Die etwas andere Dorferneuerung

Eine Riesengaudi mit den mit einem Holzspieß bewaffneten Sieben Schwaben erlebten die Zuschauer jetzt in Sulzberg. Fotos: omp

Ein Frauenhaus in einer 4600-Seelen-Gemeinde? Oder vielleicht sogar ein Freudenhaus, wie ein Rentner verstanden haben wollte? Oder neben dem Kriegerdenkmal eine große Freilichtbühne bauen? All das sind Vorschläge zur aktuellen Dorferneuerung in Sulzberg. Freilich, die Wortmeldungen sind nicht bierernster Natur, stammen sie doch aus dem Munde der munteren Sulzberger Theatergruppe.

Und diese wollte natürlich viel Humor in die Diskussion tragen. Was auch vorzüglich gelang: Die gut 300 Besucher beim Unterhaltungsabend im „Hirsch“-Saal applaudierten fleißig und hatten jede Menge Spaß an dem von Inge Sommer geschriebenen Lustspiel. Ein großer Gag war die mit Lichtbildern unterlegte Idee, über Sulzberg eine Golden-Gate-Brücke zu spannen. Als Ausgleich dafür, dass eine Umgehungsstraße – auch für den Gemeinderat – mittlerweile „gestorben“ ist. Und eine Alternative lieferten die Gaudiburschen und -mädels gleich mit: „Sulzberg 22“ könnte es sein, selbstverständlich mit einer gewaltigen Unterführungsstraße. Auch ein paar Kilometer außerhalb wollte die Laienspielschar um Oskar Sommer noch ein Highlight in die Welt setzen, nämlich ein „beispielloses Sea-World-Remmidemmi” im Öschlesee. Im Vergleich dazu gab sich die Öko-Aktivistin, die permanent mehr Radständer im Ortszentrum forderte, doch sehr bescheiden. Und was war sonst noch geboten? Ein herzerfrischender Kinderchor namens „Cantare“, der, geleitet von Regina Spöttle, auf Anhieb die Herzen der Besucher eroberte. Auch der Theaternachwuchs punktete, wurde aber von der resoluten Bürgermeisterin schnurstracks aus dem Rathaus geworfen, als die Kicker kleinlaut ihre Sünde (Ball gegen eine Scheibe) gebeichtet hatten. Bürger reden mit Es folgten noch zwei Lachsalven-Kanonaden der erwachsenen Schauspieler. Zum einen fuhr ein Supergrantler (Hans Kössinger) schier aus der Haut, als sein TV-Gerät ausgerechnet vor der Fußballübertragung streikte. Und zum anderen kreiselten die mit einem Holzspieß „bewaffneten“ Sieben Schwaben auf der Bühne. Um sich sofort auf den Boden zu werfen, wenn auch nur ein Mini-Geräusch „Drachengefahr“ zu signalisieren schien. Und wie läuft die reale Dorferneuerung? Bei einer Bürgerver-sammlung trugen die Verantwortungsträger jüngst vor, wie sie sich die Dorferneuerung in Sulzberg wirklich vorstellen: Möglichst viel Bürgerbeteiligung, hieß es unisono. Dieses werde schon durch Arbeitskreise garantiert, sagte Bürgermeister Thomas Hartmann. Die Gemeindevertreter würden die Bürger „keineswegs mit fertigen Lösungen versorgen“. Jedoch: „In jedem Arbeitskreis soll ein Gemeinderat vertreten sein. Und der Rathauschef hält die Zügel in der Hand“, betonte Diplomingenieur Max Lang vom Amt für ländliche Entwicklung in Krumbach. Dr. Lothar Zettler vom projektbegleitenden Planungsbüro „Lars Consult“ (Memmingen) bat die Arbeitskreise, Leitbilder zu erarbeiten. Sein Büro werde beraten und unterstützen, aber nicht bevormunden.

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