Der Megatrend Digitalisierung soll auch den Allgäuer Tourismus voranbringen

"Big Data klingt wie ein Albtraum"

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(v.li.) Johannes Lauterbach (Kaufmännischer Werkleiter Bosch Immenstadt/Blaichach), Dr. Michael Toedt (Dr. Sell & Coll GmbH), Staatssekretär Franz Josef Pschierer und Gastgeber Landrat Hans Joachim Weirather (Aufsichtsratsvorsitzender Allgäu GmbH).

Kempten – „Willkommen in der Zukunft – Megatrend Digitalisierung“ hieß es bei der Tagung am Allgäu-Tag der Festwoche. Ein Thema, das auch in unserer Region vorangetrieben werden soll, denn, so der Gastgeber Landrat Hans Joachim Weirather, Aufsichtsratsvorsitzender der Allgäu ­GmbH, digitales Marketing ermögliche 365 Tage im Jahr eine rundum Vermarktung der Urlaubsregion. Zwar „nicht als Blaupause“, aber als „Diskussionsgrundlage“ nannte er Südtirol zur Orientierung. Er appellierte an die Stärkung der Region durch Heimatverbundenheit, zum Beispiel durch den Kauf von Allgäuer Milchprodukten. „Das Tragen einer Lederhose auf der Festwoche ist zwar nett, reicht aber nicht aus“, meinte er.

Warum das Allgäu am Digitalisierungstrend nicht vorbeikommen wird, legte der Bayerische Staatssekretär für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, Franz Josef Pschierer, dar: der größte Anbieter für Übernachtungen sei nicht eine Hotelkette, sondern die Internetplattform „airbnb“, die kein einziges Hotel besitze. Gleiches gelte für die Plattform „uber“, die kein einziges der von ihnen vermittelten Taxis besitze. „Digitalisierung verändert alles.“ Gerade der Bereich Dienstleistung habe heute ohne Digitalisierung kaum noch eine Chance. Autonomes Fahren, Smart-Grid, ein digitalisierter Gesundheitsbereich seien unter anderem Themen für vernetzte Mobilität und natürlich auch „Cloud-Technologien“. Die Nutzung anonymisierter Patientendaten sei in anderen Ländern bereits Gang und Gäbe, in Deutschland dagegen stehe „Datenschutz vor dem Patientenschutz“, kritisierte er.

Eine „Herausforderung“ sah er für den Tourismus, „wo immer mehr digital läuft“, da die jüngere Generation beispielsweise schon an Buchungen anders herangehe. Allerdings, stellte er auch klar, müssten sich für den Ausbau der Digitalisierung „die Rahmenbedingungen ändern“, unter anderem durch Flexibilisierung von Arbeitsplätzen. Statt starrer Acht-Stunden-Arbeitstage sind seines Erachtens die täglichen Arbeitszeiten dem konkreten Bedarf anzupassen und nur in der Gesamtsumme zu sehen.

Großes Potential in der Digitalisierung sah Dr. Michael Toedt von der Dr. Sell & Coll GmbH, der seinen Fachvortrag mit „Big Data - Herausforderung und Chancen für die Hotellerie“ übertitelt hatte. Er stellte klar, dass heute vor allem Kundendaten zählen, deshalb seien Internetplattformen wie ­„airbnb“ oder „priceline“ „viel mehr wert“, als beispielsweise Hotelketten. Am Beispiel des einstigen Branchenriesen „Kodak“ zeigte er auf, dass die Größe eines Unternehmens allein „kein Garant für das Überleben ist“, denn Kodak habe wie viele andere Unternehmen schlicht den „Trend zur Digitalisierung verschlafen“.

Big Data sei kein Hype, sondern „es ist Realität“ hinter dem als Konzept das Sammeln, Reinigen, Analysieren von Daten und schließlich daraus folgendes Handeln stecke. Gefragt seien „Netzwerkdenker“, Leute mit einem Verständnis dafür, „dass ich heute mit Insellösungen nicht mehr zukunftsfähig bin“. Das Erfolgsrezept von „amazon“ sei, „den richtigen Leuten, zur richtigen Zeit, das richtige Angebot“ zu unterbreiten. Und das stellte sich Toedt auch für die Hotellerie vor. Als Infoquelle könne WLAN genutzt werden, durch das die Bewegungen und Aufenthaltspräferenzen des Gastes im Hotel nachverfolgt werden und Daten generiert werden könnten, die durch Befragungen nicht annähernd in solchem Umfang zu erreichen seien. Wie Untersuchungen zeigten, so Toedt, sei dabei „Datenschutz nicht das Thema“ bei den Menschen.

Von durchweg guten Erfahrungen konnte Johannes Lauterbach, Kaufmännischer Werkleiter Bosch Blaichach/Immenstadt, durch die weltweite Vernetzung der Niederlassungen des internationalen Unternehmens berichten. Bei Bosch seien 5174 Maschinen weltweit vernetzt, so dass zum Beispiel ein „Vergleich der Produktivität“ möglich sei, der Optimierungen vereinfache. Ferner werde die Digitalisierung für Problemlösungen genutzt, – jeder Mitarbeiter könne ein Feedback geben, gute Tipps wandern in der Liste nach oben – sowie zum Energie- und Flottenmanagement.

„Big Data klingt wie ein Albtraum“, leitete Weirather die Schlussrunde ein, sah aber in „rechtlichen Rahmenbedingungen“ auch Grenzen. Pschierer merkte eine „Doppelmoral“ beim Thema Datenschutz an: Wenn es um Patientendaten gehe, seien die Leute empfindlich, „wenn sie die Chance haben 2,50 Euro zu gewinnen, ziehen sich die Leute bis aufs Hemd aus“.

Christine Tröger

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