Nach 18 Jahren wird Heribert Kammel als Bürgermeister verabschiedet

"Bester Chef der Welt"

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Altusrieds Bürgermeister Heribert Kammel (Mitte) wird für seine 18-jährige Amtszeit mit dem Ehrentitel „Altbürgermeister“ sowie der Bürgermedaille in Gold und ausgezeichnet. Überreicht wird diese vom 2. Bürgermeister Hans-Jörg Dorn (rechts). Maria Kammel freut sich mit ihrem Gatten über die Ehrungen und die vielen Abschiedsworte.

Altusried – Bürgermeister Heribert Kammel (Freie Wähler) legt am heutigen Mittwoch, 30. April, nach achtzehn Jahren sein Amt nieder. Am Samstag fand die feierliche Ehrung und Verabschiedung des Rathauschefs sowie weiterer ausscheidender Gemeinderatsmitglieder statt.

Die Einlagen des Musikvereins „Harmonie“ sowie des U50-Chores sorgten für eine Auflockerung der vierstündigen Veranstaltung. Außerdem hatten die Mitarbeiter der Rathausverwaltung eine augenzwinkernd freche, unterhaltsame Überraschung für ihren „besten Chef der Welt“ vorbereitet. „Wenn der Bürgermeister seine Pflicht tut, werden kaum vier da sein, die ihn mögen“, zitierte 2. Bürgermeister Hans-Jörg Dorn in seiner Rede den Reformator Martin Luther. 

Angesichts von mehr als 200 Gästen, die zur Verabschiedung von Heribert Kammel in den „Rössle“-Saal gekommen waren, muss der Rathauschef im Laufe seiner vom 1. Mai 1996 bis zum 30. April 2014 dauernden Amtszeit hingegen offenbar so Einiges richtig gemacht haben. „Er hat stets mehr getan, als nur seine Pflicht“, so Dorn. Kammel sei von Anfang an mit seiner ruhigen Art auf Ausgleich bedacht gewesen und sich selbst stets treu geblieben. Des Bürgermeisters „großes Herz“ habe stets für alle fünf Altusrieder Ortsteile geschlagen, in denen jeweils wichtige Projekte realisiert werden konnten – wie etwa der (nicht unproblematische) Bau der Freilichtbühne, die Verwirklichung der Ortsumgehung Krugzell oder der Alpenblickstraße. 

Auch die Kinder- und Jugendarbeit sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. Unter der Führung des „bei seinen Bürgermeisterkollegen sehr beliebten“ Kammel sei die Marktgemeinde anderen immer ein wenig voraus gewesen, wie etwa bei der Entwicklung des LEADER-Programms. 

Neuer Titel 

Jan Brudinski, der bereits mehrmals bei den Freilichtspielen Regie geführt hatte, attestierte dem scheidenden Bürgermeister in einer launigen Rede Tatkraft, Freundlichkeit, Verlässlichkeit, Fleiß und Bürgernähe, die Fähigkeit Zuzuhören und eine sachliche Entscheidungsfindung. Alles in allem sei er ein „echter Glücksfall für Altusried“ gewesen. 

In Anerkennung seines langjährigen erfolgreichen Engagements wurde Heribert Kammel die Bürgermedaille in Gold verliehen. Außerdem erhielt er den Ehrentitel „Altbürgermeister“. Die Ehrung erfülle ihn „mit großem Stolz“, bedankte Kammel sich in seiner Abschiedsrede. Er habe diesen, seinen Traumberuf immer geliebt und immer mit ganzem Herzen sein Bestes gegeben. Als Bürgermeister könne man „nicht immer so, wie man will. Jedes Wort und jede Tat werden auf die Goldwaage gelegt.“ Man erlebe viele Höhen, Tiefen und auch schlaflose Nächte und müsse oftmals „Unverdauliches schlucken“. Nicht immer sei die Stimmung friedlich gewesen, etwa bei den Themen Windkraft und Innerortsentwicklung. Da sei kein Platz für Empfindlichkeit.

 Dennoch wolle er keineswegs den Eindruck von Frust oder Enttäuschung erwecken. „Definitiv nicht!“ Die Amtskette stelle „zwar eine gewisse Bürde dar, vor allem aber eine Würde, die Kraft, Mut, Selbstvertrauen und Stolz verleihe.“ 

Dank an Ehefrau 

Sehr schöne Erlebnisse habe er in seiner Funktion als Standesbeamter gehabt. Und so werde seine allerletzte Amtstätigkeit am 30. April auch eine standesamtliche Trauung sein. Zum Abschluss dankte Heribert Kammel den Wählern für ihr langjähriges Vertrauen sowie all seinen Weggefährten, Ehrenamtlichen und Mitarbeitern „für ihre Tatkraft, ihren Fleiß, ihre Loyalität, den Zusammenhalt und ihr Improvisationstalent“. Vor allem aber bedankte Heribert Kammel sich „aus tiefstem Herzen und voller Liebe“ bei seiner Frau Maria, mit der er seit 40 Jahren verheiratet ist. 

„Sie war stets mein Fundament, meine Stütze, mein Anker und Ruhepol.“ Seinem ebenfalls anwesenden Amtsnachfolger Joachim Konrad (CSU) wünschte er „alles erdenklich Gute, Gesundheit und starke Nerven. Mögen ihm Entscheidungen gelingen, die die Gemeinde nach vorne bringen“, sagte er. Die Anwesenden quittierten die Rede mit mehrminütigen stehenden Ovationen. 

Unterhaltsamer Höhepunkt des Abends war danach eine Diashow mit lustigen, teilweise nachbearbeiteten Fotos und selbst verfassten, frechen Versen, die die Verwaltungsmitarbeiter vorbereitet hatten und die den Rathauschef als passionierten FC Bayern-Fan, Faschingsmuffel, Sudoku-Meister, Geizkragen, wagemutigen Autofahrer und schlechten Verlierer („Niederlagen waren bei ihm nicht eingeplant. 

Im Sport war er fast unschlagbar. Wenn doch – auweh!“) entlarvten. Der nahm’s mit Humor. Ebenso wie das Abschiedslied des U50-Chores: „Wer wird denn weinen, wenn man auseinander geht, wenn an der nächsten Ecke schon ein andrer steht…“

Sabine Stodal

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