Die etwas andere Weiterbildung

Anselm Dohle-Betlinger erklärte anhand eines Fünf-Euro-Scheines den Teilnehmern der Wochenend-Universität „Was macht aus Papier Geld?“ Foto: moriprint

Die Atmosphäre gleicht der in einem alltäglichen Hörsaal der Fachhochschule Kempten: Renommierte Referenten sprechen über Recht, Philosophie, Betriebswirtschaft, Musik, Umwelt und Brauchtum. Doch die Studierenden sind konzentrierter als üblich, denn für sie ist der Vorlesungstag eine Besonderheit: Bereits zum 4. Mal richtete die Körperbehinderte Allgäu in Kooperation mit der Lebenshilfe Kempten und den Allgäuer Werkstätten die Wochenend-Universität für Menschen mit Behinderungen aus.

Jörg-Thilo Beck beispielsweise würde was fehlen ohne die Wochenend-Uni, genauso wie Horst Schühlein, Andreas Höß oder Peter Christ. Insgesamt nahmen heuer mehr als 100 interessierte Frauen und Männer mit Behinderungen an dem Event an der Fachhochschule teil. Dazu gesellten sich 40 Begleiter. „Da lerne ich auch noch etwas dazu“, meinte eine Betreuerin. Die Teilnehmer kamen aus Kempten, Sonthofen, Kaufbeuren, Tannhausen, Lautrach, Ursberg, Schongau/Peiting (Herzogsägmühle), Lindenberg und sogar aus Neu-Ulm. Bevor die Vorlesungen beginnen konnten, war jedoch zunächst „man-power“ gefragt, denn der Lift hatte am frühen Morgen „seinen Geist“ aufgegeben. „Zum Glück war niemand im Fahrstuhl“, erholte sich Organisatorin Uschi Ullemair von dem Schrecken. Etliche Rollstuhlfahrer mussten über die Treppe in die Hörsäle im ersten Stock getragen werden. Alle Vorlesungen waren „ausgebucht“. Große Begeisterung fand das Thema „Wie kommt man ins Gefängnis und wieder heraus“. Allerdings verriet Professor Dr. Claus. Loos nicht etwa, wie man aus einem Gefängnis ausbrechen kann, sondern vielmehr, warum es überhaupt solche Einrichtungen braucht und wie es Menschen darin verändern kann. Seine Vortrag spickte er mit ver-ständlichen Zahlen: So sitzen bundesweit etwa soviel Menschen in Gefängnissen ein, wie Kempten Einwohner hat. „Das kann man sich merken“, schmunzelte ein Teilnehmer. Wie ist das mit dem Geld? „Dufte“ ging es dagegen beim Workshop von Renata Traut zu. Die Museumsführerin entführte die Teilnehmer in die Welt der Düfte. Zimt, Weihrauch, Rosenöl, Räuchertabletten sind durchaus kein Zauberwerk, sondern Utensilien aus der Antike, wie sie ihren Studierenden vermittelte. Außerdem stellte die Gruppe gemeinsam noch eine Salbe her. Fragen rund ums Geld stellte und beantwortete Anselm Dohle-Betlinger – und staunte nicht schlecht, was seine Gruppe bereits alles wusste. Außer Rand und Band war die Studienschar um Buchautor und Mundartdichter Jochen König. Er beschrieb die Welt der Bräuche und Sagen, der Gnome und Zwergen, was Marianne Tschugg im Dialekt mit „Heilig´s Blechle“ kommentierte. Voll besetzt war auch der Kurs von Dirigent Kristof Büsing. Seine musikalische Reise reichte von der ersten „Knochenflöte“ bis zum Kontrabass. Vorträge zum Frieden (Dr. theol. Reinhart Gruhn) und zum Wasserlauf (Ingenieur Rudolf Bader) rundeten das Programm ab. „Nächstes Jahr kommen wir wieder“, war das Versprechen der Tagesstudenten.

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