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Familie und Beruf miteinander vereinbaren: Wie gelingt das unter zunehmendem finanziellen Druck? 

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Von: Martina Ahr

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Heike Krauthloher
(Gleichstellungsbeauftragte Ostallgäu), Illona Authried (Gleichstellungsbeauftragte Oberallgäu), Patricia Mühlebach (Beraterin
 der Servicestelle), Katharina Simon (Gleichstellungsbeauftragte
 Kempten und Geschäftsleitung der „Servicestelle Beruf“)
Neustart der Beratungsstelle (von links): Heike Krauthloher (Gleichstellungsbeauftragte Ostallgäu), Illona Authried (Gleichstellungsbeauftragte Oberallgäu), Patricia Mühlebach (Beraterin der Servicestelle), Katharina Simon (Gleichstellungsbeauftragte Kempten und Geschäftsleitung der „Servicestelle Beruf“). © Ahr

Aus der der „Servicestelle Frau und Beruf“ wird „Servicestelle Beruf – für gleichberechtigte berufliche Entwicklung“.

25 Jahre lang hat es die Servicestelle Frau und Beruf gegeben; zuständig für Kempten, Oberallgäu und Ostallgäu. Fortschritte in der Vereinbarkeit von Familie und Job seien erkennbar gewesen, berichtet Katharina Simon, Kemptens Gleichstellungsbeauftragte. „Aber dann kam Corona.“ Mit der Pandemie habe sich der Druck auf Familien erhöht. Typischerweise von Frauen dominierte Branchen wie Hotelgewerbe, Gastronomie und Pflege haben gelitten, Betreuungssicherheit war zeitweise nicht gegeben. „Das hat in der Region viele Frauen den Job gekostet“, so Simon. Und mittendrin kam die Nachricht: Die Fördermittel des Europäischen Förderfonds und des Freistaats werden eingestellt.

Das Aus für die Servicestelle? Nein, denn im Stadtrat und in den Landratsämtern habe es offene Türen für ihr Anliegen gegeben, sagt Simon. Deshalb ist die Servicestelle bereit für Beratungen und bietet Fachvorträge, jetzt als „Servicestelle Beruf – für gleichberechtigte berufliche Entwicklung“. In einem geringeren Umfang zwar, die künftig fehlende Bürokratie, die für die Fördermittel notwendig war, falle dafür geringer aus und schaffe Kapazitäten. Neu ist, dass sich die Angebote nicht nur an Frauen richten, sondern auch an Männer, die Care-Arbeit bei Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen. Denn deren Schwierigkeiten ähneln stark, hat Patricia Mühlebach in ihren Beratungsgesprächen festgestellt: Die Erwerbsarbeit mit den vielen zusätzlichen Belastungen, die in der Doppelaufgabe entstehen, zu koordinieren.

Verheerende Folgen für die Absicherung im Alter

„Ein gesellschaftspolitisches Problem“, so Simon, denn die Voraussetzung für ein Gelingen dieser Vereinbarkeit setze die passenden Strukturen voraus. Dazu gehört flexible Kinderbetreuung und auch Arbeitgeber, die moderne Arbeitsstrukturen anbieten. Das beginnt schon bei einer grundlegenden Frage: Wie komme ich zur Arbeit? Muss eine Familie ein zweites Auto kaufen, da im Landkreis der ÖPNV zu schlecht ausgebaut ist, um rechtzeitig zur Arbeitsstelle zu gelangen, ist die Hürde, wieder in den Beruf einzusteigen, noch einmal gewachsen – mit oft verheerenden Folgen für die finanzielle Absicherung im Alter. Das berichtet Heike Krautloher (Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Ostallgäu).

Und auch wer den Weg zurück in den Beruf findet, muss Vorsicht walten lassen: Minijobs etwa sind erwiesenermaßen „eine Falle“, so Illona Authried (Gleichstellungsbeauftragte Oberallgäu), denn sie sparen dem Arbeitgeber Kosten, sichern aber u.a. nicht für das Alter ab. Hier gelte es aufzuklären und zu zeigen, welche Rechte Arbeitnehmerinnen haben. Das Allgäu hat Nachholbedarf. Darin sind sich die vier Frauen einig. In den Beratungsgesprächen zeige sich, dass hier sehr traditionelle Vorstellungen herrschen und die Care-Arbeit zum größten Teil auf den Schultern der Frauen liege – zunehmend: „Wir blicken mit großen Bedenken in die Zukunft“, gerade wenn der finanzielle Druck angesichts der Inflation und krisenreichen Zeiten weiter wächst. Neben dem großen Block Vereinbarkeit von Care-Arbeit und Beruf bietet die Servicestelle auch Karriere-Coaching und Hilfe bei der Existenzgründung für Frauen an. Weitere Info: www.Kempten.de/Servicestelle-Beruf.

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