Eritreische Spezialitäten

Kulturen zusammenbringen

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Will den Kemptenern mit dem Maifest zum eritreischen Unabhängigkeitstag ihre erste Heimat, Eritrea, ein bisschen näher bringen: Wengahta Räth hier mit ihren beiden „Allgäuer Töchtern“ Ramona (links) und Raphaela (rechts).

Kempten – Am 24. Mai 1993 erhielt Eritrea nach 30-jährigem Krieg seine Unabhängigkeit von Äthiopien. „In Eritrea ist das ein Festtag wie hier Weihnachten oder Ostern“ erzählt Wengahta Räth, die vor rund acht Jahren aus Eritrea geflohen war und in Kempten ihre „zweite Heimat“ gefunden hat.

Auch in Kempten wird es ein Fest zum immerhin 20ten eritreischen Unabhängigkeitstag geben. Die 29-Jährige hat es im Haus International organisiert und dort am heutigen Samstag, 25. Mai, für eritreische kulinarische Spezialitäten gesorgt, eritreischen Kaffee und natürlich eine afrikanische Live-Band, die extra aus Frankfurt anreist.

„Es kommen sicher viele Eritreer zum Fest“ freut sie sich auch auf Besuch von Landsleuten aus dem Umkreis. Schließlich sei es „ein wichtiger Tag in Eritrea, an dem jeder im Land feiert und alle Geschäfte fast eine Woche lang zu sind“, wie sie erzählt. Ein Tag, an dem sich alle mit festlichen Gewändern herausputzen. „Manchmal hat man Heimweh, aber ich bin hier glücklich mit meiner Familie“, sagt sie. Dazu gehören ihr Mann Reinhold und ihre zwei „Allgäuer Kinder“, die zweijährige Raphaela und die vierjährige Ramona.

Schade findet die Wahl-Kemptenerin, dass kaum jemand ihr Land kennt, nicht einmal dem Namen nach; Äthiopien dagegen schon. Das möchte sie ändern und auch „ihre“ beiden Kulturen zusammenbringen: Deutschland und „das wunderschöne, kleine Land“ Eritrea, das schon verschiedene Kolonialherren erlebt habe: Türken, Italiener, Briten und am Ende die Zugehörigkeit zu Äthiopien. Nun also das Maifest zum eritreischen Unabhängigkeitstag.

Wie es anfangs für sie in Kempten gewesen ist? „Schwierig“, weil die Allgäuer erst einmal sehr zurückhaltend wären, dann aber super Freunde seien. Schwierig auch, weil sie anfangs fast allein gewesen sei, ohne ein Wort Deutsch zu sprechen. Das habe sie sich dann selbst beigebracht. Schwierig auch das Ausländeramt, mit dem sie damals „keine guten Erfahrungen gemacht“ habe. Heute seien aber „lauter nette Leute“ dort. Es habe sich viel verändert – und außerdem „bin ich jetzt auch Deutsche“, meint sie nicht ohne Stolz.

Etwa ein Jahr nach ihr sei eine Freundin aus der Heimat nachgekommen, was alles etwas leichter gemacht und beide wie Schwestern zusammengeschweißt habe – bis heute. Später seien auch deutsche Freunde da gewesen, die sie immer wieder zum Durchhalten angespornt hätten, unter anderem „wenn es mit den Ämtern wieder einmal schwierig war“. „Eine schreckliche Zeit“ seien die gut zwei Jahre gewesen, die sie im Kunz-Haus, dem damaligen Asylantenheim habe verbringen müssen. Dazu immer die Angst im Nacken, wenn die Polizei – ein in diesem Haus häufiger Gast – oder ein Brief kam und unweigerlich als Erstes das Horrorwort „Abschiebung“ im Kopf aufblitzte.

Aber das war einmal. Sieht man sie umgeben von ihrem Mann und den beiden Töchtern, scheint die Welt für sie endlich in Ordnung zu sein. Trotz dem Champions-League-Finale hofft sie auf viele Menschen, Kemptener, Deutsche und Eritreer, die das Maifest zum eritreischen Unabhängigkeitstag bei leckeren Speisen und Live-Musik feiern mitfeiern. Beginn ist am heutigen Samstagabend um 18 Uhr im Haus International, Poststraße 22, in Kempten. Der Eintritt beträgt zehn Euro.

Christine Tröger

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