Erfrischende Leichtigkeit

„Erzähltheater in kriminellem Milieu“ lautete der Untertitel des Stückes, das dem TheaterOben fünf volle Vorstellungen – davon vier für Schulklassen – bescherte. „Emil und die Detektive“ waren es, die nach 80 Jahren noch immer für Spannung und Begeisterung sorgten.

1929 war der von Erich Kästner geschriebene Roman erstmals im Berliner Kinderbuchverlag Williams & Co. erschienen. Liebenswert und phantasievoll hatte das „Theater der Jungen Welt Leipzig“ in der Regie von Marion Firlus seine Inszenierung des Kinderkrimis mit einigen aktuellen Anspielungen auf die Bühne gebracht. So gesteht einer der Racker, dass seine Eltern mit Sicherheit „entweder eingeladen oder im Theater sind“, wenn er einmal zeitig nach Hause komme. „Wir haben uns schon sehr lieb – aber wir machen keinen Gebrauch davon“, lässt er seine Kumpels wissen. In der kreativen Einfachheit der Requisiten, den mehrfachen Rollen, die den drei Darstellern, Chris Lopatta, Sven Reese und Reinhart Reimann zukamen und der Erzählkunst des vierten Mannes, Peter Schneider, der auch sein Saxophon „sprechen“ ließ, lag der besondere Reiz der Aufführung. Kindertheater, wie man es sich öfter wünschen kann. Aber bevor es richtig losgehen konnte, mussten sich die drei Schauspieler erst einigen, wer denn nun in welche der verfügbaren Rollen schlüpfen solle. Im Zug von Neustadt nach Berlin ein Nickerchen haltend, wird der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Emil Tischbein von dem dubiosen Herrn Grundeis bestohlen. Um die 140 Mark, die Emil seiner Großmutter bringen sollte, wieder zu bekommen, heftet er sich in der Großstadt an die Fersen des Diebes. Hilfe bekommt der Junge von anderen Kindern und seiner Cousine Polly Hütchen. Auf der Polzeiwache wird Grundeis durch die Sicherheitsnadel überführt, mit der Emil das Geld in seiner Jacke befestigt hatte. Dort stellt sich heraus, dass die Kinder einen Dieb und zugleich auch gesuchten Bankräuber zur Strecke gebracht haben. Mit der dicken Belohnung kann Emil nun auch der Mutter die Zugfahrt nach Berlin bezahlen und alle feiern gemeinsam Omas Geburtstag und Emils Heldentat. Das Stück kam mit einem spärlichen, durch das Öffnen eines „Fensters“ hier und da dabei flexibel nutzbaren Bühnenbild aus: Eine gezeichnete Berliner Straße, dazu eine Laterne, eine Litfasssäule und drei Hocker. Die bewusst unperfekte Inszenierung mit vergessenen Texten oder verlegten Hüten, die doch den jeweiligen Rollenwechsel anzeigten, gaben dem Stück eine erfrischende Leichtigkeit. Auch die eigenwilligen Stilmittel hatten viel Charme. So wurden einfach Bilder hochgehalten, um zu zeigen, woran der Zug vorbeifuhr. Na ja, mangels eines Kuhbildes tauchte schon auch mal ein Schaf auf, dessen wahre Funktion von lautem Muhen angezeigt wurde. Kinder und ebenso Erwachsene hatten jedenfalls einen Heidenspaß im Kemptener TheaterOben und dankten den Schauspielern mit kräftigem Applaus.

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