Bunter Jubiläumsreigen

Zur 70. Festwoche gibt es Retro satt, viele Schmankerl und sogar ein eigenes Musical

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Leonie Leuchtenmüller (l.) und Jeanine Bravo (r.) spielen zwei Geister aus der Vergangenheit der verbitterten Liesl, Namensgeberin für das Jubiläums-Musical zur 70. Allgäuer Festwoche. 

Kempten – Trotz ihrer 70 Jahre „hat sie an Attraktivität nicht verloren“ eröffnete OB Thomas Kiechle am Montag die Pressekonferenz zur am 10. August offiziell startenden Allgäuer Festwoche im Jubiläumsjahr 2019. Und Festwochenchefin Martina Dufner-Wucher war sich sicher, dass dem Anlass entsprechend „ein würdiges Programm zusammengestellt“ wurde, mit einigen Neuheiten, aber auch „Klassiker, die viele lieb gewonnen haben, sind wieder da“, z.B. auf der Stadtparkbühne Tanzperformances und Bands.

Was ist neu? Da ist zum Beispiel die Bio-Halle (Halle 12), organisiert von der „Ökomodellregion Oberallgäu-Kempten“ und dem Verband Bioland; statt der Parkterrasse bietet nun Heels Alpe an neuem Standort gastronomisches Angebot und zur Entspannung eines Dauerthemas: Bei der ZUM gibt es eine neue „Toilette für alle“. In einem „Retrozelt“, werden laut Festwochenbeauftragtem des Stadtrats und Kreishandwerksmeister Hans-Peter Hartmann „70 Jahre innovatives Handwerk“ präsentiert mit alten Elektrogeräten und vielem mehr. Als immer „richtigen Magnet“ kündigte er außerdem die Oldtimer-Sternfahrt am Sonntag, 18. August, mit rund 70 Automobilen, die älter als 30 Jahre sind, an, darunter ein Adler Cabrio von 1937. 

Am Sonntag, 11. August, ziehen beim „Großen Schützenumzug“ rund 3500 Schützen und Musikanten durch die Kemptener Innenstadt zum Festgelände; bevor die Teilnehmer des Festwochenlaufs am Freitag, 9. August, in Kempten von OB Thomas Kiechle begrüßt werden, passieren die „laufenden Botschafter“ für die Allgäuer Festwoche ab Donnerstag, 8. August, mehrere Allgäuer Kommunen; auch das Tiefbauamt ist wieder bei den Sonderschauen vertreten, diesmal zur König-Ludwig-Brücke, zum Zumsteinhaus und – laut Flüsterfunk – auch zur Kemptener Stadtseilbahn. 

Auf dem Messegelände Schulhöfe können BesucherInnen auf eine „Heumilchreise“ – von der Wiese bis zum Käse – beim neuen Festwochen-Kooperationspartner AREG Heumilch gehen. Wie 1. Vorsitzender Markus Fischer vorstellte, zählt die ARGE inzwischen 400 Mitglieder und „26 Käsereien, die mithelfen“, mit dem Ziel vor Augen, „Erhalt der reinen Heuwirtschaft ohne vergorene Futtermittel“ und einen europaweiten Verbund zu schaffen. Dass sich der Verzicht auf Silage nicht nur auf die Tiergesundheit, sondern auch auf die Biodiversität positiv auswirkt, erläuterte Richard Haneberg, Biobauer seit 1986, mit „Verzicht auf Silage“ seit 1992. Seit dem Jahr 2000 produziert Franz Berchtold aus Legau Heumilch und hat 2002 die Bio-Schaukäserei in Wiggensbach gegründet, deren Geschäftsführer er ist. Er betonte, dass „Heumilch eigentlich am besten geeignet dafür ist, Käse herzustellen“, da die Milch nicht bearbeitet werden müsse wie sonst. Die Heumilch habe zudem ein „gutes Omega3-Omega6-Verhältnis“. Der menschliche Körper habe sich über Jahrtausende an Kuhmilch gewöhnt. „Erst in den letzten 50, 60 Jahren hat sich die Milch verändert.“ Die Ursache für viele Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien sah er daher darin begründet, „weil wir heute Lebensmittel essen, die unser Körper in der Zusammensetzung so nicht kennt“, auch wenn das nicht mit dem Auge erkennbar sei. 

Einen anderen Ansatz pro Heu brachte Karina Fischer, Kreisbäuerin Ostallgäu, ins Spiel: „Im Heu speichert sich die Kräutervielfalt eines ganzen Sommers“, was für Gelees, Heukissen u.v.m. genutzt werde. Auf der Festwoche können deshalb Kinder ihre eigenen Heukissen füllen, die laut Fischer u.a. wohltuend bei Schlafstörungen sein sollen. Auch eine echte Rarität kündigte sie am Heumilch-Stand an: Einen „16er Eicher“ Schlepper, „der auf der ersten Allgäuer Festwoche gekauft wurde“.

Frei nach dem Motto „Keine Party ohne Musik“, gab es am Ende des Termins noch ein besonderes Festwochen-Kultur-Schmankerl: eine erste Kostprobe des Jubiläums-Musicals „Liesl – das Musical. Eine Geschichte zum 70. Jubilä- um der Allgäuer Festwoche“, konzipiert von der J&J Dance Company unter Regie von Harald Holstein. Wie Jeanine Bravo (das eine J von J&J) verriet, „haben wir viele Insider-Infos von den Unterillertalern bekommen“. 30 DarstellerInnen, darunter Leonie Leuchtenmüller, Jeanine und Jairo Bravo, Barbara Zöllner und Alfons Kennerknecht entführen bei einem etwas anderen Rückblick auf 70 Jahre Festwoche die Zuschauer in eine feurige Musikwelt der 1950er und 1960er Jahre. Zu sehen ist das Musical am Montag, 5. August, und Dienstag, 6. August, um 20 Uhr im Residenzhof. Einen Blumenstrauß gab es außerdem für die Gewinnerin des diesjährigen Plakatwettbewerbs. Sie habe zuvor noch nie etwas von der allgäuer Festwoche gehört, meinte Diane Le, die aus der Nähe von Landsberg stammt und in München eine Ausbildung zur Illustratorin macht. Ihre Lehrerin habe sie auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht, sagte sie, und hatte beim 70. Geburtstag spontan an eine Torte gedacht.

Alle Infos rund um die 70. Allgäuer Festwoche unterwww. festwoche.com.

Christine Tröger

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