OB-Kandidaten kündigen Förderung des Radverkehrs an

Alle wollen das Gleiche

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Wie geht es weiter mit dem Radverkehr in Kempten? Darüber diskutieren Michael Hofer (ödp, v.l.), Thomas Hartmann (Grüne), Erwin Hagenmaier (CSU), Moderator Michael Läufle, Sibylle Knott (FW), Martin Bernhard (SPD) und Dr. Dominik Spitzer (FDP).

Kempten – Wie fahrradfreundlich sind die sechs Kandidaten, die am 16. März Oberbürgermeister werden wollen? Eine Antwort auf diese und weitere Fragen zum Thema versuchte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Kempten-Oberallgäu in der Podiumsdiskussion „Fahrradfreundliches Kempten?” zu erhalten.

Ob jeder der anwesenden Kandidaten zum Termin geradelt kam, ist ungewiss, das Thema selbst aber lockte rund sechzig Besucher ins Kempodium. CSU-Spitzenmann Thomas Kiechle und der FDP-Kandidat Ulrich Kremser, die zu spät vom Termin mit dem ADFC erfahren hatten, ließen sich durch CSU-Fraktionsvorsitzenden Erwin Hagenmaier und FDP-Stadtrat Dr. Dominik Spitzer vertreten. Für die Freien Wähler (FW), die Kiechle unterstützen, kam Bürgermeisterin Sibylle Knott. Die Moderation des Abends übernahm Michael Läufle. Schon im Vorfeld hatte der ADFC die sechs OB-Kandidaten mit einem Fragenkatalog zum Thema Radverkehr in Kempten versorgt. 

Im Fokus standen die Freizeit- und Allgemein-Radler, die das Fahrrad innerhalb Kemptens für den Weg zur Arbeit, zum Vergnügen oder zum Einkauf nutzen. Alle Anwesenden beteuerten, selbst fast täglich das Fahrrad zu benutzen und hoben bis auf FDP-Stadtrat Dr. Dominik Spitzer die aktuelle und zukünftige Bedeutung des Radverkehrs hervor. Für Kemptens FDP-Kreisvorsitzenden Dr. Dominik Spitzer sind es vor allem die Topographie und die Wetterbedingungen Kemptens, die einer Steigerung des Radverkehrs von derzeit 12,5 Prozent am Gesamtverkehrsaufkommen entgegenwirken. Städte wie Münster in Westfalen oder das fränkische Erlangen mit rund 30 Prozent Anteil des Radverkehrs am gesamten Verkehrsaufkommen seien durch flaches Terrain hier im Vorteil. 

Für die anderen Kandidaten, insbesondere für Thomas Hartmann von den Grünen, ist aber das Landschaftsrelief und die Witterung einer Stadt nicht maßgeblich für die Bedeutung des Radverkehrs. Vielmehr seien es Faktoren wie eine lückenlose Infrastruktur, die Beseitigung von Gefahrenstellen, die Bereitstellung von sicheren Abstellplätzen und die Reinhaltung von Fahrradwegen auch im Winter, die das Wachstum des Radverkehrs beeinflussten. Thomas Hartmann und Michael Hofer von der ödp könnten sich unter Umständen auch ein eigenes Budget zur Radverkehrsförderung vorstellen. Auch die Implementierung eines Radbeauftragten auf ehrenamtlicher Basis wurde von fast allen OB-Kandidaten ins Auge gefasst. 

Erwin Hagenmaier von der CSU-Fraktion vermisste hingegen ein durchgehendes Konzept für den Radverkehr in der Allgäu-Metropole. Als Vorsitzender der stärksten Kemptener Fraktion, der CSU, stellt er für 2014 Geld für den Bau eines überdachten „Fahrradparkhauses” in Aussicht. Standorte seien entweder am Bahnhofsvorplatz oder am Hildegardplatz denkbar. Erst die sichere Abstellung der „Drahtesel”, die heuer durchaus einen hohen finanziellen Wert haben, würde mehr Menschen dazu bewegen, das Fahrrad zu benutzen. Von den Studenten der FH-Kempten wünschte sich Hagenmaier in punkto umweltverträgliche Mobilität mehr Willen zum Umdenken. Dem Vorschlag Thomas Hartmanns, eine direkte Verbindung vom Bahnhof zur ZUM auf Schienen zu schaffen, erteilte der CSU-Fraktionsvorsitzende dagegen eine klare Abfuhr. 

Auch konnte er wie Bürgermeisterin Sibylle Knott sich nicht mit dem Gedanken anfreunden, zukünftig im ÖPNV die Mitnahme von Fahrrädern zu gestatten. SPD-OB-Kandidat Martin Bernhard berichtete hier von Erfahrungen aus dem Ausland, allein die Versicherungsfragen ließen aber eine Transport von Fahrrädern im ÖPNV schwierig erscheinen. 

Viele Gefahrenstellen 

Diskutiert wurde am Abend auch über die Gefahrenstellen für Kemptens Radfahrer. Hier wurde die Situation an der Kreuzung Memminger Straße/Adenauerring und die Füssener Straße hervorgehoben. Obwohl dort nachgebessert wurde, sehen im Grunde alle OB-Kandidaten keine weiteren Alternativen zur Verbesserung der Gefahrensituationen vor Ort. Insbesondere die Bordsteinradwege wie in der Füssener Straße mit ihren vielen nicht einzusehenden Ein- und Ausfahrten standen im Fokus der Diskutanten. 

Die momentan prekäre Situation für Radler durch die Schließung der König-Ludwig-Brücke am südlichen Schumacherring war dann noch ein weiteres Highlight am Abend. Alle anwesenden Kandidaten und Vertreter sprachen sich für den Erhalt dieses Industriedenkmals aus. Erwin Hagenmaier befürwortet eine Sanierung, die langfristig hebt. „Alle zwei Jahre rund eine Million Euro in den Erhalt der Holzkonstruktion zu investieren, kommt für mich und meine Fraktion allerdings nicht in Frage”, so der CSU-Fraktionsvorsitzende. Zum Ende der Diskussion erhielten die Zuschauer im Kempodium die Gelegenheit, Fragen an die anwesenden Lokalpolitiker zu richten. 

Fazit des Abends war, dass zukünftig der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen zu erhöhen sei. Der Weg dorthin aber wurde von den Kandidaten durchaus unterschiedlich gesehen. Dem Versprechen hierfür zukünftig mehr Geld bereitzustellen, mochte sich dann auch niemand anschließen.

Jörg Spielberg

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