Ein Leben im Dienst von anderen

Die ehemalige  Stadträtin Erika Wandel erzählt aus ihrem bewegten Leben

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Im Haus International berichtete die ehemalige Kreisvorsitzende der Frauen Union und Stadträtin Erika Wandel aus ihrem bewegten Leben, das sie u.a nach Frankreich, England, Finnland, Chile, Ghana, Sambia und Malawi führte. Noch heute ist Erika Wandel aktiv bei der Hilfe für afrikanische Waisenkinder.

Kempten – „Nicht reden, sondern handeln“, so lässt sich wohl die Lebensmaxime von Erika Wandel zusammenfassen. Die CSU-Politikerin ist allgäuweit bekannt als langjährige Kemptener Stadträtin, als ehemalige Kreisvorsitzende der Frauen Union und engagierte Europa- und Umweltpolitikerin.

Dabei war die Wirkungsstätte der agilen Frau nicht nur das heimatliche Allgäu, sondern Stätten in weiter Ferne.

Um das Lebenswerk der resoluten Dame ein wenig zu würdigen, lud das Ehepaar Dr. Günther und Claudia Dress im Rahmen ihrer Vortragsreihe „Allgäuer Eine-Welt-Experten und SES Freiwillige“ am vergangenen Dienstag Abend ins Haus International ein. Erika Wandel erzählte vor rund 60 Gästen aus ihrem ereignisreichen Leben. Einige der ehemaligen Weggefährten Wandels erschienen am Abend, aber auch neue und prominente Gesichter, wie das von Gertie Müller, der Ehefrau von Dr. Gerd Müller, waren zu sehen.

Ehrenamt im Ruhestand – SES

Zur Begrüßung sprach Günther Dress über das Wirken der vielen ehrenamtlichen Helfer der Organisation SES - Senior Expert Service. Der SES ist als Stiftung der Deutschen Wirtschaft für internationale Zusammenarbeit weltweit tätig. Die ehrenamtlichen Einsätze des SES finden in erster Linie in Entwicklungs- und Schwellenländern und in Deutschland statt. Profitieren von Experten im Ruhestand sollen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, öffentliche Verwaltungen, Kammern und Wirtschaftsverbände, soziale und medizinische Einrichtungen und Institutionen der Grund- und Berufsbildung.

Neugier aufs Leben

Wandel, die stets abenteuerlustig und neugierig auf das Leben war, zog es schon als Schulmädchen ins Ausland. Sie war eine der ersten Schülerinnen, die in den 1950er Jahren am Schüleraustaustausch zwischen Frankreich und Deutschland teilnahmen. Weitere Auslandsaufenthalte in dieser Zeit brachten sie nach England, Finnland und Spanien. Nach dem Abitur zog es Wandel in die Schweiz, wo sie die „höhere Töchterschule“ besuchte. Schon bald verließ sie das Interesse an dieser Ausbildung und sie wechselte nach München, wo sie ein Sprachstudium aufnahm. Diese Ausbildung bildete die Basis für ihre späteren Auslandsaufenthalte.

Eine der prägenden Destinationen in ihrem Leben wurde das Land Chile, wo sie als Auslandskorrespondentin arbeitete. Gemeinsam mit ihrem Ehemann lebte sie dort für Jahre, gründete eine Firma und sie brachte sechs Kinder, darunter Drillinge, zur Welt. Der politische Wechsel in Chile in Person von Präsident Salvador Allende hin zum Sozialismus bewegte das Ehepaar Wandel zur Rückkehr nach Deutschland.

Viel Engagement

Dort setzte sich Erika Wandel in der lokalen Politik ein, was sie innerhalb der CSU zur Kreisvorsitzenden der Frauen Union und Europakandidatin brachte. Das Interesse am Ausland aber blieb und so beschloss Wandel im Jahr 2004 eine Patenschaft für ein afrikanisches Waisenkind zu übernehmen. Organisiert wurde diese Patenschaft durch das Kinderhilfswerk Plan Deutschland e.V., das es Interessierten für 28 Euro im Monat ermöglicht, eine Patenschaft für ein Kind der Dritten Welt zu übernehmen. Jedes Kind wird dem Paten mit Foto vorgestellt und es besteht die Möglichkeit zur schriftlichen Korrespondenz.

Höhepunkt einer solchen Patenschaft stellt sicherlich das gegenseitige, persönliche Kennenlernen dar. Da Erika Wandel mehrere dieser Patenschaften übernahm, war es nur eine Frage der Zeit, wann es sie nach Afrika trieb. In den Ländern Ghana, Sambia, Malawi und Kenia besuchte sie ihre „Patenkinder“ und machte sich ein Bild von der Lage vor Ort. Mit vielen Fotos und Videoclips illustrierte die 80-Jährige diese menschlichen Begegnungen in ihrem Vortrag. Dabei zeigt sich Wandel noch heute bewegt von der Freundlichkeit der Menschen im Herzen Afrikas. „Die Dankbarkeit der Menschen selbst für kleine Spenden und Hilfen vor Ort war und ist beispiellos für mich und hat mich tief beeindruckt“, sagte sie. Das ehrenamtliche Engagement brachte Wandel auf die Idee, ein eigenes Projekt zu initiieren. Zusammen mit Mitstreitern wie dem Kemptener Zahnarzt Dr. Otto Renner, hob sie die IVORY Preparatory School and Orphans‘ (Waisen) Home aus der Taufe. Durch unermüdlichen Einsatz vor Ort und dem steten Sammeln von Spenden konnte so in Kenia für rund 270 Schülerinnen und Schüler eine hervorragende Schule gebaut werden, die sogar bald über Computerräume verfügen wird. Wenn Wandel dann Fotos von strahlenden Kindergesichtern und Videos von Begrüßungstänzen vor Ort zeigt, erkennt man, wie viel diese unermüdliche Frau in ihrem Leben zum Guten bewegt hat.

Jörg Spielberg

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