"Erhebliche Funktionsstörung"

Wenn Oberstaatsanwalt Peter Koch auf eine in Südbayern aktive Russenbande zu sprechen kommt, klingt so etwas wie Respekt in seiner Stimme mit. „Logistisch wird das sehr gut gemacht“, beschrieb er am Donnerstagvormittag anlässlich der Jahrespressekonferenz der Kemptener Staatsanwaltschaft das Vorgehen der Russen beim Drogenschmuggel aus Holland. Statt mit dem mit Drogen beladenen Wagen direkt loszufahren, schicken die Gangster zunächst ein oder zwei „Testfahrzeuge“ auf die Strecke, die Polizei- oder Zollkontrollen ausfindig machen und die eigentliche Transporteure dann warnen oder umleiten. Doch derzeit hat die einst von Kaufbeuren aus geführte Organisation eine „erhebliche Funktionsstörung“. Dank Peter Koch und seinen Kemptener Ermittlerkollegen sitzen die entscheidenden Köpfe der Gruppierung bereits hinter Gittern oder warten auf ihren Prozess.

Fast 30 000 Ermittlungsverfahren von der Bagatelle bis zum Mord gegen rund 21 000 Tatverdächtige haben die 20 Kemptener Staatsanwälte im vergangenen Jahr eingeleitet. Schwerpunkt ihrer Arbeit waren jedoch erneut Ermittlungen und Verfahren gegen Mitglieder einer russischen und einer georgischen Bande, die vor allem von Kaufbeuren und München aus europaweit tätig waren. So konnten Koch und Kollegen 2010 weitere fünf Mitglieder der Kaufbeurer Russenbande verhaften. Davon sind zwei bereits rechtskräftig verurteilt. Zuletzt wurde einer der Kriminellen vom Landgericht Memmingen zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt. Insgesamt konnten seit 2007 mit Hilfe eines Kronzeugen insgesamt zehn Mitglieder der Gang rechtskräftig verurteilt werden. „Darauf sind wir stolz“, betonte Koch. Ermittlungen laufen Neben Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung wird insbesondere wegen Rauschgifthandel (Heroin), Drohung, Erpressung und Urkundenfälschung gegen die Osteuropäer ermittelt. Auch aktuell, wie Koch berichtete, da eine weitere Anklagerhebung vor dem Landshuter Landgericht in Vorbereitung sei. Parallel dazu fahnden Koch und Kollegen derzeit auch in der georgischen Unterwelt. Der bayerischen Georgierbande waren die Kemptener Ermittler im Zuge der Telefonüberwachung der Russen auf die Spur gekommen. Wie berichtet, konnten im vergangenen Jahr allein in Deutschland 18 Mitglieder der internationalen und von München aus operierenden Bande festgenommen werden. Anfang dieses Jahres verurteilte das für kriminelle Vereinigungen zuständige Landgericht München I bereits zehn Gangmitglieder (Strafen von 1,9 bis 4,4 Jahren). "Wir sind stolz" Derzeit finden in München in zwei Prozessen die Hauptverhandlungen gegen weitere fünf Angeklagte – darunter auch der mutmaßliche Deutschland-Chef der Gruppe – statt. Im Gegensatz zu den Russen hatten die nicht minder gut organisierten Georgier vor allem Kaufhausdiebstähle (Kosmetika, Fotoapparate, Alkoholika) im großen Stil betrieben. „Da wurden Transporter mit Diebesgut im Wert von 30 000 Euro beladen“, berichtete Koch, dessen Chef, Leitender Oberstaatsanwalt Herbert Pollert, den Banden „eine erhöhte kriminelle Energie“ bescheinigte. Dass sie die Gruppierung damit zerschlagen haben, glauben die beiden Ermittler allerdings nicht. „Man muss damit rechnen, dass es die Organisation noch weiter gibt“, sagte Koch. Durch die zahlreichen Verhaftungen hätten sie aber „erhebliche Funktionsstörungen“ hinnehmen müssen. Trotzdem: „Wir sind stolz darauf, diese Verfahrenskomplexe übertragen zu bekommen“, betonte der Kemptener Behördenleiter Herbert Pollert.

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