"Fake oder war doch nur Spaß"

Laurine Betz (rechts) und Tim Engemann bringen Kemptener Schülern in einem Theaterstück das Thema Cybermobbing nahe. Foto: privat

Auf Einladung der Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) der Stadt Kempten (Allgäu) war die Berliner Theatergruppe „Radiks“ jetzt im Jugendhaus Kempten zu Gast. Vor 200 Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen aus der Wittelsbacherschule, der Mittelschule auf dem Lindenberg, der Mittelschule bei der Hofmühle und der Agnes Wyssach Schule brachten die Darsteller Laurine Betz und Tim Engemann in zwei Aufführungen dem Publikum eindrucksvoll die Thematik Cybermobbing nahe.

Hauptthemenfeld des Theaterstücks von Karl Koch mit dem Titel „Fake oder war doch nur Spaß“ ist Mobbing, insbesondere das Cyber-Mobbing. Das Ensemble thematisierte sowohl die persönlichen als auch die rechtlichen Folgen von Beleidigungen, Bedrohungen und sexueller Belästigung über das Internet. Gleichsam wird ein kritischer Blick auf die Unterhaltungsindustrie und Erlebniskultur geworfen. Der Umgang mit und in sozialen Netzwerken wurde kritisch hinterfragt, über den Missbrauch von Daten im Zeitalter der „Surf- Kultur“ wurden die interessierten Schüler sensibilisiert. Die beiden Darsteller schlüpften im Laufe der Handlung in verschiedene Rollen und es gelang ihnen, die Zuschauer mit der Geschichte der Hauptdarstellerin Lea in ihren Bann zu ziehen. Lea, 17 Jahre alt, bewirbt sich bei einer Casting-Agentur als Sängerin. Als sie dort Erfolg hat, erzählt ihre Freundin, die sich ebenfalls erfolglos bei der Casting- Agentur beworben hat, aus Neid Lügen über Lea und stiftet Unfrieden im Freundeskreis. Dies führt zu Sticheleien und Ausgrenzungen, die sich bald auch auf diverse Netzwerkportale erstreckt. Sehr eindrücklich macht das Stück deutlich, dass sich Cyber-Mobbing immens ausweitet und der Kontrolle der Urheber entzieht. Auch Lea versucht zunächst sich gegen die Mobbing-Attacken zu wehren, fordert jedoch damit die Angreifer noch mehr heraus. Mit der Zeit zieht Lea sich zurück und weiß am Ende nicht mehr, wem sie vertrauen kann. Selbst ihre große Liebe Andy stellt sich als Verbündeter der Mobber heraus. Lediglich ihren Freund Joe, selbst auch eher ein Außenseiter, erkennt sie erst zuletzt als wahren Verbündeten. Am Ende des Stücks zeigen sich die seelischen Folgen für Lea und ihr Umfeld. Es bleibt offen, wie es für Lea weitergeht und ob es wirksame Strategien gibt, einen Mobbing-Prozess zu durchbrechen. Besonders beeindruckend war, in welch überzeugender Weise Laurine Betz und Tim Engemann die authentischen Charaktere verkörperten und so den Zuschauern einen sehr realistischen und bewegenden Zugang zur Gefühls- und Beziehungswelt der von Ausgrenzung betroffenen Menschen ermöglichten. Das anschließende Publikumsgespräch zeigte, wie sehr sich manche Schülerinnen und Schüler in die Personen hineinversetzen konnten. Abschließend wurden die Jugendlichen darüber informiert, dass die Schulsozialarbeiterinnen der JaS an Kemptener Schulen bei Fällen von Ausgrenzung und Mobbing vertrauliche Beratungsgespräche und Hilfe anbieten.

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