Ein Fest der Klänge

Das Hornquartett blies vierstimmige traditionelle und moderne Musik. Foto: Kampfrath

Wohlklänge sind nichts Ungewöhnliches in der Sing- und Musikschule Kempten. Doch was am Freitagabend im Schönen Saal zu hören war, erwies sich als wahres Fest für die Ohren. Beim „Etwas anderen Weihnachtskonzert“ zeigten ehemalige und jetzige Schüler der musikalischen Bildungsstätte ihr Können.

Der Lions-Club Kempten-Müßiggengel hatte das Konzert organisiert. „Es klingt etwas widersprüchlich, die Begriffe traditionell und etwas anders in Verbindung zu bringen. Uns Lions ist dieser Spagat gelungen“, sagte Dr. Peter Nikodem, Präsident des Clubs. Das Programm bot eine Zeitreise von der Renaissance bis in die Moderne. Den ersten Eindruck hinterließ das Hornquartett. Joseph Rauch, Thomas Baumgarten, Fabian Becker und Thomas Reiner spielten vierstimmig die „Barcarolle“ von Robert Dillon, die sie mit sicherem Ansatz meisterten. Es folgten zwei Stücke aus der kammermusikalischen „Suite im alten Stil“ von Paul Prager. Die vier Bläser hoben den besinnlichen Charakter der „Sarabande“ hervor. Das „Menuett“ erklang munter und beschwingt. Der Mittelteil des Stücks bereitete dem Waldhornquartett jedoch Probleme. Das Zusammenspiel funktionierte nicht mehr, die Töne klangen unsauber. Am Ende des Konzerts konnten die vier jungen Männer die Zuhörer mit alpenländischer Musik erfreuen. Fehlerfrei und ergreifend intonierten sie den „Hirtenjodler“, „Heiligste Nacht“, „Still, o Erden“, „O edle, liebreiche, herzguldene Nacht“ und „Es blühen die Maien“. Mit der Interpretation dreier Sätze aus der Suite Nummer fünf in c-moll von Johann Sebastian Bach stand der Cellist Stephan Buchmiller vor einer anspruchsvollen Aufgabe. Das Prélude begann mit langgezogenen Tönen. Buchmiller verstand es, die Schwermütigkeit des ersten Teils zu untermalen. Ebenso hob er den klagenden Charakter der Sarabande hervor. Die punktierte Rhythmik der Gigue betonte er gekonnt. Mit schnellen Läufen hatte der Musikstudent keinerlei Probleme. Es schien, als würde Buchmiller mit seinem Instrument verschmelzen. Eigene Stubenmusik Eigens für diesen Abend hatte sich eine vierköpfige Stubenmusik-Gruppe gebildet. Elena Rothermel (Blockflöte), Katharina Steiger (Zither) und Irmgard Moldan-Fiederling (Harfe) bliesen beziehungsweise zupften das „Tiroler Menuett“ und das „Menuett aus Weißenbach“. Bei den Zuhörern kam sogleich eine wohlige und heimelige Atmosphäre auf. Mit ihrem Hackbrett bereicherte Michaela Henkel das Spiel beim bekannten „Es wird schon glei’ dumpa“ und bei „Erev Ba“. Bei letzterem handelt es sich um ein Volkslied aus Israel, das sich jedoch gar nicht orientalisch anhört. Die vier in Trachten gekleideten Frauen harmonierten sehr gut miteinander. Sensibles Spiel Wegen einer Fingerverletzung musste das Cambodunum-Quartett auf Anna Wiedemann verzichten. Stattdessen übernahm der Musikschullehrer Johannes Kühn die erste Geige. Er, Tabea Marquardt (Violine II), Viola Haslach (Viola) und Lydia Finzl (Cello) ernteten Bravorufe für ihre Darbietung. Sie führten die letzten beiden Sätze von Felix Mendelssohn Bartholdys Streichquartett in f-moll auf. Durch ihr sensibles Spiel ertönte das „Adagio“ aufwühlend und sehr emotional. Beim „Finale Allegro molto“ kam der Ausdruck von Verzweiflung bestens zur Geltung. Man hörte an keiner Stelle, dass dem Quartett nur sechs Wochen Zeit blieb, um diesen Satz einzustudieren. Gekonnt wechselten die vier Streicher zwischen lyrischen und dramatischen Passagen, die Dynamik gestalteten sie sehr nuancenreich. Den ersten Satz aus Edvard Griegs Streichquartett in g-moll interpretierten die Musiker mit viel Ausdrucksstärke und Lebhaftigkeit. Das Werk spiegelt das Seelenleben des Komponisten wider. Der Mittelteil erklang in düsterer Stimmung. Der Musikschullehrer Martin Kerber und Katharina Steiger wussten als Zitherduo ebenfalls, die Zuhörer zu beeindrucken. Fehlerfrei spielten sie „Branle simple“ von Antoine Francisque, ein Stück aus einer Weitnauer Musikantenhandschrift sowie den „Stad-Gmiatlicher“ und „Freu dich, du lieber Christ“ von Harald Oberlechner. Lukas Holzinger zauberte bei der „Rotation IV“ von Eric Sammut auf dem Marimbaphone. Mit vier Schlägeln spielte er die Melodie und Begleitung auf dem Schlaginstrument, das etwas weicher als ein gewöhnliches Xylophon kling. „Oh, schon zu Ende“, meinte eine Frau aus dem Publikum nach dem Schluss des Stücks. Finanziell gesehen lohnte sich das Weihnachtskonzert ebenfalls. 2000 Euro kamen als Reinerlös zusammen. Der Lions-Club Müßiggengel will das Geld für die Förderung des Unterrichts an der Sing- und Musikschule sowie an das Kinderhospiz im Allgäu spenden.

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