Einmonatige Bedenkpause

Fachmarktzentrum: Bauausschuss vertagt Grundsatzbeschluss

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Früher dienten die Gebäude als Kornspeicher. Nach den Plänen des Investors Walter Bodenmüller soll auf dem Gelände des ehemaligen Bundeswehr-Versorgungslagers ein Fachmarktzentrum entstehen, das mit einer Fläche von rund 37.000 Quadratmetern noch größer als das Forum Allgäu ist.

Kempten – Ob der Bauausschuss einem Fachmarktzentrum in der Ulmer Straße generell zustimmt, ist zumindest formal noch unklar. Den ersten Teil des dreigliedrigen Grundsatzbeschlusses hat der Bauausschuss am Dienstag um einen Monat verschoben.

CSU-Fraktionsvorsitzender Erwin Hagenmaier hatte sich zwar als Sprecher seiner Fraktion mächtig ins Zeug gelegt, doch konnte er Siegfried Oberdörfer von der SPD nicht davon überzeugen, in der aktuellen Sitzung darüber abzustimmen. Oberdörfer hatte in einem Antrag den Aufschub erbeten, um sich erst in seiner Fraktion mit dem Thema zu beschäftigen. Er wolle erst warten, bis der Investor das Projekt dort vorgestellt habe. Beihilfe erhielt er von Hans-Peter Hartmann von den Freien Wählern.

Angedacht hat Investor Walter Bodenmüller ein Fachmarktzentrum mit verschiedenen Geschäften, Gastronomie und Freizeitangeboten (der Kreisbote berichtete), darunter eine Indoor-Fußball-Halle, eine Surfwelle, ein Tanzstudio und Lasertec. Einen Großteil der Fläche des ehemaligen Bundeswehr-Versorgungslagers würde Firma Dehner in Anspruch nehmen.

Ein Knackpunkt ist die Innenstadtrelevanz. Wie die Räte unisono betonten, soll mit dem Zentrum auf keinen Fall Kaufkraft aus der Innenstadt abgezogen werden, sondern im Gegenteil generiert werden. Deshalb dürften nur Sortimente aufgenommen werden, die nicht mit dem Kemptener Einzelhandelskonzept kollidieren. Vor einem Jahr hatte ein Beratungsinstitut für Einzelhandelsfragen bereits ein Gutachten erstellt, wie sich die geplanten Sortimente mit jenen der Innenstadt vertragen. Wirtschaftsreferent Dr. Richard Schießl erklärte, dass nun noch einmal ein ähnliches Gutachten erstellt werde, da jetzt die Flächen der einzelnen Geschäfte präzisiert wurden. Dafür brauche es aber den Grundsatzbeschluss aus dem Bauausschuss, dem Beirat und abschließend aus dem Stadtrat. Gleichzeitig soll dies der Startschuss für die Verwaltung sein, weitere Planungen voranzutreiben. Dabei muss auch noch genau definiert werden, was zum Beispiel im geplanten „Bettenfachmarkt“ verkauft werden soll oder im Geschäft, das mit „Fahrrad“ angekündigt ist.

„Im Moment sieht der Investor noch einzelne Sortimente vor, die das Einzelhandelskonzept nicht erlaubt“, sagte die Leiterin des Stadtplanungsamtes Antje Schlüter, darunter Motorradbekleidung, einen Babyfach- und einen Restpostenmarkt. Für das Einzelhandelskonzept steht aber eine Überarbeitung an. Auch dafür braucht es laut Schießl den Grundsatzbeschluss. „Mir widerstrebt, dass wir ein Einzelhandelsgutachten in Auftrag gegeben haben“, machte sich Oberdörfer Sorgen, den „zweiten Schritt vor dem ersten“ zu gehen. Außerdem sei auch noch nicht klar, was mit dem leerstehendem Teil im Fenepark passiere. Genauso offen sei, was mit einem für die Erschließung des geplanten Fachmarktzentrums wichtigen Grundstücksteil geschehe, das der Investor noch nicht von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben hat. Eventuell könnte dies ein Standort für das Technische Hilfswerk werden.

CSU-Fraktionsvorsitzender Hagenmaier hatte aber seine Zweifel, ob die offenen Fragen bis in einem Monat geklärt werden könnten und wies darauf hin, dass das Thema bereits seit zwei Jahren bekannt sei, außerdem könne eine definitive Entscheidung erst nach dem Grundsatzbeschluss und dem Einzelhandelsgutachten erfolgen. Er betonte, wie weit die Planungen bereits fortgeschritten seien, und dass vom Bund bereits eine Zusage vorliege, dass er die Umbaukosten am unmittelbaren Kreuzungsbereich der Bundesstraße übernehme.

Thomas Hartmann, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, fand dass das geplante Angebot der Stadt Kempten als Oberzentrum gut zu Gesicht stünde. Auch fand er: Für den Standort lassen sich nur schlecht Alternativen finden. Außerdem „stärken wir den Internethandel, wenn wir einzelne Sortimente in Kempten nicht anbieten“, sprach er sich für das Vorhaben aus. Hartmann stimmte am Ende auch als einziger gegen den von Oberdörfer beantragten Aufschub – entgegen der Sitte, Anträge von Ratskollegen zu bewilligen.

Dafür, was passiert, wenn der noch fehlende Grundstücksteil nicht dazukomme, interessierte sich Hans-Peter Hartmann. Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann betonte die Bedeutung des nördlichen Grundstücksteils für die Zu- und Abfahrt zum Fachmarktzentrum. Sowohl zur als auch von der Stephanstraße weg seien neue Spuren nötig. Der Tiefbauamtsleiter stellte in Aussicht, bis in einem Monat zumindest eine planerische Lösung präsentieren zu können. Nötig seien aber auch aufwendige Simulationen. Wie stark der Verkehr zunehme, hänge letztendlich von der Größe des Vorhabens und der einzelnen Angebote ab.

Derzeit geplant im angedachten Fachmarktzentrum

Bettenfachmarkt, 

Gartenfachmarkt, 

Fahrrad, 

Getränke, 

Babyfachmarkt, 

Restpostenmarkt, 

Textil Reinigung, 

Motorradbekleidung, 

Bäder-Ausstellung, 

Küchenstudio, 

Elektro weiße Ware, 

Golfhouse, Gastro Fastfood (2x);

Im Obergeschoss sind vor allem Sportangebote avisiert:

Kinder-Spieleland, 

Indoor Fußball, 

Lasertec/ Secret Room, 

Fitness, 

Indoor Beach Volleyball, 

Tanzstudio, 

Surf Welle, 

Boxen, 

Schnitzelgrube, 

Ninja Parcours mit Trampolinhalle, 

Gastronomie (und Shop), 

Kieser Training, 

Poledance

Susanne Kustermann

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