Erstaunliche Funde aus Cambidanum

Mit einem Skalpell befreit Grabungsleiter Ernst Sontheim unter dem Mikroskop die Oberfläche der gefundenen „Zwiebelknopffibel“ von Erdresten. Foto: Tröger

Rund 1600 Bestattungen, von denen immerhin knapp 500 einzelnen Menschen zugeordnet werden konnten, waren bei den Baumaßnahmen zwischen 2008 und 2012 auf dem St.-Mang-Platz zutage gekommen. Sie waren auf einem Teil des städtischen Friedhofs im Umfeld der St.-Mang-Kirche vom 7. bis ins 16. Jahrhundert hinein bestattet worden. 50 Skelette davon fanden 2010 ihre letzte Ruhe in einem Hohlraum in den Grundmauern der Apsis der ehemaligen Kapelle unter dem heutigen St.-Mang-Platz.

Nach der archäologischen und vor allem anthropologischen Untersuchung, auch im Rahmen einer Dissertation an der Ludwig Maximilians Universität in München, sollen die verbliebenen Gebeine ihre letzte Ruhe im Nachfolge-Friedhof am Fuß der Burghalde finden. Dafür wurde hinter der Friedhofskapelle eine große Grabgrube ausgehoben. Wie die Historikerin Birgit Kata erzählte, sei hier bis ins 19. Jahrhundert bestattet worden, zum Teil auch noch während des zweiten Weltkrieges. „Es gibt Hinweise, dass Zwangsarbeiter hier Grabgruben ausgehoben haben“ meinte sie. Freigelegt wurden nun Reste der etwa 180 Zentimeter mächtigen Wehrmauer der spätrömischen Stadt Cambidanum. Durch Steinraub und Grabgruben des ab 1535 am Fuß der Burghalde neu angelegten Friedhofs waren offensichtlich Teile der inneren Mauerschale abgekippt. Die Mauer war mit halbrunden Wehrtürmen bewehrt und wohl erst Jahrzehnte nach dem Siedlungsbeginn (ab circa 280 n. Chr.) im 4. Jahrhundert erbaut worden. Sie bildete die Westfront der Siedlung entlang des damaligen Hauptarms der Iller. Eine Reihe von spätrömischen Funden im Altstadtgebiet lassen inzwischen vermuten, dass sich diese Mauer nach Norden fortsetzte bis zum Standort der heutigen St.-Mang-Kirche. Spektakulärer Fund Innerhalb der gefundenen Wehrmauer wurden Siedlungsreste entdeckt, die eine Reihe durchaus aufschlussreicher Funde enthielten. Einige Eisenteile sind mittlerweile zur Konservierung und Restaurierung ans Bayerische Landesamt für Denkmalpflege im Kloster Thierhaupten gegangen; darunter „vermutlich die Reste eines Schwertes“, konnte Grabungsleiter Ernst Sontheim vergangene Woche allerdings noch nichts Genaues sagen. Eine vollständig erhaltene Öllampe des 4. Jahrhunderts aus Nordafrika, die laut Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber mit „einer Art Relief verziert ist“ sowie, nach Zählung Sontheims, „22 zum Teil recht gut erhaltene spätrömische Münzen“ gehörten ebenso dazu wie eine so genannte Zwiebelknopffibel. Diese Gewandspange aus Bronze war ab dem späten 3. Jahrhundert bis ins frühe Mittelalter ein wesentlicher Bestandteil der Kleidung höherer Ränge des spätrömischen Militärs und das Standeszeichen von spätantiken Beamten. Ein von der Herstellung solcher Gewandspangen entdeckter Zwiebelknopf aus Blei belegt, dass diese Fibelart in Cambidanum selbst hergestellt worden war. Die Forschung wertet es als Beleg für die wichtige Rolle des spätrömischen Standorts Cambidanum im 4. Jahrhundert n. Chr.. Nur an drei weiteren Orten in der Provinz Raetia Secunda konnte bis heute die Herstellung dieser hohen Rang- und Standeszeichen nachgewiesen werden. Bericht im Oktober „Interessant“ nannte Sontheim die Tatsache, dass dieser in einer „stark Asche verfärbten Lehmschicht gelegen hat“, und somit „nicht gewandert ist“ – möglicherweise ein Hinweis, dass dort „ein kleiner Handwerksbereich gewesen ist“. Den Fund eines so genannten „Perlkranzes“ – eine Kette aus Draht mit schwarzen Perlen – ordnete Kata der Zeit Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert zu. Damals habe man sie „als dauerhaften Schmuck aufs Grab gelegt“, obwohl es damals seitens der Kirche als Kitsch gesehen worden und eigentlich nicht erlaubt gewesen sei. Ein erster Bericht zu den archäologischen Funden vom St.-Mang-Platz und erwarteten Ergebnissen ist bis dato für den Schwäbischen Archäologentag geplant, der in diesem Jahr voraussichtlich vom 19. bis 21. Oktober in Kempten stattfinden wird.

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