Erste mittelalterliche Darstellung

Mit Liebe zum Detail hat Roger Mayrock, Leiter des Burgenmuseums, eine Allgäuer Burgenlandschaft im 13. Jahrhundert nach neuestem Wissensstand rekonstruiert, die künftig bei Führungen eine wesentliche Rolle spielen soll. Foto: Tröger

Wie mag es wohl vor rund 700 Jahren bei uns im Allgäu ausgesehen haben? Eine Frage, die Roger Mayrock, Leiter des Allgäuer Burgenmuseums auf der Kemptener Burghalde, schon seit einigen Jahren beschäftigt. Als Ergebnis seiner Recherchen hat er eine großformatige Farbzeichnung angefertigt, die eine „an die Landschaftssituation zwischen Burgberg und Blaichach/Ettensberg angelehnte“ Burgenlandschaft um das Jahr 1300 zeigt.

Diese sei nicht naturgetreu nach der Kartographie übernommen, wie er betonte, sondern richte den Fokus vielmehr darauf, „wie das Allgäu vor 700 Jahren ausgesehen haben dürfte“. Ein wichtiges Element der Darstellung sei, dass die Iller aus heutiger Sicht „ein völlig verwilderter Fluss war, mit Niederungen aus Sümpfen und Mooren“. Auf Hügeln thronen zwischen Wäldern und gerodeten Flächen mehrere Burgen als dominante Bauwerke. „Sie waren wehrhafter Wohnsitz des Dienstadels“, Verwaltungsmittelpunkt der zu jeder Burg gehörenden Herrschaftsgebiete sowie deren landwirtschaftlichen Gütereinheit, erklärte Mayrock ihre Funktionen. Gerodete Flächen seien überwiegend als Äcker, beziehungsweise Getreidefelder angelegt und bewirtschaftet worden, in Dreifelderwirtschaft – Winter- und Sommergetreide sowie Brach- oder Weideland, um den Boden optimal zu nutzen. Dagegen habe die Rodungsfläche beispielsweise am Grünten „höchstwahrscheinlich“ dem Bergbau gedient. In den „damals noch ausschließlich mit Holzgebäuden“ bestückten Dörfern seien von Leibeigenen bis „besser Gestellten mit Privatbesitz“ bewohnt gewesen, die „aber alle einer Burgenherrschaft zugehörig waren“. Auch Köhlereien, zur Herstellung von Holzkohle, finden sich in der rekonstruierten Burgenlandschaft, Baumgärten für den Obstanbau, oder Weiher zur Fischzucht – ein „für den Adel ganz wichtiger Wirtschaftszweig bis in die Neuzeit“, wie Mayrock erläuterte. Die Vorburgen, erklärte er ein weiteres Merkmal in der Landschaft, seien der „Wirtschaftshof“ zur Burg gewesen, in dem unter anderem das Handwerk angesiedelt gewesen sei. Die „größtenteils unbefestigten“ Wege und Straßen seien, wenn unpassierbar geworden, einfach nebenan neu angelegt worden, wies er auf parallel verlaufende Wegabschnitte im Bild. Befestigte Schotterstraßen habe es nur bei den Römern und dann wieder ab dem 18./19. Jahrhundert gegeben, lieferte er als Hintergrundwissen. Viele Details Zahlreiche weitere Details, von der Burgenbaustelle bis zum „Meierhof“, offenbaren in dem neuesten Exponat des Burgenmuseums nachvollziehbar das Leben im Allgäu des 13. Jahrhunderts, weshalb es „bei künftigen Führungen eine wesentliche Rolle spielen“ soll. Soweit er wisse, gebe es hier „erstmals die Darstellung einer mittelalterlichen Allgäulandschaft“, die sich von der heutigen „deutlich unterschieden hat“, meinte Mayrock. Für geübte Augen sei in der Oberallgäuer Landschaft auch neben Burgruinen noch verschiedenes sichtbar, wie beispielsweise manche der ehemaligen Ackerterrassen.

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