Kunst- und Kulturfestival "artig‘17"

Ein Fest der Sinne

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"Barock" lautet der Titel des Werkes von Susanne Praetorius, das im Rahmen von "artig'17" zu sehen ist. 

Tiefe, wabernde Klänge hallen durch die Räume der Galerie „Kunstreich“. In allen drei Etagen sind sie zu hören und geben dem Rundgang etwas Meditatives. Weniger ruhig geht es in dem Raum zu, aus dem die Musik kommt.

Immer wieder Gelächter, wenn das Instrument nicht schwingt und nur ein Prusten herauskommt. Gar nicht so leicht ist das. „Alles eine Frage der Atemtechnik“, sagt Marcus „Wichtel“ Wichmann, Didgeridoo-Lehrer und Bandmitglied bei „Orange“. Im Rahmen des Kunst- und Kulturfestivals „artig‘17“ gibt er einen Didgeridoo-Workshop in den Räumen von artig e.V.

Zwölf Künstler stellen vier Wochen lang aus; neben Führungen zu Kaffee und Kuchen bzw. Käsebrot finden aber auch Konzerte, Lesungen, Podiumsdiskussionen, ein Improtheater-Abend oder ein KunstPubQuiz statt. „Wir möchten die Künste vermischen, die Grenzen auflösen“, sagt Vorsitzender Stephan A. Schmidt, dessen Werke bei der Ausstellung zu sehen sind. „Kunst macht auch Spaß“, ergänzt Künstlerin Gwen Boos, „in der bildenden Kunst wird oft das kritische Moment gesucht, bei Musik ist das nicht so.“ Mit den Konzerten komme ein anderes Publikum in die Galerie. Und das ist gewollt. Menschen aller Hintergründe sollen sich ungezwungen über Kunst unterhalten. Deshalb ist auch der Eintritt frei, sagt Ausstellerin Maria V. Kiechle. „Ich wünsche mir, dass die Fantasie der Besucher Flügel bekommt und sie sich über die Kunst unterhalten.“ Fantasie ist bei der Auseinandersetzung mit Kiechles eigenwilligen Exponaten tatsächlich gefragt. Spielerisches merkt man mehreren Werken der Ausstellung an, ohne dass sie sich darauf beschränken: In „Die mit dem Iltis“ von Gwen Boos finden sich Anleihen an ein Renaissance-Portrait. Auf dem Schoß der Dame sitzt aber eine Pokémon-Figur. In der Auqarell-Serie „Flughilfe I-IV“ von Matthias Herzog schweben Tiere mit Hilfe von Luftballon-Hunden. Eine zauberhafte Wirkung entfalten die Collagen von Anna Fassnacht, in denen Menschen und Tiere vor schwarzem Hintergrund zu besonderen Wesen verschmelzen.

Heiteres und Ernstes

Eher traurige, teils bedrückende Töne schlägt Eileen O‘Rourke mit ihren Graphit-Zeichnungen und Monotypien an. Beängstigend kann auch die Videoinstallation von Stephan A. Schmidt wirken: Der Besucher durchquert ein Elefantengras-Feld, begleitet von leisen, dumpfen Tönen.

Ebenfalls vertreten ist die Fotokunst bei der Ausstellung: Die farbstarken Naturbilder von Klaus „Bschese“ Kiechle, die den Betrachter in einen sonnigen Herbsttag transportieren; die bearbeiteten Polaroids von Mathias Wendel; oder seine filigranen, zerbrechlich wirkenden Naturaufnahmen. Romantisch wirken die getonten Natur-Cyanotypien von Karl E. Schneck. Bei der Cyanotypie handelt es sich um ein altes fotografisches Verfahren, das nicht wie die Schwarz-Weiß-Fotografie auf der Reaktion von Silber beruht, sondern auf jener von Eisen. Auf einem Bild, das Schneck nicht getont hat, sind „Maktbesucher“ zu sehen. Hier entsteht ein eher kalter, harter Effekt. Weitere anregende Werke stellen Mercedes Vetter-Rodriguez, Susanne Praetorius und Lucia Hiemer aus.

Das Festival dauert noch bis Sonntag, 4. Juni. Morgen Abend, den 20. Mai um 20 Uhr steht mit „East- & Westman“ Acoustic Blues Rock auf dem Programm (Vorverkauf). Die Ausstellung hat jeweils am Sonntag und Samstag von 11 bis 16 Uhr und am Dienstag von 16 bis 20 Uhr geöffnet. Kleinformatige „Kunststückchen“ können im Rahmen einer stillen Versteigerung erworben werden; die Auszählung findet am Samstag, 4. Juni statt. Weitere Infos im Internet unterwww.artig.st.

Susanne Kustermann

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