Neuer Seelsorger

"Kein frostiger Empfang"

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Pfarrer Klaus Dotzer (links) ist seit Jahresbeginn für die Altenheimseelsorge in Kempten zuständig. Dekan Jörg Dittmar hielt für den neuen Oberpfälzer Kollegen die Einführungsansprache in der St.-Mang-Kirche.

Kempten – „Ich möchte als Seelsorger in Ihrer Gemeinde arbeiten mit der Zeit und dem Mut für einen zweiten Blick“, sagte Pfarrer Klaus Dotzer bei seiner Predigt am Sonntag in der evangelischen St.-Mang-Kirche. Der 50-Jährige arbeitet seit Beginn 2013 als Seelsorger in den Altenheimen.

Dotzer besetzt die dritte Pfarrstelle in der Kirchengemeinde, die seit dem Weggang von Thomas Öder im Juni 2012 vakant war. Zwar war es kalt am Sonntag in der nahezu vollen Kirche, aber es sei dennoch „kein frostiger Empfang in Kempten“ gewesen. Das versicherte Pfarrer Klaus Dotzer nach dem Gottesdienst während einer kleinen Feier im Gemeindehaus. Er habe noch nie länger als sieben Jahre am selben Ort gearbeitet. „Aber meine Frau sagte dann, dass sie genug habe von den häufigen Umzügen.“ Deshalb sei es gut möglich, dass er und seine Familie länger als sieben Jahre hier bleiben werden. „Die Kemptener Stadtfarben sind schwarz und weiß. Von dem her passen Ihre Frau und Sie gut hierher“, meinte Christoph Bodenstab, Vertrauensmann des Kirchenvorstands im Hinblick auf Klaus Dotzers afrikanische Ehefrau. Dabei verwies er auf die lang andauernde konfessionelle Trennung Kemptens mit der ehemals katholischen Stiftsstadt und der evangelischen Reichsstadt. „Ökumene wird hier deswegen großgeschrieben“, so Bodenstab. Wolfgang Grieshammer, Geschäftsführer des Diakonischen Werks, erzählte, dass er kürzlich einen Film über die Whiskeyherstellung in Schottland gesehen habe. „Den Anteil, der während der Lagerung in den Eichenfässern verloren geht, nennen die Schotten ‚angels share‘.“ Grieshammer spannte den Bogen zu „Dotzers share“, also dem Anteil des Pfarrers bei der Seelsorge. „Dabei müssen Sie gleichzeitig an vielen Orten wirken.“ Während des Gottesdienstes überreichte Dekan Jörg Dittmar die Ernennungsurkunde an Klaus Dotzer, die der Bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm unterzeichnet hatte. Das morgendliche Zähneputzen wählte Jörg Dittmar als Beispiel für die Hilflosigkeit eines Menschen. „Wir könne es nicht am Anfang unseres Lebens, und auch oft nicht mehr am Ende.“ Die Menschen hätten Angst vor der Abhängigkeit von Anderen und müssten lernen, sich helfen zu lassen. „Ich bin sehr froh, Klaus, dass wir Dich für diese Stelle gewonnen haben.“ Das Lob des Dekans ging noch weiter: „Du hast einen tiefgründigen Humor, den Du hier auch brauchen wirst. Schließlich sind wir hier im Allgäu“, betonte Dittmar und bewies ebenfalls Humor – er schenkte Klaus Dotzer und dessen Familie einen Allgäuer Kuhfladen aus Schokolade und ein Buch über die Gepflogenheiten der Deutschen, das der tansanische Pfarrer Emmanuel Kileo, der derzeit in Kaufbeuren arbeitet, geschrieben hat. Die beiden Pfarrer Andrea Krakau und Helmut Lauterbach, Christoph Bodenstab und zwei weitere Männer und Dekan Dittmar umringten Klaus Dotzer, um ihn gemeinsam zu segnen mit Worten wie „Der Herr segne dich, Er erfülle deine Nase mit Duft und Wohlgerüchen.“ Der Predigttext aus dem Matthäusevangelium handelte von der Taufe Jesu durch Johannes am Jordan, der mit den Worten endet: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Klaus Dotzer berichtete in seiner Predigt davon, als ihm Oliver Stiller, Heimleiter des Wilhelm-Löhe-Hauses, den Schlüssel für das Büro übergab. „Ich probierte ihn aus, aber der Schlüssel passte nicht.“ Mit dieser ″Beschwerde″ sei er nochmals zu Oliver Stiller gegangen, der entgegnet habe: „Der Schlüssel passt, Sie müssen nur etwas warten bis der digitale Smiley darauf zu sehen ist.“ 

 Anderer Anschein 

Im Leben sei es häufig so, dass Dinge einen ganz anderen Anschein haben. Eine lächelnde Frau in der Kemptener Innenstadt etwa, wirke oft nur nach außen hin fröhlich und könne in Wirklichkeit traurig sein. Dotzer übertrug die Bedeutung des zweiten Blicks auf den Predigtext: „Jesus will dabei keine besondere Taufe, sondern eine Taufe wie jeder andere Mensch. Er ist nicht der große Herr Jesus, nicht einer, der das Sohn-Gottes-Sein heraushängen lässt, sondern sich kleinmacht. Jesus möchte einer von uns sein“, so Dotzer. Johannes, der sich selbst anfangs als unwürdig erachtete, um Jesus zu taufen, habe das auch erst auf den zweiten Blick erkannt. Franziska Kampfrath

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