Bauwerk soll 80 Jahre halten

Hochwasserrückhaltebecken am Sulzberger Bach lässt Bürger ruhiger schlafen

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Kamen zur Fertigstellung des Hochwasserrückhaltebeckens am Sulzbacher Bach nach Aleuthe: (v.l.) Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten; Franz Kempter, Abteilungsleiter Neubau im WWA; Thomas Hartmann, 1. Bürgermeister von Sulzberg; Landrat Anton Klotz und Bernhard Simon, Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz.

Nach gut zwei Jahren Bauzeit wurde das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) am Sulzberger Bach bei Oberminderdorf/Aleuthe im Rahmen einer kleinen Feier der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Baumaßnahme wurde notwendig, weil der kleine Wildbach sich bei starkem Regen binnen kurzer Zeit zu einem reißenden Fluss entwickelt und im Gemeindegebiet von Sulzberg erhebliche Schäden anrichten kann.

Welche Schutzaufgabe erfüllt das HRB bei Hochwassergefahr? Vereinfacht gesagt, das HRB soll gewährleisten, dass nur so viel Wasser durch den Ort fließt, wie er verträgt. 133.000 cbm Wasser können aufgestaut werden. Ein Steuerungsturm mit eingebauter Drossel bewirkt, dass im Einstaufall konstant nur eine bestimmte Wassermenge abfließt. Das Bauwerk ist so dimensioniert, dass es die Marktgemeinde vor einem hundertjährlichen Hochwasser sichert. Im Falle von Hochwass-

erereignissen, die im Becken nicht zurückgehalten werden können, verfügt das Becken über eine Entlastungseinrichtung. So kann das Becken bei Überlast keinen Schaden nehmen. Die Baukosten von circa 3,5 Millionen Euro trägt zu 30 Prozent der Markt Sulzberg, 70 Prozent übernimmt der Freistaat Bayern.

„Die Baumaßnahme war nicht einfach, aber zum Schluss hat alles geklappt“, freute sich Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten (WWA), anlässlich der Fertigstellungsfeier am Montag. Neben viel örtlicher Prominenz kamen auch zahlreiche Gemeindebürger zu dem 90 Meter langen und fünf Meter breiten Damm und nahmen an der Vorstellung des HRB teil. Für Schindele ein Beleg dafür, welche Bedeutung der Anlage in der Bevölkerung beigemessen wird. Im Gespräch mit David Kempter, Abteilungsleiter Neubau im WWA, erfuhr der Kreisbote, dass man während der Bauphase im westlichen Hang auf unvorhergesehene Klüfte traf, die mit Beton verpresst werden mussten, was die Bauzeit um zwei Monate verzögerte. „Dann hatten wir noch Pech mit dem Wetter“, so Kempter weiter. Im Herbst 2015 und Frühjahr 2016 regnete es sehr stark, mit der Folge, dass das Material für den Damm längere Zeit für eine Verdichtung zu feucht war.

1. Bürgermeister Thomas Hartmann ging in seiner Rede nochmals auf die Historie der Hochwasserschutzmaßnahme ein. Erste Überlegungen dazu gab es bereits nach dem Jahrhunderthochwasser im Jahre 1999. Mehrere Ausführungsvarianten seien im Laufe der Zeit diskutiert worden, bis schließlich aus dem Wasserwirtschaftsamt das Signal kam, dass die Maßnahme Nr. 12 – am Wildbach ein großes Becken – zur Ausführung kommen soll. Das war auch der Wunsch der Gemeinde. Am 23.4.2015 erfolgte der Spatenstich für das Projekt. Neben den vielen Akteuren auf kommunaler, Kreis- und Landesebene dankte er besonders den Grundstücksbesitzern, ohne deren Mitwirkung und Bereitschaft, Land abzugeben, die Umsetzung des Vorhabens wohl gescheitert wäre.

Zur kleinen Fertigstellungsfeier ist auch der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz angereist, besser gesagt, er erklomm zu Fuß die „gefühlten 1000 Stufen“ (tatsächlich 86) auf den Damm. Er beglückwünschte die Gemeinde für die mutige Entscheidung, den Hochwasserschutz voranzubringen. Das HRB werde dafür sorgen, dass bei anhaltendem Starkregen zukünftig nicht nur Sulzbergs Rathauschef Thomas Hartmann, sondern auch die Bürger der Oberallgäuer Gemeinde nachts gut schlafen können. Klotz hob hervor, dass im Landkreis die Anstrengungen, im Hochwasserschutz etwas zu tun, noch nicht erschöpft sind, auch in den nächsten Jahren müsse diese Mission weitergehen. Klotz sprach in diesem Zusammenhang den bayernweit wohl einmaligen Solidarpakt Hochwasserschutz an, für den das Landratsamt bei Oberallgäuer Gemeinden seit 2005 rund 14 Millionen Euro einsammeln konnte, denn „Hochwasserschutz geht alle an“.

Ebenfalls vor Ort war Bernhard Simon vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. „Der Standort hier ist ideal“. Viele Kommunen seien so verbaut, dass für den Hochwasserschutz kaum Raum bleibe. Dem Damm prognostizierte er eine Lebenserwartung von 80 Jahren. Hochwasserschutz sei nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu sehen, sondern man müsse auch den Nutzen für Menschen zugrunde legen, so Simon in seiner Rede.

Alle waren sich einig, ohne göttlichen Beistand wird es nicht gehen. Dafür war Pfarrer Hermann Drischberger zuständig. Der katholische Geistliche betonte in einer Ansprache: „Für uns Christen ist Wasser Symbol für das nie endende Leben“. „Andererseits“, wandte er sich an die Vertreter der Politik, „kann Wasser auch Leben bedrohen. Sie haben dafür gesorgt, dass das Wasser in seinen Bahnen bleibt“. Dann segnete er das Bauwerk.

Im Anschluss an den offiziellen Teil hatten die Besucher Gelegenheit, das HRB zu besichtigen.

Hildegard Ulsperger

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