Erziehung auf vier Pfeilern

„Paula und die Kistenkobolde“ hat die Augsburger Puppenkiste vergangene Woche bei der Barmer in Kempten gezeigt. Die Marionetten Heulibold, Zornibold, Bibberbold und Freudiboldt sind aber nicht irgendwelche Puppen, sie gehören zum Präventionsprogramm „Papilio“, einem Programm für Kindergartenkinder zur Vorbeugung gegen die Entwicklung von Sucht und Gewalt.

Papilio ist ein Programm zur Vorbeugung gegen die Entwicklung von Sucht und Gewalt. Wissenschaftlich sei nachgewiesen, dass es bereits im Kindergarten Risikofaktoren gebe, die sich in frühen Verhaltensproblemen äußern, meinte Heidrun Mayer, Projekt- und Studienleiterin von „Papilio“. Werde nichts gegen diese Probleme unternommen, könnten diese später zu Sucht- und Gewaltbereitschaft führen. „Papilio“ aber entwickle mit den Kindern sozial-emotionale Kompetenzen, sogenannte Schutzfaktoren, die das Kind in seiner Lebenskompetenz stark machen sollen, um später den Versuchungen widerstehen zu können. Insgesamt umfasse „Papilio“ vier Maßnahmen: Zunächst wird mit den Erziehern das Erziehungsverhalten reflektiert. Der zweite Pfeiler sind Drei-Kind-Orientierte-Maßnahmen, das sind beispielsweise das Marionettenspiel der Puppenkiste. Dabei sollen Kinder lernen, sowohl ihre Gefühle als auch die der Menschen in ihrem Umfeld wahrzunehmen, zu benennen und ihnen Ausdruck zu verleihen. „Der Spielzeug macht Ferien Tag“ ist eine weitere Säule von „Papilio“. Die Kinder sollen einmal pro Woche ohne ihre herkömmlichen Spielmaterialien spielen. Mit dem Spiel „Meins-Deins-Unser“ als vierten Pfeiler sollen die Kleinen den Umgang mit Regeln lernen, die in der Gruppe wichtig sind. Begeisterte Kinder Pia Szalai, Erzieherin, ist von dem Projekt überzeugt. Es sei praktisch umsetzbar und greife bei allen Kindern. Es sei für jeden Erzieher erlernbar und komme bei den Eltern sehr gut an. Dank den Kobolden seien die Kinder tatsächlich in der Lage zu sagen, dass sie heute zum Beispiel ein Zornibold seien und ein wenig Ruhe bräuchten. Gerade der Spielzeug freie Tag mache den Kleinen sehr viel Spaß. In Gesprächen mit den Eltern werden die mit eingebunden, um auch zu Hause das weiter zu führen, was im Kindergarten begonnen wird. Kemptens Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) hatte nach eigenem Bekunden den Eindruck, dass die Kinder selbst begeistert seien. Sie hoffe, dass das Projekt flächendeckend zum Einsatz kommt, denn die Problematik von Sucht und Gewalt gebe es in Kempten genauso wie anderswo. Auch wenn dieses Problem auf den ersten Blick nicht unbedingt im Kindergarten zu suchen sei, müsse doch schon frühzeitig angesetzt werden. „Es wäre schön wenn dieses Projekt hier Fuß fassen könnte“, sagte sie. Gerhard Schwab von der Barmer erklärte: „Kinder stark machen, indem wir ihre sozial-emotionale Kompetenz fördern und sie befähigen, ein gesundes Leben zu führen, das wollen wir mit der Unterstützung von Papilio erreichen.“ Simone Burk-Seitz von der Kinderbücke Allgäu war dagegen der Meinung, „Papilio“ sei geeignet, eine Prävention zu etablieren. Sie könne sich gut vorstellen, das Projekt im Allgäu mit zu unterstützen.

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