Goldene Kugel aus der Spitze des Kirchturms geöffnet

Zeitdokumente hervorgeholt

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Pfarrer Dr. Edgar Janz mit den zwei Fundstücken aus der Kugel.

Isny – Eine echte Sensation ist es nicht, wenn an einer exponierten Stelle wie der goldenen Kugel des Kirchturms von St.-Georg und Jakobus Botschaften hinterlegt sind. Damit hatte man fest gerechnet und im Beisein mehrerer Zeugen wurden die dort gefundenen Schriftstücke vergang- ene Woche geöffnet.

Bei der Restaurierung 1884 und nochmals 1934 hatten die fleißigen Handwerker zusammen mit dem jeweils amtierenden Pfarrer einen Text verfasst, in der Hoffnung, dass die nächsten Restaurateure die auch finden. In der Werkstatt der Firma Witter wurde die vergoldete Kugel geöffnet. Sie wird nun durch eine neue Kugel ersetzt. Die wird in Ulm bei der Firma Kaufmann vorgefertigt, denn aus Kupferblech eine Kugel mit einem Durchmesser von rund 80 Zentimetern treiben ist Aufgabe von Spezialisten. Die Endarbeiten erledigt die Fa. Witter. Da sitzt das Kreuz mit seiner Kugel an der höchsten Spitze und alle sind sich einig: Das vier Meter hohe Kreuz wieder an die höchste Stelle zu setzen, wird keine Aufgabe für Menschen mit Höhenangst. Das wird dann die letzte Aktion sein, bevor das Gerüst am Kirchturm wieder abgebaut werden kann. 

Reinhard Witter berichtete vergangene Woche vom Abbau des Kreuzes. Wenn das nicht saniert würde, wäre es wahrscheinlich im kommenden Winter und bei stärkeren Winden heruntergestürzt, machte er klar. Die Balken waren morsch und brüchig. Die Sanierung des Kreuzes hat die Kunstschmiede Epp übernommen. Pfarrer Dr. Edgar Janz hatte die Aufgabe übertragen bekommen, endlich die Dokumente zu öffnen. Was da 1934 hinterlegt wurde, ist jedoch in einem sehr schlechten Zustand. Da ist noch einiges an Puzzlearbeit zu bewältigen, denn alle Verse des mehrseitigen Vierzeilers waren nicht mehr auf Anhieb zu entziffern. Die Tinte war ausgelaufen und das Papier auch nicht im besten Zustand. Gerhard Weißgerber hat die Schriftstücke nun in seine Obhut genommen und will sich um das Entziffern bemühen. Auch das beigelegte Foto wird noch einige Stunden Beschäftigung brauchen. Da hat das Wasser ebenfalls volle Arbeit geleistet. Im Jahr 1884 war man offensichtlich schlauer gewesen, die Schriftbögen von damals waren in einer Blechhülse gut über die Zeit gekommen. 

In der Kugel sind übrigens eine ganze Reihe von Einschusslöchern und im Dach des Zwiebelturms ebenfalls. Woher die allerdings kommen, ist wahrscheinlich nicht mehr herauszufinden. Was nun von der Kirchengemeinde und der Stadt für eine spätere Generation in die Kugel kommt, ist noch nicht geklärt. Wasserfest und gegen Blitzeinschläge gefeit sollte es aber sein. Die vergangene Woche herausgenommenen alten Dokumente werden nach der Entzifferung wohl auch wieder gesichert an ihren Platz kommen.

Manfred Schubert

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