Der etwas andere Blickwinkel

Mit Turnschuhen, hochgekrempelter Sporthose und sportlichem Oberteil trat Martin Haf, Vorstands-vorsitzender der Sparkasse Allgäu seinen „Rollentausch“-Besuch in der gemeinsamen Sportgruppe der Tom-Mutters-Schule und Heilpädagogischen Tagesstätte der Lebenshilfe Kempten an. „Die persönliche Begegnung ermöglicht einen unmittelbaren Eindruck. Der Rollen-tausch ist eine wichtige Aktion“, waren sich alle beteiligten Gäste aus Politik und Wirtschaft einig.

Der „Chef des Geldes“, wie die Jugendlichen der Sportgruppe Martin Haf betitelten, joggte mit den Jugendlichen an der Rottach entlang und hatte dabei noch ausreichend „Luft“, sich mit ihnen zu unterhalten. „Man bekommt einen anderen Blick“, bestätigt der Bankmann. „Wer unzufrieden ist, sollte einmal Begegnungen mit Menschen mit Behinderung suchen. Wir `Nichtbehinderten` können viel von ihnen lernen.“ Kemptens 3. Bürgermeisterin Sibylle Knott (Freie Wähler) begleitete im Rahmen der Aktion „Rollentausch“ Andrea Gehweiler bei einem Betreuungs-Besuch zweier Klientinnen des Ambulant betreuten Wohnens (ABW) der Lebenshilfe Kempten. „Mich beeindruckte, dass es für die beiden Frauen trotz der erkennbaren Defizite wichtig ist, alleine zu leben. Sie wollen ihre Individualität erhalten – und es funktioniert dank der Unterstützung“, resümierte Sibylle Knott. Schwitzende Politiker CSU-Gemeinde- und Kreisrat Dr. Christian Schwarz schwitzte dagegen beim Zusammenbauen von Gartenschlauchboxen bei InJob, einer Tochtergesellschaft der Allgäuer Werkstätten. „Hier wird im Team geschafft“, stellte er fest. Ihn begeisterte, dass mit InJob eine Arbeits-marktlücke zwischen Behindertenwerkstatt und 1. Arbeitsmarkt geschlossen wurde. Mitglied in einem Team war auch Rainer Schaidnagel, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Kempten, in der Archivierung der Allgäuer Werkstatt in Steufzgen. Hier bereitete er gemeinsam mit Christine Bigl, Matthias Wurster, Stefan Hegemann, Timo Rädler und Melih Acatürk Akten für die Digitalisierung vor. „Die Genauigkeit, mit der Menschen mit Behinderung ihrer Arbeit nachgehen, ist sichtbar und spürbar“, kommentierte Schaidnagel seine Beobachtungen beim Rollentausch. „Für uns sind die teilnehmenden Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft Multiplikatoren. Sie können transparent von ihren Eindrücken berichten und dadurch mit dazu beitragen, die Lobby der Einrichtungen für Menschen mit Behinderung vorurteilsfreier zu machen und zu verbessern“, zog Michael Hauke, Geschäftsführer der Allgäuer Werkstätten, eine positive Bilanz aus der 5. Rollentausch-Aktion. Auch bei der nächsten Aktion werde man wieder Gäste zur Teilnahme einladen, kündigte der Geschäftsführer an.

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