Erkennbare Leitlinien

Gut eineinhalb Jahre, nach dem OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) sie in Auftrag gegeben hatte, liegen nun die Ergebnisse der Kinder- und Familienfreundlichkeitsprüfung vor. Fazit der 60-seitigen Broschüre, die Benedikt Mayer, Leiter des Jugendreferates, am Donnerstagabend im Stadtrat vorstellte: Kempten ist zwar auf dem richtigen Weg, wird aber noch einiges tun müssen, um alle formulierten Ziele auch zu erreichen.

Erstellt hat die knapp 60 Seiten dicke Broschüre der Aktionskreis „Familienfreundliches Kempten“, ein Zusammenschluss verschiedenster Familienorganisationen, karitativer Verbände und Bildungsträger. Aus den Reihen des Stadtrates waren die Kinderbeauftragte Claudia Dress (CSU, vormals Ingrid Jähnig/SPD), die Jugendbeauftragte Regina Liebhaber (SPD) und die Kulturbeauftragte Hildegard Greiter (CSU) an der Zusammenstellung des Heftes maßgeblich beteiligt. Ziel der Kinder- und Familienfreundlichkeitsprüfung war, „die Familie ins Zentrum des gesellschaftlichen Geschehens zu rücken und den Blick auf die Familien in den verschiedenen Lebenslagen zur Gewohnheit werden zu lassen“, wie es Benedikt Mayer am Donnerstagabend formulierte. Dementsprechend hat der Aktionskreis in den vergangenen eineinhalb Jahren die Grundvoraussetzungen und Rahmenbedingungen in Kempten auf den Prüfstand gestellt. Untersucht wurden unter anderem die Angebote der Kinderbetreuung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, familienfreundliche Preise, Kindertagesbetreuung oder die kommunale Jugendarbeit. Dabei wurde sowohl der Ist-Zustand analysiert als auch die Ziele formuliert, die erreicht werden sollen. So kommt die Kommission beispielsweise zu dem Ergebnis, dass das Angebot des ÖPNV in Kempten zwar gut, die Fahrpreise für Kinder und Familien jedoch zu hoch seien. Untersuchungen im Bereich „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ haben dagegen ergeben, dass die Stadtverwaltung hier Vorbildliches leiste, während dieses Thema in der freien Wirtschaft kaum eine Rolle spiele. Gut sei dagegen die Ausstattung mit Kindergartenplätzen für Drei- bis Sechsjährige. „Es gibt keinerlei Engpässe“, heißt es. Während OB Netzer die Broschüre, von der zunächst 100 Exemplare gedruckt wurden, als „wertvolles Material“ bezeichnete, bemängelte Eduard Bühler (Grüne/FL) die seiner Ansicht nach „fehlende Aussagekraft“ der Kriterien. Dem hielt Netzer entgegen: „Das ist das, wie es sein soll, wenn wir 100 Prozent erreicht haben.“ Regina Liebhaber meinte dagegen: „Es wird sehr sehr spannend sein, den Text auszugestalten und aktiv zu handeln.“

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