Erfolgreicher Testdurchlauf

Am 18./19. September soll der Schauraum der Erasmuskapelle mit einer großen Feier seine Pforten für Besucher öffnen. Die Altstadt- und Stiftstadtfreunde wollen zusammen – „was ja nicht immer so war“, wie Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, angesichts der Historie beider Stadtteile schmunzelnd anmerkte – Ticketverkauf und Aufsicht in der neuen musealen Einrichtung übernehmen. Mit Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber besuchten sie deshalb vorab die noch mehr Baustelle als museale Einrichtung, in der die alten Gemäuer von Stützpfeilern für die trocknende Betondecke und Abdeckfolien dominiert werden.

Befürchtungen, die Betonabdeckung könne Schaden an der Ruine verursachen, räumte Weber aus, da „die ganze Last der Platte auf Bohrpfählen liegt“. Der Ticketverkauf soll im mit Bildschirmen ausgestatten Vorraum abgewickelt werden. Sorge bereitete Weber allerdings, dass der aus Brandschutzgründen baulich nicht vom Schauraum abgetrennt werden kann. So gab es kurzerhand einen Test mit beruhigendem Ergebnis: Das lautstark geführte Verkaufsgespräch störte die Gruppe im Schauraum nicht. Und das, obwohl die für den Test improvisierte Tonanlage weder Qualität noch Lautstärke der künftigen Präsentationstechnik im Schauraum hatte. Kompakte Vorstellung Die zwölfminütige Präsentation sei „kompakt“ gefasst und soll nach Webers Wunsch die Besucher animieren, sich näher mit dem Thema zu befassen. Vorgesehen sei eine Aufenthaltsdauer von insgesamt 30 Minuten, mit einer letzten Führung um 15.30 Uhr Nicht nur auf augenfällige, sondern auch auf verborgene Kostbarkeiten werde in der Ausstellung hingewiesen, deutete Weber auf ein schwach erkennbares Apostelkreuz auf einem Mauerstück. Natürlich dürften Fundstücke wie die „zusammen gebackenen Münzen, die bei einer Bestattung gefunden wurden“ ebenfalls nicht fehlen, zeigte er ein Foto, auf dem auch die Prägung einer Hand –„für Heller“ wie er erklärte – sichtbar war. „Wir haben hier eine gute Mischung gefunden“, die Würde der Verstorbenen zu wahren und wissenschaftlichen Fragen gerecht zu werden. Und noch einen Test absolvierten die etwa 15 Besucher bereitwillig: Wie schnell der Auf- und Abstieg der Treppe von Gruppen funktioniert. Rund zwei Minuten stoppte Weber mit der Uhr, trotz erschwerter Bedingungen. Denn über der Betontreppe liegt noch eine schützende Holzabdeckung mit kleinen Sprossen, die angesichts des strömenden Regens ziemlich rutschig war. Aktuell habe er von der St. Mangkirche das O.K. bekommen, einen externen Kartenverkauf in der Südhalle der Kirche einzurichten, eventuell mit Infoausstellung, für die Weber eine Dokumentation der Baumaßnahmen vorschwebte. „Wenn das alles gelingt“, sei es eine gute Erinnerung an Erasmus, den Namensgeber der Kapelle. Aufgespulte Därme Er sei ein „seltsamer Heiliger“ gewesen, „der eigentlich nur gelitten hat“, streifte er kurz das Leben des Erasmus, der neben dem Heiligen Florian in Bayern „am meisten gegen Brand eingesetzt wird“. Unter den vielen Torturen, die er erlitten und überlebt habe, sei ihm auch der Bauch aufgeschnitten und sein Darm aufgespult worden, den er auf Bildern häufig bei sich trage. „Verständlicherweise ist er auch als Heiliger für Unterleibskrankheiten“ zuständig, fügte Weber an. Wie Altstadtfreunde- Vorstand Hansjürg Hensler zum Schluss bemerkte, sei heute schon das Kleinod Erasmuskirche erkennbar und „man muss jedem dankbar sein, der das Zuschütten verhindert hat“. ct

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