Dauerthema "Großes Loch"

Gab es doch Zusagen?

Kempten – Die Geschichte und Hintergründe um die Entstehung des „großen Lochs“ am August-Fischer-Platz werden zunehmend ominöser. Jetzt musste OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) eingestehen, schon weitaus früher als bisher bekannt mit dem Thema befasst gewesen zu sein.

Versprochen haben will er den Schweizer Investoren allerdings nichts.

Ein zentraler Punkt in der Argumentation der Schweizer Ritter&Kyburz GbR und ihres Münchner Anwalts ist seit jeher die Behauptung, ihnen sei frühzeitig zugesichert worden, in ihrem geplanten Geschäftshaus gegenüber dem Forum Einzelhandelsläden einrichten zu dürfen. Politik und Verwaltung hatten dem bisher jedoch vehement widersprochen. Seit Beginn der Verhandlungen im März 2008 sei den Eidgenossen klipp und klar gesagt worden, dass dort kein Einzelhandel zuständig sei, lautet der allgemeine Tenor.

Jetzt musste OB Netzer auf schriftliche Anfrage des Kreis-boten allerdings einräumen, dass – wie von den Investoren stets behauptet – bereits am 1. März 2007 um 11.30 Uhr ein erstes Gespräch mit dem Architekt der Schweizer über die Zukunft des damaligen Peter-Sigg-Hauses stattgefunden hat. Über den Inhalt des Gesprächs gehen die Angaben jedoch auseinander. So sagen die Schweizer, Netzer habe ihren Architekten damals zwar darauf hingewiesen, dass „großflächiger“ Einzelhandel dort nicht genehmigungsfähig sei, kleinteiliger bis zu einer Obergrenze von 700 Quadratmetern aber kein Problem darstelle. „Ohne eine derartige Aussage wäre das Objekt auch nicht erworben worden“, betont Rechtsanwalt Thomas van der Heide.

"Keine Aussagen"

In der Stellungnahme des OB-Büros heißt es dagegen: „Inhalt (des Gesprächs) waren erste allgemeine Informationen über eine Entwicklung des Grundstücks.“ Dabei habe der OB auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Ziele des Kemptener Innenstadtkonzepts zu berücksichtigen. Grundsätzlich mache Netzer in „allgemeinen Vorgesprächen“ „keine Aussagen zur Zulässigkeit von Bauvorhaben“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Konkrete Pläne seien der Bauverwaltung erst im Juni 2008 vorgelegt und wegen der Ansiedlung von Einzelhandel auch gleich abgelehnt worden, so das OB-Büro weiter.

Außerdem werfen die Eidgenossen der Stadt erneut vor, den Kemptener Handel vor auswärtiger Konkurrenz schützen zu wollen. So sei die zunächst positive Haltung der Stadt gegenüber dem Projekt im Herbst 2008 gekippt, als bekannt geworden sei, dass der Migros-Konzern – ein großer Schweizer Lebensmittel- und Frischwarenfilialist – Interesse an einer Filiale in dem Gebäude habe. Ein Sprecher von Migros konnte das auf Anfrage unserer Zeitung weder bestätigen, noch dementieren. Dafür liege der Fall zu weit zurück. Grundsätzlich schaue man sich aber ständig im süddeutschen Raum nach Niederlassungsmöglichkeiten um. Netzer bestreitet, von den Verhandlungen gewusst zu haben: „Grundlage für die Aufstellung des Bebauungsplans war das Einzelhandelskonzept für die Innen- stadt“, betont er.

Wie es sich nun seinerzeit tatsächlich zugetragen hat – man darf gespannt auf das nächste Kapitel in der unendlichen Geschichte sein.

Matthias Matz

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