Fehlende Wertschätzung

Die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Simone Stromayr (3.v.l.) lässt kein gutes Haar am von der CSU geforderten Betreuungsgeld. Foto: privat

Ein vernichtendes Urteil stellte eine Kindergartenleiterin der Politik in der Veranstaltung des SPD-Kreisverbandes zum Thema: „Kinderbetreuung – Tagesstätten oder Betreuungsgeld?“ aus: „Es fehle an einer angemessenen Wertschätzung des Erzieherberufs. Das zeige sich an der abschätzigen Beschreibung der zu verrichtenden Tätigkeiten, die nur die Nichtkenntnis der Politiker über die Wirklichkeit belege.“

Bei der herrschenden Personalnot führe das zu populistischen Vorschlägen, kritisierte die Frau außerdem. Mehrere Diskussionsrednerinnen beklagten zudem eine „Gespensterdiskussion”. Marion Hilgert vom Fachdienst für Kindertagespflege der Stadt bemängelte, dass statt einer angemessenen Bezahlung der Erzieherinnenarbeit über Assistenzberufe diskutiert werde, die den Mangel nicht beseitigen und der Qualität des Angebots schaden würden. Schnell wurde nach der einführenden Stellungnahme der familienpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Simone Stromayr, zur beabsichtigten Einführung eines Betreuungsgeldes in der Diskussion deutlich, dass dieses Vorhaben als überflüssig und schädlich für das Betreuungsangebot gesehen wird. Wolfgang Grieshammer vom Diakonischen Werk betonte, dass sich alle Sozialverbände und Träger von Kindertagesstätten gegen das von der CSU vehement eingeforderte Betreuungsgeld ausgesprochen hätten. Benötigt werde das Geld dringender für einen sachgerechten Ausbau der Einrichtungen in Qualität und personeller Ausstattung der Krippen, damit die Kleinkinder wirklich eine Bezugsperson haben können, die für deren Entwicklung notwendig sei. Derzeit sei es aber so, dass Personal aus den Kindergärten in die Krippen abgezogen werde, um die Arbeit zu gewährleisten. Grieshammer begrüßte, dass in Kempten Krippen an die Kindergärten angegliedert werden. Zu wenig Plätze Marion Haugg vom Amt für Kindertagesstätten, Schulen und Sport schilderte die Schwierigkeiten, den tatsächlichen Bedarf an Krippenplätzen zu berechnen. Während Kindergartenplätze ausreichend vorhanden seien, werden die Krippenplätze vermutlich auch nach den derzeitigen Planungen – Ziel ist, für 40 Prozent der unter Dreijährigen Kinder einen Platz anzubieten – nicht ausreichen. Derzeit werde seitens der Stadt zwar an einem neuen Bedarfsplan gearbeitet. Eine Unsicherheit bestehe allerdings darin, wie sich das Betreuungsgeld auswirkt. Beim Angebot der Tagesmütter sieht Marion Hilgert keine Schwierigkeiten. Hier sei die Nachfrage höher als Tagesmütter zur Verfügung stünden. Die Qualitätsanforderungen an die Tagesmütter – 100 Stunden Fachausbildung, jährlich 30 Stunden Fortbildung – habe sich zwar für die Qualität ausgezahlt, nicht aber in der Bezahlung der Tagesmütter. Katharina Schrader, SPD-Kreisvorsitzende und Mutter, wünschte sich vor allem mehr Flexibilität in den Angeboten. Insgesamt sei sie aber mit den Hilfsangeboten von Tagesmutter und Kindergarten zufrieden. Abgeordnete Stromayr sprach anerkennend über die geringen Eigenkosten für Eltern bei den Krippenangeboten in Kempten. Damit liege die Allgäu-Metropole weitgehend unter dem bayerischen Durchschnitt. Weniger Bürokratie Die Flexibilitätsfrage sahen die Träger anders, zumal sie viele Möglichkeiten eröffnen. Wolfgang Grieshammer erwähnte die Diskussion um die sehr frühe Öffnungszeit einer Einrichtung wegen der Kooperation und der Arbeitszeiten im Klinikum. Insgesamt sei eben zu sehen, dass es ständig um einen Perspektivenwechsel bei sich ändernden Familienbildern und -konstellationen gehe. Er sprach sich für Überlegungen über kommunale Grenzen hinaus aus, allerdings bei geklärter Kostenbeteiligung. Ihm sei vor allem wichtig, dass die Politik keine weiteren bürokratischen Monster gebiert, mahnte der Vorsitzende der Diakonie. SPD-Stadtrat Lothar Köster als Moderator stellte fest, dass vor rund 40 Jahren das Erziehungsthema in der Öffentlichkeit stark mit der Errichtung von Kindergärten verbunden war. Jahrzehnte ruhte es dann in betroffenen Fachzirkeln. Jetzt gehe es bei dem Thema wieder um Geld, statt um die Frage, „wie erreichen wir das Beste für die Kinder.”

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