Im Gespräch mit Dr. Franz Tröger und dem künstlerischem Leiter Benjamin Schmid

Classix Kempten feiert Beethoven

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Classix-Organisator Dr. Franz Tröger in seinem Büro.

Kempten – Schwierige Zeiten für ein Festival, doch das Kammermusikfestival Classix Kempten findet trotz Corona statt. Über Beethoven, die Programm-Highlights und das Corona-Management sprechen Organisator Dr. Franz Tröger und der künstlerische Leiter, Violinist Benjamin Schmid im Interview.

Herr Tröger, dieses Jahr findet das Classix Festival zum 15. Mal statt. Und das trotz Corona. Wie waren da die Reaktionen?

Tröger: „Von extrem positiv bis zurückhaltend. Manche Leute haben sich überschwänglich bedankt, dass wir live bleiben, andere waren ängstlich, die konnten wir trotz unseres ausgefeilten Hygienemanagements nicht überzeugen. Die meisten aber waren ausgesprochen glücklich.“

Was ist dieses Mal coronabedingt anders, wie sieht das Hygienemanagement aus?

Tröger: „Statt im Stadttheater finden alle Konzerte im Fürstensaal in der Residenz in Kempten statt. Die Stühle dort sind beweglich und können so aufgestellt werden, wie es die Corona-Regeln erfordern. Die Konzerte laufen ohne Pause ab, es gibt kein Foyer. Das Konzert mit der St. Petersburger Kammerphilharmonie und Ulrich Tukur musste abgesagt werden, da die Corona-Abstandsregeln bei 40 Personen auf der Bühne leider nicht umsetzbar sind.“

Wie ist es für Sie als Künstler, Herr Schmid, wenn im Publikum viel Abstand herrscht und Säle nicht voll belegt sein können?

Schmid: „Ich gebe eigentlich immer alles, egal, wie viele Leute da sind. Für das Publikum kann die jetzige Situation auch angenehm sein: man hat deutlich mehr Platz, es wird nicht stickig im Saal und man hat das Gefühl an einer Privataudienz mit den Künstlern teilzunehmen.“

Auf welche Highlights können sich die Zuschauer dieses Mal freuen?

Tröger: „Highlights sind eigentlich alle Konzerte. Aber besonders hervorheben möchte ich die zwei Jazztermine: Einmal das Quintett mit Benjamin Schmid und den beiden Gitarristen Biréli Lagrène und Diknu Schneeberger, zwei wirkliche Gitarrengötter, und zum anderen das Konzert mit dem Muthspiel Chamber Trio. Nicht unerwähnt möchte ich auch den Pianisten Bernd Glemser lassen.“

Schmid: „Das Hagen Quartett am 25. September ist für mich ein absolutes Highlight!“

Gibt es bereits ausverkaufte Konzerte?

Tröger: „Ja, das Eröffnungskonzert um 19 Uhr ist so gut wie ausverkauft. Es gibt daher einen zweiten Termin am gleichen Tag um 16.30 Uhr für den es noch Karten gibt. Fast ausverkauft ist auch das Konzert mit Ariane Haering, Matthias Bartholomey und Benjamin Schmid. Bei sehr viel Interesse werden wir auch hier einen zweiten Nachmittagstermin zur Verfügung stellen können.“

Das Festivalprogramm dreht sich heuer um Beethoven, der dieses Jahr seinen 250. Geburtstag feiert. Was macht Beethoven so besonders?

Schmid: „Beethoven war zusammengenommen der wichtigste Komponist unserer abendländischen Kultur. Sein enormes pianistisches Talent und seine einzigartige Art zu improvisieren haben ihn zu einem Komponisten werden lassen, der größte Musik in metaphysische Dimensionen erhoben hat.“

Unter welchen Gesichtspunkten wurde das Classix-Programm ausgewählt?

Schmid: „Das Programm ist eine Hommage an die beste Kammermusik der Welt von Solo bis Septett: Für alle diese Gattungen hat Beethoven Unsterbliches hinterlassen.“

Tröger: „Wir gehen von seiner populäreren Seite, den Serenaden am Eröffnungskonzert, über die Violinsonaten, die so etwas sind wie der rote Faden in seinem Schaffen, bis zu den Streichquartetten, mit denen er ja fast schon zeitgenössisch war, avantgardistisch, Stücke, die der Laie gar nicht mehr spielen konnte.“

Schmid: „Mir war wichtig, der improvisatorischen Natur Beethovens nachzuspüren, in Form von zwei Jazzkonzerten. Beethoven wäre heute sicher auch ein großer Jazzimprovisator, denken wir zum Beispiel bei den Diabelli Variationen an einige Boogie Woogie Variationen.“

Letztes Jahr haben Sie, Herr Tröger, in einem Interview gesagt, dass sie neue Besucherschichten gewinnen wollen. Ist Ihnen das gelungen?

Tröger: „Ja, das fällt mir ganz besonders dieses Jahr auf. Nach den vielen Jahren, die ich jetzt Konzerte mache, kenne ich ja mein Publikum namentlich, aber durch die Jazztermine bekomme ich viele Buchungen mit unbekannten Namen. Ich denke da helfen sich Jazz und Klassik gegenseitig.“

Also auch ein Verdienst von Benjamin Schmid, der seit letztem Jahr die künstlerische Leitung übernommen hat?

Tröger: „Ja, wir wollten unser Spektrum an Genres ausweiten. Da habe ich meinen Freund Benjamin Schmid gefragt, ob er die künstlerische Leitung übernehmen will, weil er einer ist, der in gleicher Qualität Jazz und Klassik macht und auch in beiden Szenen gut vernetzt ist.“

Und waren Sie gleich Feuer und Flamme dafür, Herr Schmid?

Schmid: „Ich habe aufgrund der zeitlichen Herausforderung zuerst gezögert; denn ich wusste, dass Classix Kempten einen hundertprozentigen Einsatz verdient. Seit Corona weiß ich noch besser, wie wertvoll dieses Festival ist und wie viel Freude wir mit Live-Musik bringen können. Daher: ja, ich brenne für dieses Festival!“

Freuen Sie sich als Violinist auf eines Ihrer Konzerte ganz besonders?

Schmid: „Unsere Violinsonaten, das ist eine derart ergiebige musikalische Reise , fast durch Beethovens ganze Biographie. Aber eigentlich freue ich mich auf alle Konzerte, ich finde uns ist da ein fantastisches Programm gelungen. Wir wollen unserem Publikum Sicherheit und superbe Konzerte bieten, und ich weiß, dass uns das gelingen wird!“ Das Programm des 15. Classix-Festivals sowie Tickets unter www.classix-kempten.de.

Lena Fuhrmann

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