betonte Wölfle. Zu Haldenwang habe er stets Verbindung gehalten. So spielt er hier Theater, ist nach wie vor im Schützenverein Pfaffenhofen aktiv und nimmt zudem derzeit an sämtlichen offiziellen Veranstaltungen der Gemeinde teil, „um nah an den Themen und den Menschen dran zu sein.“ 

Grundsätzlich stehe er für eine weiterhin solide Haushaltsführung, eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gemeinderat, für eine Stärkung des Ehrenamtes und für „echte Werte“, wie Familie, Heimat und christliche Werte. Konkrete politische Zielsetzungen wolle er in den kommenden Wochen und Monaten herausarbeiten.

Sabine Stodal

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