Weitergeben statt wegwerfen

Im Fair-Teiler-Schrank im Dietmannsrieder Ortskern gibt es ab sofort kostenlose Lebensmittel

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Zur offiziellen Einweihung waren auch v.l.n.re. Cornelia Köbele (Mesnerin der katholischen Kirche Dietmannsried), Otto Schmid (2. Bürgermeister Marktgemeinde Dietmansried) und Wolfgang Kolenda (Abteilung ReUse des ZAK Kempten) gekommen. Petra Niazi und Brunhilde Kustermann (ganz re.) freuten sich besonders, dass zwei zufällig vorbeikommende ältere Damen das Ange-bot sogleich begeistert nutzten. Sie packten einen Hartkäse und Äpfel in den Korb ihres Rollators.

Dietmannsried – Im Ortskern von Dietmannsried steht seit dieser Woche ein sogenannter „Fair-Teiler-Schrank“.

In ihm befinden sich haltbare Lebensmittel, die jeder kostenlos mitnehmen darf. Die Initiatorinnen, Petra Niazi und Brunhilde Kustermann, rufen alle Mitbürgerinnen und Mitbürger zur regen Nutzung des ungewöhnlichen Angebotes auf: „Jeder, der mag, kann nicht mehr benötigte Lebensmittel, die nicht gekühlt werden müssen, gerne auch Überbestände an Obst aus dem Garten, hineinlegen und natürlich alles, was im Schrank ist mitnehmen – vollkommen unabhängig vom Einkommen. Es geht ausschließlich darum, noch verwertbare Lebensmittel vor der Mülltonne zu retten."

Bei dem „Fair-Teiler-Schrank“, der zwischen der nördlichen Rückseite des Pfarrhauses und dem Hinterausgang des Rathauses steht, handelt es sich von außen um einen ganz normalen Holzschrank mit Türen, an denen Infotafeln zu Thema „Foodsharing“ (zu Deutsch: Lebensmittel teilen) befestigt sind. Im Inneren befinden sich Obst, Gemüse und haltbare Lebensmittel. Der unscheinbare Pappkarton links oben beispielsweise ist am Einweihungstag gefüllt mit einzeln verpackten Croissants aus überschüssigen Beständen der Lufthansa. Weiter unten warten insgesamt zehn Kilogramm Backerbsen darauf, von neuen Besitzern auf leckere Suppen gestreut zu werden. 

Darüber hinaus besteht die Auswahl aus Trauben, Granatäpfeln, Heidelbeeren, Paprika, Bohnen und Äpfeln sowie verschiedenen Feinkostsalaten, Mehl, Konserven und anderem. „Das Angebot wechselt dauernd – je nachdem, wer was mitnimmt und was von Privatpersonen an übriggebliebenen Waren hineingegeben wird. Regelmäßig werden in dem Schrank künftig auch übrig gebliebene Lebensmittel geteilt werden, die von Betrieben der Umgebung an Foodsharing abgegeben werden“, erklären Petra Niazi und Brunhilde Kustermann, die zugleich die Gründerinnen des Dietmannsrieder „Treffs für nachhaltiges Leben“ sind. „Wir möchten ein Zeichen gegen die Tatsache setzen, dass in Deutschland etwa ein Drittel aller Lebensmittel - größtenteils sind dies Überproduktionen oder Lebensmittel, die der Eigentümer nicht mehr verwenden kann oder möchte - im Müll landet.“ Bei der Umsetzung des „Fair-Teilers“ ko-operieren sie mit der 2012 gegründeten, deutschlandweiten Initiative „Foodsharing“ und dem Fair-Teiler-Laden im Ankergässele in Kempten sowie dem ZAK Kempten. 

Auch die Gemeinde sei sofort offen für die Idee gewesen, loben die beiden engagierten Frauen. Zur offiziellen Einweihung des Schrankes am Dienstag ist auch Dietmannsrieds 2. Bürgermeister Otto Schmid gekommen. „Das ist eine ganz tolle Geschichte. Aufgrund der Erfah-rungen in der Gemeinde bin ich sehr optimistisch, dass das gut angenommen wird“, zeigt er sich überzeugt. Brunhilde Kustermann hofft, dass „die Leute künftig zuerst hierher kommen und nachschauen, was sie mitnehmen könnten, ehe sie einkaufen gehen.“ 

Sabine Stodal

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