Von Bussen und (Seil)Bahnen

FDP-Kreisverband Kempten spricht über ÖPNV-Strategie

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Warum steigen so wenige Menschen auf den ÖPNV um? Um Fragen des Personennahverkehrs ging es beim Treffen der FDP-Kempten, u.a. mit ihrer OB-Kandidatin Gabriela Büssemaker (3.v.l.). Flankiert wird sie unter anderem von Daniela Busse (2.v.r.) und Vorsitzendem Frank Häring (r.).

Kempten – „Mach die Dinge nicht zu kompliziert, sonst verlierst du dein Publikum“, das sagt ein angelsächsisches Sprichwort.

Ein bisschen könnte dies auf die gegenwärtige Diskussion zum ÖPNV im Allgäu zutreffen. Es wird über eine Seilbahn diskutiert, die etwaige Beteiligung Kemptens an einem 100-Euro-Jahresticket, sowie die Reduzierung des motorisierten Indiviualverkehrs vor der Drohkulisse eines Klimanotstandes. Wie sich die FDP Kempten zu all diesen Dingen im Wahlkampf positionieren möchte, war Thema eines Treffens am vergangenen Dienstagabend. 

Das Gespräch der Liberalen zur aktuellen Lage des ÖPNV wurde durch die OB-Kandidatin Gabriela Büssemaker geführt. Sie war einen Abend zuvor Gast gewesen bei einer Bürgerversammlung von OB Thomas Kiechle, der just zu diesem Thema gesprochen hatte. „Ich vermisse beim Oberbürgermeister ein wenig die Vision, wie er sich konkret die Lösung der ÖPNV-Frage in seiner Stadt vorstellt“, so Büssemaker. Auch wenn sie noch nicht lange in Kempten wohnt, so sei ihr doch aufgefallen, dass im Vergleich zu anderen Städten der ÖPNV nicht allzu hoch in der Gunst der Bürger stehe, fügt Büssemaker an. „Ein Jobticket wurde in Mannheim vor 30 Jahren eingeführt“, so die OB-Kandidatin. 

Taktung vor Preis 

Das möchte sie mit ihren Parteifreunden ändern, betonte die liberale Kommunalpolitikerin, die bereits acht Jahre lang Oberbürgermeisterin im badischen Ettlingen bei Karlsruhe war. Am Abend beschlossen sie und ihre Parteifreunde, dass man vor der Bepreisung des ÖPNV zuerst über dessen Taktung und Linienführung zu sprechen habe und den bestehenden Tarifdschungel zu verschlanken gedenke. Fast alle Anwesenden schlossen sich der Überzeugung an, dass es für den Bürger zweitrangig sei, was ein Busticket kostet. Keinesfalls werde man sich dem gegenwärtigen Unterbietungswettbewerb bei Fahrscheinen anschließen. Vielmehr sei die Frequenz und die Führung der Buslinien durch die Stadt für potenzielle Nutzer interessant. Versuche wie in Friedrichshafen, wo Ticketpreise im ÖPNV drastisch gesenkt worden waren, hätten gezeigt, dass es zu keiner erhöhten Inanspruchnahme kommt. 

Vielmehr seien stete Verbindungen von den Stadtteilen in die Stadt für die Bürger wichtig. Allerdings wurde der sternförmig organisierte ÖPNV in Kempten auf den Prüfstand gestellt. Die Verbindungen zum Bahnhof, dem Klinikum oder nach Sankt Mang sollten nicht zwangsläufig ausschließlich über die ZUM führen. So denkt man bei der FDP Kempten auch über einen RingBus nach. Die Einlassungen hierzu bei der Bürgerversammlung in Kempten West von Helmut Berchtold, Stadtrat der CSU und Befürworter der Seilbahn, hierzu, sind den Liberalen nicht eingängig und so fragte man sich, warum es gerade acht Busse sein müssten, die den Ring bedienen sollen, und warum dies in der Praxis nicht umsetzbar sei. Die Idee einer Stadtseilbahn, die das Zentrums Kemptens überspannen könnte, wurde auch an diesem Abend verworfen. 

Park & Ride verbessern 

Was schmerzlich vermisst wird in der Allgäumetropole mit ihren täglichen 20.000 Einpendlern, sind aus der Sicht der Liberalen attraktive „Park & Ride“-Angebote. Ein Anwesender berichtet von seinen morgendlichen Erfahrungen am „Park & Ride“-Parkplatz im neu entstehenden Gewerbegebiet in der Ignaz-Kiechle-Straße. „Die Zahl der Parkplätze ist einfach nicht ausreichend dort und es gibt für Einpendler nicht die Möglichkeit, auf den ÖPNV umzusteigen“, so der junge Mann. Gleichsam berichtet er von seinen Erfahrungen aus Sankt Gallen. „Dort sind alle Trams und Busse gerammelt voll“, so sein Eindruck. Um sich ehrlich zu machen, gestand sich die Runde ein, dass dies auch etwas mit der Erhöhung von Parkplatzgebühren vor Ort zu tun habe, ein Beweggrund mehr für die Bürger auf den ÖPNV umzusteigen. 

Die Anwesenden beschlossen, sich für mehr „Park & Ride“-Angebote am Stadtrand Kemptens einsetzen zu wollen, „die zum einen an den stadtein wie auswärtigen ÖPNV angebunden sind und die darüber hinaus Angebote wie E-Bike-Stationen bieten“, so Gabriela Büssemaker. Das von Landrat Anton Klotz ins Spiel gebrachte 100-Euro-Jahresticket für den ÖPNV im Oberallgäu bis Kempten würde man gegebenenfalls mit unterstützen, räumt aber ein, dass sich dessen Preis bei einer Teilnahme Kemptens am Verkehrsverbund verteuern müsse. 

Was mehr aufstößt bei den Liberalen, ist die Art und Weise, wie es zur Diskussion um das Jahresticket kam, und dass scheinbar die Vorgehensweisen des Landratsamtes Oberallgäu und der Stadt Kempten nicht synchronisiert waren. „Die Kommunikation nach außen war sehr unglücklich und wir Liberalen fordern, dass alle Gebietskörperschaften bei dieser Diskussion am Tisch sitzen und nichts nach außen geht, bevor es nicht von allen beschlossen ist“, so ein Parteimitglied. 


Jörg Spielberg

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