"Da fehlt dann die Routine"

Lisa Schmid und Nico Drexel vom 1. Kemptener Karate Dojo im TVK nahmen jüngst an der Europameisterschaft teil (der KREISBOTE berichtete). 42 Nationen waren bei der EM in Izmir vertreten. Die 15-jährige Schmid kämpfte bei den Jugendlichen im Kumite (Freikampf) in der Gewichtsklasse bis 54 Kilogramm, Drexel (mittlerweile 18 Jahre alt) trat bei den Junioren bis 76 Kilogramm an. Beide sprachen vergangene Woche mit dem KREISBOTE über ihre Erfahrungen in Izmir und die Zukunft.

Wie habt ihr die Europameisterschaft in Izmir erlebt? Drexel: „Es war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung. Wir sind auch ein bisschen in der Stadt gewesen und haben Izmir kennen gelernt.“ Schmid: „In der Halle war die Stimmung einfach super. Die ganze Nationalmannschaft war ein Team und alle gemeinsam haben jeden einzelnen angefeuert. Überhaupt war der Zusammenhalt sehr stark, auch außerhalb der Halle. Außerdem hatte ich auch Kontakt zu Athletinnen anderer Länder, wie zum Beispiel zu einer Schweizerin oder einer Dänin. Das sind auch immer tolle Erfahrungen.“ Wie habt ihr euch auf die EM vorbereitet? Drexel: „Ich konnte mich durch die überraschende Nominierung (der KREISBOTE berichtete) ja nicht großartig vorbereiten. Ich hatte ja dann nur noch zwei Wochen Zeit. Am Wochenende vor der EM war ich noch beim Bundeskadertraining in Alfeld. Das war ziemlich anstrengend. In Kempten war ich ganz normal im Training (dreimal die Woche) und war zusätzlich Joggen, um meine Kondition zu verbessern.“ Schmid: „Ich war seit Anfang Januar jedes Wochenende in Waltershausen/Thüringen im Kadertraining. Das waren immer viereinhalb Stunden einfache Fahrtzeit. Unter der Woche war ich dreimal in Kempten im Training. Der Champions Cup war zwei Wochen vor der EM dann so was wie eine Generalprobe (Schmid wurde Zweite).“ Wie waren eure EM-Kämpfe? Seid ihr zufrieden mit eurer Leistung? Drexel: „Mein Kampf war nicht gerade überragend. Ich hab gegen einen Engländer verloren (der KREISBOTE berichtete). Mit meiner Leistung war ich überhaupt nicht zufrieden, ich bin auch ziemlich enttäuscht. Es wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, auch als ich dann die weiteren Gegner in meiner Klasse gesehen habe.“ Schmid: „Mein erster Kampf war gut. Zuerst habe ich mir durch Armtechniken eine 3:0 Führung erarbeitet. Dann habe ich mir einen ‘Fuß eingefangen’ (Gegnerin platziert Fußschlag zum Kopf und erhält drei Punkte). Nachdem es dann unentschieden stand, ging der Kampf in die Verlängerung. Da habe ich durch drei schnelle Armtechniken zum Kopf gepunktet und mit 6:3 gewonnen. Im zweiten Kampf habe ich schlecht gekämpft, ich war unkonzentriert. Weder meine Gegnerin noch ich haben eine Aktion gesetzt. Dann wollte ich eine Armtechnik zum Bauch setzten, der Angriff war aber zu kurz. Meine Gegnerin hat mich dann mit einem Fußschlag zum Kopf ausgekontert. Leider konnte ich dann nicht mehr ganz aufholen und hab 2:4 verloren. Mit meiner Leistung bin ich nicht zufrieden, es wäre mehr möglich gewesen. Ich ärgere mich über vermeidbare Fehler, die ich gemacht habe.