Ersetzen statt neu bauen

Die Vorstandsmitglieder von ILKA: Reinhold Faulhaber (v.l.), Sonja Bierbaum und Werner Seyfert mit dem Vereinsmaskottchen, dem im Kempter und Kürnacher Wald brütenden Schwarzstorch. Foto: privat

Zum Schluss eines arbeitsreichen Jahres haben sich die Aktiven der Initiative Landschaftsschutz Kempter Wald und Allgäu e.V. (ILKA) noch einmal gegen den Bau weiterer Windkraftanlagen ausgesprochen. Reinhold Faulhaber gab jetzt als Vorsitzender außerdem einen Überblick über die zahlreichen Aktivitäten des vergangenen Jahres.

In der Energiediskussion stehe erneut im Raum, im Allgäu 150 weitere Windkraftanlagen zu errichten. In diversen Gesprächen mit Entscheidungsträgern sei daher versucht worden, den Werten der einmaligen Allgäuer Kultur- und Erholungslandschaft Geltung zu verschaffen. „Denn ins Visier der Standortsucher sind im Oberallgäu die Elleghöhe und insbesondere die letzten großen zusammenhängenden Waldgebiete – der Kürnacher-Eschacher Wald mit seiner einmaligen Vogelwelt und den letzten Auerhühnern, und der Kempter Wald mit seinen national bedeutsamen Moorkomplexen und Brutstandorten der seltenen Schwarzstörche – geraten“, so der Vorsitzende. Diese einmaligen ungestörten Waldbereiche besäßen ein unwiederbringliches ökologisches Gefüge, das durch Windindustrietürme ein für alle mal zerstört werde, warnte er. Keine "Verspargelung" Die PEESA-Studie des AÜW weise mögliche Windradketten mit Dutzenden von Anlagen aus. Deshalb seien alle Mitglieder des Planungsausschusses der Region Allgäu, alle Oberallgäuer Kreisräte, sowie die Gemeinderäte um den Kempter Wald und weit darüber hinaus mit Informationsmaterial versorgt worden, in dem unter anderem aufgezeigt wurde, dass das Gelingen einer klugen Energiewende in Deutschland nicht von einer weiteren „Verspargelung” des Allgäus abhänge. Vielmehr reiche die Ersetzung der bestehenden Windräder an geeigneten Standorten durch leistungsstärkere vollkommen aus. Zudem werde aus dem Offshorebereich – also vor den Küsten – künftig der Großteil des Windstroms kommen, da hier der Wind wesentlich stärker und konstanter wehe, so Vorsitzender Faulhaber weiter. Die Arbeitsgruppe Buchenberg wies darauf hin, dass die Broschüre „Kein Platz für Industriekolosse“ sehr gut in der Bevölkerung angekommen sei. Darin wird die oft genannte Wertschöpfung vor Ort durch Windkraftanlagen kritisch hinterfragt. Nicht nur, dass viele Gemeinden von den Betreibern jahrelang auf den erhofften Gewerbesteuerfluss warten müssten. Dazu komme, dass die 200-Meter-Wind-Kolosse massiv das Erscheinungsbild der Erholungsregion verändern und so das größte Kapital der Tourismusbranche,die einzigartige Allgäuer Natur- und Kulturlandschaft, entwertet würden. Bestätigt sahen sich die Natur- und Landschaftsschützer auch durch eine Umfrage der Gemeinde Sulzberg bei den Moosbacher Fremdenzimmer- und Ferienwohnungsvermietern: Einen Windpark in ihrer Hauptblickrichtung auf der Ellegghöhe lehnen 84 Prozent von ihnen ab, da sie ein massives Ausbleiben der eigenen Gäste befürchten. Ein Vermieter hätte bereits wegen dieser wirtschaftlichen Unsicherheit geplante Investitionen wieder gestoppt. Deshalb dürfe die eher zur Stromwende verkümmerte Energiewende nicht vorschnell dazu führen, die bisherigen Grundsätze des Landschafts-, Natur- und Artenschutzes einfach über Bord zu werfen, appellierte der Vorsitzende.

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