Fähigkeiten einbringen

Sie ziehen bei der Auftaktveranstaltung zum Ehrenamt an einem Strang: Schirmherrin und Bezirksrätin Renate Deniffel, Schirmherr und Oberallgäuer Behindertenbeauftragter Günther Stangl (Mitte) sowie Klaus Trunzer, Berater der Impulse-Bürgerservice gGmbH. Foto: moriprint

Ehrenamtliches Engagement in unserer Gesellschaft ist eine Selbstverständlichkeit – aber ist es auch selbstverständlich, wenn Menschen mit einer Behinderung die „Akteure“ sind? Unter dem Motto „Du + ich = WIR – Mach mit“ startet die Impulse-Bürgerservice gGmbH eine Pilotprojekt, das in Bayern federführend sein dürfte. „Bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit einer Behinderung ist nicht in den Köpfen der Menschen“, stellte Impulse-Geschäftsführer Jürgen Schulz fest – und überzeugte damit auch Verantwortliche im Münchner Sozialministerium.

In Kempten gibt es zu dem Pilotprojekt am morgigen Freitag, 15. Oktober, in der Zeit von 14 bis 16 Uhr im Haus der Senioren, Schützenstraße 2, eine Auftaktveranstaltung. Schirmherren sind Bezirksrätin Renate Deniffel und der Oberallgäuer Behindertenbeauftragte Günther Stangl. „Beim Ehrenamt geht es nicht um Geld, sondern um Sinnstiftung – und Lebensfreude“, ist Schirmherrin Renate Deniffel von dem Förderprojekt begeistert. „Beide Seiten haben etwas davon.“ Außerdem, so meinte Günther Stangl, hätten Menschen mit Behinderung oftmals noch Zeit. Man müsse ihnen nur Möglichkeiten eröffnen, wo sie sich engagieren könnten. Auch im Rahmen der aktuellen „Inklusionsdebatte“ – der Gleichwertigkeit aller Menschen, ohne dass dabei „Normalität“ vorausgesetzt wird – hat das Ehrenamt seine ganz eigene Bedeutung: „Es besteht eine gesellschaftliche Verantwortung, allen die gleichen Rechte zuzugestehen“, ist Lebenshilfevorsitzender Klaus Meyer überzeugt. „Unser Auftrag als Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen ist es, auf die einzelnen Möglichkeiten hinzuweisen, die es gibt. Dazu gehört auch der Hinweis auf ein bürgerschaftliches Engagement.“ Derzeit laufen daher die Infoveranstaltungen in den Allgäuer Werkstätten in Kempten und Sonthofen auf Hochtouren, um über das Projekt zu informieren. Aber auch Menschen mit Handicaps außerhalb der Werkstätten sind am Freitag eingeladen, bei dem Projekt mitzumachen. In dem Ehrenamts-Flyer heißt es: „Jede(r) kann seine Fähigkeiten einbringen, egal ob mit oder ohne Behinderung“. Da ist zum Beispiel Melih, ein junger türkischer Rollstuhlfahrer. Er wird sich künftig wohl im Haus International bei den türkischen Jugendlichen mit engagieren. „Das heißt, er bekommt neue Kontakte, kann bei der Freizeitbeschäftigung helfen oder auch bei Hausaufgaben – und bekommt so ganz nebenzu selbst den ein oder anderen Tipp zur Musik oder sonst einem Hobby. Es bringt ihm persönlich einen Mehrwert.“ Klaus Trunzer, Berater bei der Impulse-Bürgerservice gGmbH: „Andererseits lernen die Jugendlichen von ihm – nämlich, dass es normal ist, verschieden zu sein.“ Bei der Auftaktveranstaltung im Haus der Senioren werden sich unter anderem die „Mitmacher“, das heißt mögliche Einsatzstellen, bei dem Pilotprojekt im Rahmen einer „Projektbörse“ kurz vorstellen. Außerdem gibt es Ehrungen von Menschen mit Behinderung, die bereits jetzt aus ihrem aktiven Ehrenamt nicht mehr wegzudenken sind – und dieses auch wie „selbstverständlich“ ausfüllen. Weitere Informationen zum Thema gibt es auch im Internet unter www.impulse-buergerservice.de.

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