Keine Waldbahn

Familie Hagenauer will Projekt am Grünten überarbeiten

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Weithin erkennbar ist der Grünten dank seiner Antenne. Wie es mit dem dortigen Lift- und Sommerbetrieb weitergeht, darum wird seit Monaten gerungen.

Landkreis – Die Oberallgäuer Unternehmerfamilie Hagenauer wird ihr Projekt Grünten Bergwelt überarbeiten und die geplante Walderlebnisbahn nicht realisieren.

Im Vordergrund stehe die Verwirklichung des Ganzjahres-Konzepts, um den Gästen im Winter wie im Sommer ein gleichermaßen attraktives Angebot machen zu können, so begründen sie ihre Entscheidung in einer Pressemitteilung.

„Wir wollen damit vor allem einer weiter fortschreitenden Polarisierung innerhalb der Bevölkerung entgegentreten“, betont die Familie Hagenauer. Sie will eine zweistellige Millionensumme am Wächter des Allgäus investieren. Aus den bisher sieben Liften sollen drei werden: eine Zehner-Gondelbahn, die ganzjährig fährt, ein Sechser-Sessellift für den Winterbetrieb und ein kinderfreundlicher Tellerlift fürs Skifahren. Für Schneesicherheit sollen Beschneiungsanlagen sorgen. Einen breit ausgebauten Wanderweg stellt sich die Familie im Winter als Naturrodelbahn vor. 

Im Gegenzug möchte sie die zahlreichen „wilden“ Trampelpfade rückbauen und die Besucher auf weniger, aber ausgebauten Wegen nach oben führen. Die Pläne der Investorenfamilie sahen auch zwei vorwiegend an Bäumen befestigte „Walderlebnisbahnen“ für den Sommerbetrieb vor, die auch Rollglider genannt werden. Davon nimmt sie nun Abstand. Umweltschützer und Bürger hatten großangelegte Protestaktionen gegen das Projekt veranstaltet (der Kreisbote berichtete). Die letzten Monate hätten gezeigt, so die Investorenfamilie, dass sich hauptsächlich an der geplanten Walderlebnisbahn die Geister scheiden. Auch in Diskussionen mit Befürwortern der Grünten Bergwelt und mit Grundstücksbesitzern seien immer wieder Bedenken gegenüber diesem Teil des Projekts geäußert worden. Diesen wolle man mit der Entscheidung Rechnung tragen. „Es geht dabei nicht darum, die Pläne zu beerdigen, sondern diese anzupassen und zu realisieren“, betont Anja Hagenauer als Sprecherin der Familie. 

„Wir wollen der örtlichen Bevölkerung und den Besuchern schon bald ein modernes, sicheres und umweltgerechtes Ski- sowie ein von Altlasten und Trampelpfaden befreites Wandergebiet präsentieren.“ Das Aus für die Walderlebnisbahn werde zu geringeren Besucherzahlen führen, aber auch den Investitionsund Betriebsaufwand senken. Somit sollten sich die restlichen geplanten Anlagen dennoch langfristig wirtschaftlich betreiben lassen. Maximalforderungen, die das Projekt in Gänze ablehnen, erteilt die Familie Hagenauer jedoch eine klare Absage. Bürgerinitiative bleibt kritisch Die Bürgerinitiative „Rettet den Grünten“ begrüßt die Entscheidung ihrerseits in einer Pressemitteilung. Durch den Verzicht auf die Rollglider würde ein gutes Fundament für weitere gemeinsame Kompromissgespräche gelegt werden. 

„Allerdings bleibt die Gefahr bestehen“, so Pressesprecher Max Stark, „dass bei bloßem Weglassen dieser Anlage in wenigen Jahren wieder über ergänzende Erlebnisinstallationen diskutiert wird.“ Eine unumkehrbare, vertragliche Zusicherung seitens der Investoren würde hierbei Klarheit schaffen. Grund zur Annahme dieser Befürchtung liefere das plötzliche Umschwenken der Investoren. Bis vor kurzem habe es bei Auftritten in der Öffentlichkeit geheißen, dass aus wirtschaftlicher Sicht eine Attraktion im Sommer unabdingbar sei. 

Nichtsdestotrotz zeigt sich die Bürgerinitiative gespannt, ob bei Überarbeitung der Pläne auch noch die anderen Kritikpunkte berücksichtigt werden, wie etwa der aus Sicht der Gegner in dieser Höhenlage wenig sinnvolle, staatlich subventionierte Ausbau des Winterbetriebs mitsamt Beschneiungsanlagen oder die hohen Beförderungskapazitäten der Gondel im Sommer. Alles in allem bleibe bei der Initiative „Rettet den Grünten“ die Hoffnung auf ein „wirklich“ umweltverträgliches Gesamtkonzept nach wie vor bestehen, wie sie mitteilt. 

kb

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