"Extremst aggressiv"

Wegen gefährlicher Körperverletzung muss ein 25 Jahre alter Iraker für drei Jahre hinter Gittern. Die 1. Strafkammer des Landgerichts sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der junge Mann im August vergangenen Jahres nach einem Streit seinen Vorarbeiter mit einem Messer attackiert und verletzt hat. Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor neun Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert.

Was genau an jenem Samstagmittag Mitte August des vergangenen Jahres im McDonalds-Restaurant in der Bleicherstraße zwischen den beiden Kollegen und Landsleuten gesagt wurde und vorfiel, wissen wohl nur die beiden. Während der Angeklagte vor Gericht geltend machte, dass der 38-jährige Vorarbeiter ihn „wie einen Hund“ behandelt habe, sagte der am Dienstag aus, er habe den jungen Iraker lediglich darauf hingewiesen, dass es für die Mitarbeiter verboten sei, im Kundenbereich zu essen. Fest steht daher nur, dass beide am gleichen Abend vor dem Restaurant aufeinander trafen und es zu einer handfesten Auseinandersetzung kam, in deren Verlauf der Angeklagte zwei Mal mit einem kleinen Obstmesser auf das Opfer einstach und es (leicht) am Arm verletzte, wie mehrere Zeugen aussagten. So ganz wollte das Gericht der Darstellung des Vorarbeiters bei der Urteilsfindung jedenfalls nicht folgen. „Da muss mehr gewesen sein“, sagte Richter Dietmar Hermann bei der Urteilsverkündung. Zumal der Vorgesetzte der beiden bestätigte, dass sich der Vorarbeiter gegenüber Kollegen in der Vergangenheit bereits mehrmals im Ton vergriffen und deshalb gerügt worden sei. „Ich akzeptiere seine Art und Weise nicht“, so der Chef der beiden. Den Angeklagten beschrieb er dagegen als sehr ruhigen, freundlichen und zuverlässigen Mitarbeiter, der nie Probleme gemacht habe. An jenem Tag sei er allerdings „extremst aggressiv“ gewesen. „So war er noch nie“, wunderte sich der Zeuge noch am Dienstag. „Irgend etwas Schlimmes muss vorgefallen sein, etwas Gravierendes.“ Ein weiterer Mitarbeiter sagte ebenfalls aus, dass das spätere Opfer den Iraker wohl provoziert habe. Keine Tötungsabsicht Tatsächlich entbrannte schon kurz nach der Rüge des Vorgesetzten in der Küche des Restaurants ein lautstarker Streit zwischen den beiden, in deren Verlauf der 25-Jährige seinem Vorgesetzten nach übereinstimmenden Zeugenaussagen mit dem Tod drohte. Dabei soll auch ein Messer oder eine Schere im Spiel gewesen sein, genau ließ sich das am Dienstag nicht mehr klären. Spätestens nach dessen Schicht am Abend werde er ihn töten, so die Ankündigung des Jüngeren. Auch ein gemeinsames Gespräch beim Chef half nicht weiter. „Ich habe nicht rausbekommen, um was es ging“, berichtete der am Dienstag. Zwar behauptet der Angeklagte, er sei an jenem Abend lediglich noch einmal zum Restaurant in der Bleicherstraße gegangen, um seine weiteren Arbeitszeiten zu klären. Dabei sei er jedoch dem Vorarbeiter begegnet, der ihn unvermittelt angegriffen habe. Er selbst habe sich nur wehren wollen und sich daher einen Ast gegriffen, mit dem er den Vorgesetzten verletzt habe. Doch auch dieser Version konnte und wollte das Schöffengericht nicht folgen. „Sie wollten es ihm zeigen“, war Richter Hermann überzeugt. Deshalb habe er dem Vorarbeiter bewusst aufgelauert – aus einem „fehlerhaft justierten Ehrgefühl“ heraus. Von versuchtem Mord – wie von der Staatsanwaltschaft hartnäckig dargestellt – wollte das Gericht jedoch nichts wissen. Schon allein die Tatsache, dass der 25-Jährige mit einem kleinen Obstmesser statt eines durchaus zur Verfügung stehenden starken Fleischmessers auf den körperlich weit überlegenen Turkmenen los gegangen sei, spreche dagegen. Die Todesdrohungen wollte das Gericht ebenfalls nicht allzu hoch hängen. „Sie haben Worte gewählt, die Sie nie umgesetzt hätten“, sagte Hermann. Neben der dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilte das Gericht den jungen Iraker auch zu einem Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro.

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