Fahrradwege statt Parkplätze

Grüner Neujahrsempfang mit Boris Palmer

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Über Klimaschutzprojekt „Tübingen macht blau“ berichtete Tübingens grüner Oberbürgermeister Boris Palmer.

Kempten – „Schön, dass ich auch mal von den Grünen eingeladen werde!“, schmunzelte Boris Palmer beim Neujahrsempfang der Grünen. Er ist seit zwölf Jahren Oberbürgermeister von Tübingen und wegen seiner Äußerungen zur Flüchtlingspolitik in seiner Partei durchaus umstritten. Ganz und gar nicht umstritten ist das Thema seiner städtischen Klimaschutzkampagne „Tübingen macht blau“.

Seit 2008 wird unter diesem Motto gezeigt, „was alles geht“ und jeder und jede persönlich tun kann, um den Himmel blau zu halten, dabei CO2 und – in Schwaben ein unwiderstehliches Argument – Geld einzusparen. Die beim Neujahrsempfang gezeigten Texte auf den Folien waren in Englisch, Palmers Vortrag auf Schwäbisch. Tübingen hat in Sachen Klimapolitik in den vergangenen zehn Jahren tatsächlich geklotzt, nicht gekleckert. Ein bunter Maßnahmenkatalog wurde nicht nur verfasst, sondern auch umgesetzt: „Solarpflicht“ für Neubauten, Fünf-Minuten-Takt der Busse in den Stoßzeiten, eine „einladende Preisgestaltung“ im öffentlichen Nahverkehr, sehr viele neue Ökostromkunden, systematischer Stadtumbau, um den Radverkehr zu fördern, aber auch sozial wirksame Projekte. Dazu zählt das Angebot an Personen, die von Arbeitslosengeld II leben, ihre alten, stromfressenden Kühlschränke gegen energieeffiziente einzutauschen. 

Interessant auch, dass Palmer beim Stichwort E-Mobilität zuerst an Zweiräder denkt. Überhaupt genießen in der 88.000-Einwohner-Stadt Tübingen sichere Fahrradwege, Fahrradbrücken, Fahrradstellplätze absolute Priorität – auch wenn dafür Autoparkplätze wegfallen müssen. Fünf Millionen Euro sollen jährlich investiert werden. Trotz massiven Wirtschaftswachstums ist es dank kleiner und großer Schritte in Tübingen gelungen, den CO2-Ausstoß um 30 Prozent zu senken. Kein Wunder, dass Palmer, der „grüne Freigeist“, von den Kemptener Grünen munter und wohl auch neidisch beklatscht wurde. Der Neujahrsempfang bot Grünen-Stadtrat Thomas Hartmann und Landtagsmitglied Thomas Gehring Gelegenheit, das Regionalbahnprojekt zur Sprache zu bringen. „Technisch möglich und finanzierbar, politisch nicht gewollt“, brachte der Kemptener Fraktionsvorsitzende die Sache auf den Punkt.

Die je nach Konzept mal mit 30 dann wieder mit 90 Millionen Euro veranschlagte Bahnverbindung zwischen Oberstdorf und Kemptens Innenstadt steht weiter auf der To-do-Liste der Grü- nen. Hartmann dazu: „Die Idee ist 20 Jahre alt. Wir haben ein hochgelobtes Mobilitätskonzept – auf dem Papier. Die aktuelle Machbarkeitsstudie war gut geeignet, das Vorhaben politisch abzuräumen.“ Palmer nannte die Zahlen der Ammertalbahn im Württembergischen, um zu beweisen, dass das, was vom Kemptener Verkehrsausschuss als „absurd“ abgetan wurde, andernorts realisiert worden ist. 

Elisabeth Brock

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