“ Wie ist das Gefühl, für die Deutsche Nationalmannschaft zu starten? Drexel: „Ich war schon besonders aufgeregt. Wenn ich für den bayerischen Landeskader starte, ist es kein Problem mehr für mich. Aber das erste Mal für Deutschland war schon was Besonderes. Da fehlt dann die Routine. Vor allem war ich neu im Team und musste die anderen erst einmal kennen lernen.“ Schmid: „Ich durfte ja schon mal für Deutschland starten. Aber es ist immer wieder ein tolles Gefühl. Bei einer EM oder WM darf ja immer nur ein Starter pro Gewichtsklasse für Deutschland starten. Und wenn man selber derjenige sein darf, ist das schon toll. Alle feuern einen an und ich bin immer sehr aufgeregt, es ist einfach immer was besonderes.“ Wie waren die Reaktionen in eurem Umfeld vor und nach der EM? Drexel: „Davor haben sich alle für mich gefreut, fanden es voll cool und haben mir Glück gewünscht. Und danach haben sie dann erstmal „dumm geschaut“, als ich erzählt hab, dass ich in der ersten Runde ausgeschieden bin. Aber sie haben dann schon gesagt, dass es ja voll cool ist, wenn man überhaupt auf so einem Turnier starten darf.“ "Viele werten es ab" Schmid: „Es haben mir natürlich alle viel Glück und Erfolg gewünscht und dass ich wieder gesund nach Hause komme. Die, mit denen ich nicht so viel zu tun habe, haben gemeint, ich soll ihnen eine Medaille mitbringen. Die kennen sich halt nicht aus, was bei einer EM für ein Niveau herrscht. Mein enges Umfeld weiß, dass es nicht leicht ist dort zu kämpfen und sagen, ‘mach einfach so gut wie’s geht’. Nach der EM kommt von den meisten gleich immer die Fragen: ‘Und, bist du Erste? Was hast du für einen Platz gemacht?’ Und wenn ich dann gesagt habe, ich bin in der zweiten Runde ausgeschieden, sagen sie ‘ach so’ und dann kommt nichts mehr. Es ist halt schade, dass viele das so abwerten. Die vergleichen das mit einer Allgäuer Meisterschaft und meinen, es ist kein Problem aufs Treppchen zu kommen. Meine Freunde und meine Familie wissen das aber schon zu schätzen. Die sind trotzdem stolz auf mich.“ Neu empfehlen Wie geht’s jetzt weiter? Was steht als nächstes auf dem Programm? Drexel: „Ich bleibe vorerst im erweiterten Bundeskader und muss mich neu behaupten. Ich starte jetzt in der nächsten Altersklasse (Leistungsklasse, Ü18) und muss mich auf Turnieren, wie zum Beispiel der Deutschen Meisterschaft, empfehlen. Ich bin auch immer wieder in Alfeld beim Kadertraining. Die nächste Meisterschaft ist für mich die Bayerische Anfang März.“ Schmid: „Ich starte Ende Februar bei den Swiss Open. Das ist ein internationales Turnier in Zürich. Ich bin jetzt in der nächsten Altersklasse, bei den Junioren (bis 18 Jahre). Da sind jetzt andere Gegner, die ich nicht kenne. Die sind auch teilweise bis zu zweieinhalb Jahre älter als ich. Anfang März ist dann die Bayerische Meisterschaft. Da starte ich auch das erste Mal bei den Junioren und sollte aufs Treppchen kommen, um mich für die Deutsche zu qualifizieren. Im Nationalkader muss ich mich auf verschiedenen Wettkämpfen dem Bundestrainer der Juniorinnen empfehlen.“

Meistgelesen

Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Langjähriger Leiter der Arbeitsagentur offiziell verabschiedet
Entdecke den Skyline Park neu: Neues Gelände, neue Attraktionen, neuer Fahr-Spaß
Entdecke den Skyline Park neu: Neues Gelände, neue Attraktionen, neuer Fahr-Spaß

Kommentare