"Etwa das mit den Säulen?"

Notar Dr. Lorenz Bülow (v.l.), Landrat Gebhardt Kaiser, die 2. Vorsitzende des Kempodium-Vereins, Kerstin Duchardt, Stifter Jens Mittelsten Scheid, OB Dr. Ulrich Netzer und der 1. Vorsitzende des Vereins, Ethelbert Babl. Foto: Kampfrath

Der Kempodium-Verein muss künftig keine Miete mehr für das Allgäuer Bürgerzentrum bezahlen. Beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Kempodiums vor kurzem schenkte der Stifter Jens Mittelsten Scheid das Haus dem Verein.

Rund 120 Ehrengäste wohnten diesem besonderen Augenblick bei. Jens Mittelsten Scheid übergab den Schlüssel, der an einem gelben K hing, an den Vereinsvorsitzenden Ethelbert Babl. „Das Kempodium ist mittlerweile wichtiger Bestandteil der Infrastruktur Kemptens“, hieß es in der Schenkungsurkunde, die Notar Dr. Lorenz Bülow vorlas. Im Jahr 2000 hatte Mittelsten Scheid das Gebäude, das in der Unteren Eicher Straße steht, gekauft. Bis dahin diente das Haus als Schreinerei. Am 30. September öffnete das Kempodium seine Türen. „Mit dem Titelzusatz Allgäuer Zentrum für regionale Eigenversorgung konnten viele erst nichts anfangen“, sagte Ethelbert Babl. Doch das habe sich durch Lehrgänge wie „Schweißen für Nieten“ geändert. „Diesen Kurs könnten vielleicht einige von uns gut gebrauchen“, meinte der Vereinsvorsitzende. Den Anteil der Eigenfinanzierung sei von anfangs 25 Prozent auf nunmehr 85 Prozent gestiegen. „Unser Ziel ist es, neue Geschäftsfelder zu ergründen, um eine vollständige Eigenfinanzierung zu erreichen“, gab Babl bekannt. Wichtig für Miteinander Denselben Wunsch hegt der Kemptener OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Des Weiteren erhofft er sich, dass die Begeisterung noch mehr Leute erreicht. „Das Kempodium ist eine nicht wegzudenkende Einrichtung für das Miteinander in der Region.“ Netzer gab jedoch zu, dass er anfangs der Idee dieses Bürgerzentrums skeptisch gegenüberstand. Er habe befürchtet, das Vorhaben sei zu theorielastig. Das Ganze habe sich zu Beginn tatsächlich sehr theoretisch angehört, erzählte Jens Mittelsten Scheid. „Der Plan war fast zu gut durchdacht.“ Für ihn sei ein entscheidender Gedanke gewesen, wie Menschen zu dem finden, was sie wirklich sind und können. „Ich wünsche mir für die Zukunft des Kempodiums, dass in zwei Generationen noch ein wesentlicher Unterschied sein sollte zwischen selber machen und sein eigenes Ding machen. Das Eigene zu entwickeln sollte zentraler Gedanke im Hause bleiben.“ Für den Träger des Deutschen Stifterpreises sei die zehnjährige Entwicklung des Allgäuer Bürgerzentrums „sehr beglückend“. „Ich danke Ihnen, dass Sie in der Lage waren, das Kempodium zu denken“, sagte Monika Schubert, Moderatorin der Veranstaltung, dem Stifter. „Leider weiß man im Ostallgäu wenig über das Kempodium“, behauptete die Marktoberdorferin. Sie habe dazu ein paar Bürger befragt. „Kempodium? Das ist doch das mit den Säulen“, hätten viele geantwortet, die das Haus offenbar mit dem Campodunum verwechseln. „Wir sind zu sehr Kopfmenschen geworden. Praxis ist deshalb wichtig“, erklärte Landrat Gebhardt Kaiser (CSU). Es habe ihn beeindruckt, wie Schüler im Kempodium spielerisch zur vernünftigen Ernährung hingeführt werden. Auch einige regelmäßige Nutzer des Kempodiums kamen zu Wort. Die Brüder Jens und Jan besuchen hin und wieder die Kochwerkstatt. Jan bereitet am liebsten Schneebällchen, eine Süßspeise, zu. „Koch möchte ich aber nicht werden, das ist für mich nur Hobby.“ Sein Berufswunsch sei hingegen Bundespräsident. Dafür bietet das Kempodium jedoch noch keinen Kurs an.

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