Licht ins Dunkle

Ein kleines Stück Aufklärung

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Licht ins Dunkel der vielzähligen Labels, Logos, Signets und Siegel von fair gehandelten Produkten versuchte Annegret Lueg in ihrem Fachvortrag zu bringen.

Kempten – „Eure Almosen könnt ihr behalten, wenn ihr uns gerechte Preise zahlt.“ Dieses Zitat umschreibt die grundsätzliche Haltung des Fairen Handels, weitläufig bekannter unter der englischen Bezeichnung „Fair Trade“.

Beim Fairen Handel wird den Erzeugern vornehmlich landwirtschaftlicher Produkte ein festgelegter Mindestpreis garantiert. Damit soll den Produzenten, vielfach Kleinbauern aus Entwicklungsländern, auch bei niedrigen Marktpreisen ein höheres und sicheres Einkommen ermöglicht werden. Dazu wird versucht, langfristige Partnerschaften zwischen Händlern und Erzeugern aufzubauen. Der Faire Handel agiert so, dass lokale Anforderungen an soziale wie ökologische Standards in den jeweiligen Erzeugerländern in die fair gehandelten Produkte eingepreist werden. Auch in Deutschland boomt der Handel mit diesen „Fair Trade“ Produkten und der Markt für fair gehandelte Produkte wächst stetig. So betrug der Gesamtumsatz von fair gehandelten und gesiegelten Produkten 2013 immerhin 654 Million Euro zzgl. 130 Millionen Euro Fair Handels Importen (Quelle: Forum fairer Handel).

Mit diesem Boom einhergehend kam es in den vergangenen Jahren zu einer wahren Flut von Labels, Logos, Siegel und Zeichen, die im besten Fall den Verbraucher garantieren, dass das Produkt tatsächlich die ihm zugesicherten Eigenschaften besitzt.

Licht in das Dickicht der vielen Signets und Zeichen auf den Produktpackungen wollte jetzt die studierte Industriekauffrau und Mitglied im Vorstand von Eine Welt Netzwerk Bayern e.V., Annegret Lueg, in einem Fachvortrag vor Publikum im Künstlerhaus bringen. „Nicht zuletzt durch das Platzieren von eigenen „Fair Trade“-Produkten der großen Handelsketten wie Lidl, Edeka oder Rewe, besteht Handlungsbedarf bei der Aufklärung des Verbrauchers über Sinn, Unsinn und Wahrheitsgehalt der mannigfaltigen Etikettierungen“, so die Expertin für fair gehandelte Produkte. Lueg folgte mit ihrem Fachvortrag zu diesem Thema einer schon lange ausgesprochenen Einladung der Steuerungsgruppe „Fairtrade-Town“, die vom städtischen Amt für Umwelt- und Naturschutz betreut wird und ihrer früheren Wirkungsstätte, dem Weltladen Kempten.

Grundsätzlich verwies Lueg auf die vier großen Fairhandels-Siegel, die Produkteigenschaften wie fair gehandelt, biologi- sche, naturnahe und gentechnikfreie Erzeugung garantieren: FAIRTRADE, Naturland Fair, fair for life und das französischen Label Ecocert. Diese Fair-Trade-Siegel werden von Organisationen vergeben, die im interna- tionalen Dachverband Fairtrade Labelling Organization International, kurz FLO, zusammengeschlossen sind. Die Vergabe von Fair-Trade-Logos ist an eine Reihe von Kriterien geknüpft, die von der FLO mit Sitz in Bonn entwickelt und festgelegt werden. Dazu zählen der direkte Handel mit den Produzentengruppen ohne Zwischenhändler, Vorfinanzierung und langfristige Lieferbeziehungen sowie ökologische Standards.

Problematisch ist oftmals die Beurteilung von sogenannten Mischprodukten, da es sich hier anders als zum Beispiel bei Kaffee oder Bananen, um ein Produkt handelt, das sich aus verschiedenen Zutaten zusammensetzt. Im Fall Schokolade aus den Ingredienzien Kakao, Zucker, Gewürzen und Milch. Nicht alle diese Zutaten sind bei einem Produkt gleichsam unter den Kriterien des Fairen Handels produziert worden und so wird in diesen Fällen mit Prozentangaben auf den Packungen darauf hingewiesen.

Ein weiteres Problem ist, dass die „Fair Trade“ Erzeugergruppen vor Ort oftmals nicht die erforderlichen Mengen erwirtschaften können, die zum Beispiel für eine Schokoladenpro- duktion erforderlich sind. So geschieht es, dass Fair-HandelsErzeugnisse häufig mit denen aus herkömmlicher Produktionsweise vermischt und verarbeitet werden. In diesem Fall ist eine genaue physische Rückverfolgbarkeit nicht mehr möglich. Um aber zu vermeiden, dass somit die Fair-Handels-Erzeuger vom Markt ausgeschlossen werden, verzichtet man auf eine Besiegelung mit einem reinen „Fair Trade“ Signet und druckt stattdessen prozentuale Angaben auf die betroffenen Endprodukte.

Einkommen garantiert

Für die ausgewiesene Expertin Annegret Lueg ist dies nicht der ideale Weg, aber auch sie meint, dass auf diese Weise ein Einkommen der „Fair Trade“ Produzenten vor Ort, oftmals einfache Landbauern, garantiert ist. „Fair gehandelte Produkte sind nicht zuletzt durch die eigenen „Fair Trade“-Produktlinien der großen Handelsketten in das Bewusstsein der Menschen gerückt, wie man es insbesondere auch in Großbritannien beobachten kann“, sagt Lueg. „Wir müssen aber zu einer klaren, eindeutigen Kennzeichnung fair gehandelter Produkte finden, damit der Ver- braucher Gewissheit erhält, dass die dem Produkt durch ein Label zugeordneten Eigenschaften sich in diesem auch tatsächlich wiederfinden.“

Jörg Spielberg

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