Kemptener Sanitäter verabschieden 30 Kameraden in den KFOR-Auslandseinsatz

"Alles Quatsch mit Soße"

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In einer seiner letzten Amtshandlungen übergibt OB Dr. Ulrich Netzer (Mitte) die Stadtfahne an Regiments-Kommandeur Dr. Tobias Gamberger und Hauptfeldwebel Nadine Schulze.

Kempten – Rund 30 Soldaten der Kemptener Ari-Kaserne werden demnächst wieder auf Friedensmission im Kosovo sein. Die Gebirgssanitäter sind ab Mai beziehungsweise ab September für jeweils vier Monate auf dem Balkan im Einsatz. Mit einem Regimentsappell wurden die Soldaten jetzt verabschiedet.

Die Kameraden gehören dann dem 38. oder dem 39. deutschen Einsatzkontingent der KFOR an. Leitverband ist das heimische Gebirgssanitätsregiment 42 „Allgäu“. Es ist das erste Mal, dass das Regiment für gleich zwei Kontingente hintereinander die Verantwortung übernimmt, betonte der Kommandeur und Oberfeldarzt Dr. Tobias Gamberger bei der Verabschiedung. Künftig werden die Regimenter für jeweils drei aufeinander folgende Kontingente und somit zwölf Monate lang als Leitverband dienen. Dies hatte kürzlich Generalstabsarzt Dr. Michael Tempel, Kommandeur der Sanitätsdienstlichen Einsatzunterstützung, bei seinem Besuch in Kempten verdeutlicht. „Wir sind somit Vorreiter. 

Gleichzeitig schwingt große Wehmut mit. Denn mit der jetzigen Aufgabe endet eine lange und erfolgreiche Geschichte der Leitverbandfunktion dieses Verbandes“, sagte Gamberger. Danach werde das neue Sanitätsregiment 3 in Dornstadt bei Ulm diese Aufgabe übernehmen. 

Vorsicht auf der Straße 

Rund zehn der Soldaten, die künftig im Kosovo stationiert sind, fehlten beim Regimentsappell. Sie waren laut Gamberger auf Lehrgängen oder im „wohlverdienten Erholungsurlaub“. In der kosovarischen Stadt Prizren solle in den kommenden acht Monaten der „Kemptener Geist“ zu spüren sein. „Sie werden in den nächsten Wochen und Monaten Teil der NATO-geführten Erfolgsgeschichte auf dem Balkan werden.“ Zu Beginn der Mission „Kosovo force“, kurz KFOR, im Jahr 1999 seien 100 000 Soldaten im Einsatz gewesen, von denen 4000 der Bundeswehr angehörten. 

Derzeit seien es weniger als 5000 Soldaten aus 25 Ländern, von denen 700 Deutsche sind. Da bei der Mission bislang glücklicherweise kaum etwas Dramatisches passiert sei, sei der Einsatz aus dem breiten Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Es gebe Stimmen, laut denen nur Soldaten zweiter Klasse in den Kosovo gehen und KFOR in Wirklichkeit „klasse Ferien ohne Rechnung“ bedeute. „Alles Quatsch mit Soße. Ich will so etwas nicht hören, weil es nicht stimmt“, so Gamberger. Die Soldaten sollten im Kosovo bedenken, dass die größte Gefahr nicht von der Minenlage, sondern vom Straßenverkehr ausgehe. „An die Kraftfahrer daher mein besonderer Appell: Fahren Sie vorsichtig und möglichst nicht bei Nacht.“ 

Dr. Ulrich Netzer, der an diesem Tag noch Oberbürgermeister war, übergab die Stadtfahne an Gamberger und Hauptfeldwebel Nadine Schulze. Die Fahne von Kempten, der Patenstadt des Regiments, wird die Soldaten bei ihrem Auslandseinsatz begleiten. „Die Verbundenheit zwischen den Mitbürgern und Ihnen war in den letzten Jahrzehnten immer sehr stark“, erklärte Netzer. Die Gedanken der Kemptener seien immer bei den Soldaten im Ausland gewesen. 

Dank an Netzer 

Netzer erhielt an diesem Tag noch eine besondere Anerkennung: Dr. Tobias Gamberger verlieh ihm die Ehrennadel des Gebirgssanitätsregiments 42 „Allgäu“. „Sie haben mit meinen Vorgängern im Amt das schon immer im Standort bestehende sehr gute Netzwerk zwischen Stadt und Bundeswehr und damit auch mit dem Regiment gepflegt und weiterentwickelt“, meinte der Kommandeur. Er erinnerte an einige Ereignisse, die in Netzers 18-jährige Amtszeit fielen. „Im Mai 1999 und August 2008 standen die Soldaten und Soldatinnen der Stadt und dem Landkreis zur Bewältigung des Illerhochwassers bei. 

Die Stadt zeigte sich dankbar für diesen selbstlosen Einsatz.“ Leider falle in Netzers Zeit als Oberbürgermeister auch die Entscheidung zur Aufgabe des traditionsreichen Standorts und der Garnison Kempten. „Trotz Einsatz der gewählten Vertreter der Stadt und der Region für den Verbleib der Bundeswehr ist diese Entscheidung so gefallen, wie sie ist, und ist auch nicht mehr umkehrbar“, so Dr. Gamberger.

Franziska Kampfrath

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