Ortsbesichtigung auf dem Brauhausgelände

Denkmalschutzgerecht sanieren

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Dass in der Fasshalle „der Wurm drin ist“ demonstrierte Architekt Klaus Kehrbaum anhand von Teilen aus der hölzernen Tragwerkskonstruktion.

Kempten – Zwei Ortsbesichtigungen standen vor der Sitzung des Bauausschusses auf dem Programm. Eine davon war das Brauhausgelände, zu dem es eine Detailfrage beim Wiederaufbau des Sudhauses zu klären galt.

Denn, wie Baujuristin Dr. Franziska Renner vor Ort erklärte, ragen laut Planung die südlichen Balkone um 1,50 Meter über die Baugrenze hinaus, was „aus unserer Sicht vertretbar ist“. Im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege soll eine Fassadenscheibe dafür sorgen, dass die Balkone von den Seiten nicht sichtbar sind.

Als es in der Sitzung um die Abstimmung ging, wollte sich Michael Hofer (ödp) nicht mit der Wand anfreunden. Mit der seitlichen Sichtbarkeit der Balkone könne er gut leben, aber eine „1,50 Meter Wand auf beiden Seiten“ entsprach nicht seiner Vorstellung von schöner Optik. Auch wirke das Gebäude durch die westliche Wand seiner Ansicht nach asymmetrisch. Renner räumte ein, dass die vorliegende Planung zwar so vom Denkmalamt abgesegnet sei, der Ausschuss aber „auch anders entscheiden kann“. Wie bereits bei der Ortsbesichtigung, wies der Münchner Architekt Klaus Kehrbaum nochmals auf die aus seiner Sicht beste Lösung hin: „das Gebäude um 1,50 Meter nach Norden verschieben und auf die Scheiben verzichten.“ Um eine weitere Verzögerung zu verhindern, stimmten die Ausschussmitglieder mit Ausnahme von Hofer für die vorliegende Balkonlösung. Allerdings vorbehaltlich der zu prüfenden Option, diese ohne der Fassadenscheiben zu realisieren.

Im Holz der Fasshalle "ist der Wurm drin"

Ein Abstecher in die teilweise denkmalgeschützte Fasshalle offenbarte, wie marode das Gebäude innen ist. Massive Probleme gibt es mit dem im Gebäude verbauten Holz, wie Kehrbaum erklärte. „Im gesamten Tragwerk ist der Wurm drin. Zudem seien viele der behandelten Holzteile „hochgiftig“ und „die Halle nach der heutigen DIN-Norm eigentlich einsturzgefährdet“, da die Hölzer der Schalung viel zu dünn seien. Zwar wäre laut Kehrbaum die einfachste und deutlich günstigere Lösung der Abriss und Wiederaufbau. Geplant ist aber – schon wegen der denkmalgeschützten Teile des Gebäudes – ein aufwändiges Verfahren für die Holzteile. Vereinfacht gesagt wird dabei das auseinandergeschraubte Gebälk unter Folie vom Holzwurm befreit und abgeschliffen, die Schalungen müssen ausgewechselt werden. Im Zuge der Sanierung soll auch die Dämmung angebracht werden und die nötige Verstärkung der Schalung. „“Von außen wird man nichts sehen, von innen wird man nichts sehen“ versprach er bezüglich der anstehenden Maßnahmen, bei denen die Außenwände stehen blieben und die bei einem früheren Anbau „verloren gegangenen Fenster wieder hergestellt werden“.

Wie berichtet, ist im Erdgeschoss ein gastronomischer Bereich mit mehreren verschiedenen Restaurants geplant. Darüber soll ein Obergeschoss mit Büroräumen entstehen, in dem die imposante Holz-Deckenkonstruktion frei sichtbar bleibt. Laut Kehrbaum liebäugelt das Allgäuer Brauhaus damit, seine Verwaltung von der Villa an der Beethovenstraße in diese Räume zu verlegen. 2017 soll es soweit sein und die Restaurants eröffnen – wie Kehrbaum hofft, „am besten vor der Festwoche“.

Christine Tröger

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