Überregionales Einzuggebiet

Das Fachmarktzentrum wächst weiter: Investor plant auch eine Kindertagesstätte und ein "Kinderhotel"

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Die Ansicht von der Ulmer Straße zeigt rechts den rechten Flügel, im Hintergrund den Mittelbau und etwas dunkler den Solitär auf dem Parkplatz, wo Gastronomie unterkommen soll.

Kempten – Beeindruckt von der schieren Größe des geplanten Fachmarktzentrums an der Ulmer Straße zeigte sich der Gestaltungsbeirat der Stadt Kempten letzten Mittwoch. Und inzwischen ist das Gebäude sogar noch gewachsen. Investor Walter Bodenmüller möchte dort neben Einzelhandel, Gastronomie und Freizeit-Angeboten jetzt auch eine Kindertagesstätte dort unterbringen. Dafür wurde der an der Stephanstraße liegende Flügel des U-förmigen Gebäudes um ein Stockwerk und die Gesamtfläche des Vorhabens um rund 7000 auf rund 44.000 Quadratmeter erhöht.

Investor Walter Bodenmüller und die Planer von den beiden Kemptener Architekturbüros Huber und Oberhauser haben einige Anregungen aus der letzten Sitzung des Gestaltungsbeirats übernommen. So die U-Form, die zahlreichen Bäume auf dem Parkplatz und rund um das Gebäude. Auch der Einzelbaukörper, in dem Gastronomie unterkommen soll, befindet sich jetzt nicht mehr mittig an der Ulmer Straße, sondern an einer „spannenderen“ Stelle, wie Architekt Felix Huber erklärte. 

Während der komplette südliche Glasflügel für die Firma Dehner reserviert ist, sollen im Erdgeschoss der beiden anderen Flügel Verkaufsflächen unterkommen; die Sport- und Freizeitangebote in den oberen Geschossen. Neu sind die Pläne für eine Kindertagesstätte mit 250 Plätzen und ein „Kinderhotel“ im fünften Stock des westlichen Flügels. Um den Kindern genügend Grünfläche zu bieten, will Bodenmüller das Dach öffnen und eine Art Atrium einrichten. „Ich habe bereits eine großzügige Förderzusage vom Ministerium erhalten“, sagte er. Auch mit dem Amt für Kindertagesstätten Schulen und Sport ist die geplante Kindertagesstätte abgesprochen. 

„Das Amt ist gerade mit der Prüfung der Angelegenheit befasst“, sagte Bodenmüller im Gespräch mit dem Kreisbote. Auch wenn die Stadt selbst die KiTa-Plätze massiv aufstockt, hat Thomas Baier-Regnery, Referent für Jugend, Schule und Soziales, persönlich nichts gegen die 250 zusätzlichen Plätze. Es sei mit weiterem Zuzug nach Kempten zu rechnen, außerdem sei die KiTa im Fachmarktzentrum für ein viel größeres Einzugsgebiet geplant. „Man kann im weitesten Sinne von einer Betriebs-KiTa für Mitarbeiter im Fachmarktzentrum sprechen“, sagte Baier-Regnery gegenüber dem Kreisbote. Auch für Eltern, die im Umland wohnen und in den umliegenden Betrieben arbeiten, würden sich die Plätze anbieten. Die politischen Gremien müssen über die Pläne noch abstimmen. 

Ebenfalls im fünften Stock soll das „Kinderhotel“ Platz finden. Was man sich darunter vorstellen kann, interessierte die Beiräte: Weil die Kinder etwa die Bettwäsche selbst an der Rezeption abholen, können sie günstig für rund 20 Euro übernachten, „das gibt es so nicht mehr in Kempten“, erklärte Bodenmüller. Mit den jugendlichen Hotelgästen, die auch in Schulklassen oder mit Sportvereinen anreisen, möchte der Investor die Indoor-Sportangebote wie eine stehende Surfwelle oder die E-Kart-Anlage durchgehend auslasten, auch im Sommer. Nicht nur der Vorsitzende Architekt Werner Binotto war von der Einzigartigkeit des Angebots in Bayern überzeugt. Walter Bodenmüller möchte damit der „Platzhirsch“ sein. Nicht dass, „in Memmingen irgendeiner eine Trampolinhalle baut, den würden wir überfahren“. Die Architekten des Gestaltungsbeirats begrüßten sowohl die zahlreichen Bäume als auch die begrünten Dächer, Vordächer und Fassaden. Bü Prechter regte aber an, auf dem Parkplatz über Bäume nachzudenken, die noch mehr Schatten werfen. 

Wichtig war den Mitgliedern, dass das „riesige Gebäude eine gelungene Architektur“ erhält und freuten sich über die einheitliche Fassade auf allen Seiten des Baukörpers. Auf Kritik stieß die Nord-West-Ecke des Gebäudes mit einem acht Meter hohen Sockel und einer Feuerwehr-Zufahrt. „Vermutlich ist etwas mehr Raum auf der Ebene der Straße vorteilhaft“, sagte Binotto, „dadurch könnte gegebenenfalls etwas Nutzfläche verlorengehen.“ Norbert Diezinger bemängelte auch, dass das mehrgeschossige Gebäude (fünf Geschosse an der Stephanstraße, zwei im Mittelbau) in einen Glasbau übergeht. Als auch der inzwischen eingeplante Kreisverkehr in der Stephanstraße kritisiert wurde, erklärte Baureferent Tim Koemstedt, dass die verkehrliche Lösung gewählt werde, die den Verkehrsfluss an dieser Stelle am besten gewährleistet, und das sei ein Kreisverkehr. Obwohl das Projekt „einen mächtigen Schritt nach vorne gemacht habe“, erbaten sich die Gestaltungsbeiräte eine erneute Vorlage des Projekts oder einen Wettbewerb. Letzteren lehnt der Investor aber ab, weil dadurch zu viel Zeit verlorengehen würde. Er möchte schon früher mit potentiellen Mietern verhandeln und gleichzeitig dem Gestaltungsbeirat nicht die Einflussmöglichkeit entziehen. Bei einem Wettbewerb muss automatisch der Siegerentwurf umgesetzt werden. Auch dass die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) schon innerhalb dieser Jahresfrist beendet sein werden, dessen ist sich Bodenmüller sicher. Ein Teil des Grundstücks befindet sich noch im Besitz der BimA. Noch nicht klar ist, ob dort möglicherweise das THW unterkommt.

Susanne Lüderitz

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