"Radikale Höflichkeit gegen Rassismus"

Fachtagung der Bayerischen Integrationsbeiräte Agaby im Kornhaus

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Rund 180 Ausländer-, Migranten- und Integrationsbeiräte aus Bayern trafen sich zur Fachtagung „Stadt Land.Kreis.PARTIZIPATION!“ im Kornhaus.

Kempten – Für ein Wochenende war Kempten die Hauptstadt der bayerischen Integrationspolitik. Die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft der Ausländer Migranten- und Integrationsbeiräte Bayerns (Agaby) Réka Lörincz freute sich, dass 180 Integrationsbeiräte und engagierte und interessierte Menschen aus Bayern und teilweise sogar aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren, um über das Thema „Stadt. Land. Kreis. PARTIZIPATION!“ zu informieren und zu diskutieren: Eine erfolgreiche Integration brauche aktive Mitgestaltung. Wie kann die Partizipation aller Akteure gelingen und wie können Integrationsstrukturen insbesondere in ländlichen Räumen gefördert werden? Darum ging es bei der Fachtagung im Kornhaus. Eingeladen zum Konvent hatte unter anderem der Vorsitzende des Bundeszuwanderungs- und Integrationsrates Lajos Fischer, den meisten Kemptenern bekannt als Leiter des Haus International.

Nach der Begrüßung durch OB Thomas Kiechle, Ministerialdirektor Karl Michael Scheufele (in Vertretung von Innenminister Hermann) und Mitra Sharifi-Neystanak, der Vorsitzenden der Agaby, beleuchteten Dr. Kay Ruge, Beigeordneter des Deutschen Landkreises und Dr. Stefan Kordel, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Erlangen-Nürnberg, die Facetten der Zuwanderung in den ländlichen Räumen und hoben die daraus resultierenden Chancen und Herausforderungen für die Integrationsarbeit hervor.

In sechs Workshops erarbeiteten Politikwissenschaftler, Soziologen und Integrationsberater mit den engagierten Beiräten Ergebnisse zu unterschiedlichen Bereichen rund ums Thema Integration.

Integration ist keine mechanische Arbeit und gelingt nicht allein durch Kurse und Projekte, sondern ist vielmehr ein Prozess, der nie abgeschlossen ist, lautet eines der Ergebnisse der Arbeitsgruppen. In diesem Zusammenhang forderten die Teilnehmer, Ordnung in den „Förderdschungel“ zu bringen, Fördermittel transparent zu gestalten und abzukommen von kurzfristigen Förderungen, dafür besser langfristige Dauerfinanzierungen zu gewähren.

Die Integrationsbeauftragte im Oberallgäu Miriam Duran forderte mehr kommunale Beteiligung bei der Handhabung und Verteilung der vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geförderten Integrationskurse. Sie wies auch auf die momentane große Problematik bezüglich der Fahrtkosten der Teilnehmer dieser Kurse hin und bat um entsprechende Lösungsvorschläge.

Es wurde beanstandet, dass in Bayern viele Ämter von den gesetzlich gewährten Spielräumen in der Integrationsarbeit keinen Gebrauch machen und somit den Hilfesuchenden oftmals Anliegen verweigern und ihr Leben dadurch unnötig erschweren.

Zum Thema „Integration im ländlichen Raum“ stellte sich heraus, dass die Geflüchteten sehr gern im ländlichen Bereich wohnen, da sie dort die Zuwendung intensiver erfahren, viele Traumata ließen sich im ländlichen Raum leichter auflösen, da die Betroffenen eher zur Ruhe kämen. Allerdings erweise sich die fehlende Mobilität als großes Problem, da die Geflüchteten auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die Fahrpläne aber nicht sehr dicht sind.

"Integration braucht Pluralität"

Im Workshop, der dem Thema Rassismus gewidmet war, forderte Hamado Dipama vom Netzwerk Rassismus- und Diskriminierungsfreies Bayern e.V. radikale Höflichkeit gegen Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismus. Mitra Sharifi-Neystanak dazu: „Das Gift des Rassismus droht, unsere Gesellschaft zu vergiften und unsere Demokratie zu spalten.“ Weiter ging es darum, wie Geflüchtete in künstlerischer Form, zum Beispiel durch Malen, Musizieren, ihre Fluchterfahrungen ausdrücken und bewältigen können und welche Grenzen dabei aufgezeigt sind.

„Demokratie ohne Konflikte ist nicht möglich“, erklärte Erdogan Karakaya, Islamwissenschaftler, und zeigte Wege auf, wie Konflikte über den interreligiösen Dialog zu lösen sind. Im Hinblick auf alle Workshops bestätigt sich zusammenfassend die Aussage von Mitra Sharifi-Neystanak: „Die Verständigung über eine gemeinsame Identität, die Pluralität und Diversität zulässt, ist die Voraussetzung für gelingende Integration. Der demokratische und beteiligungsorientierte Ansatz „keine Integration ohne Partizipation“ ist und bleibt Grundsatz unserer Arbeit.“

Am Sonntag verabschiedeten die Beiräte im Rathaus im Rahmen der Agaby-Vollversammlung einen Forderungskatalog zu den Landtagswahlen, in dem sie mehr demokratische Partizipationsmöglichkeiten, eine zukunftsfähige Einwanderungspolitik und konsequente Bekämpfung von Rassismus fordern. 

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