Vielbesichtigte Werke

Festwochenmagnet: Kunst

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Auf ungewohnt wenig Kritik stösst die Festwochen-Kunstausstellung 2014.

Kempten – Drei Preise sind bekanntlich bereits vergeben. Am letzten Tag der noch bis 14. September laufenden Festwochen-Kunstausstellung wird sich noch entscheiden, welches der insgesamt 66 ausgestellten Werke in der Gunst der Besucher ganz vorne liegt, die bis dahin ihr Votum für den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis abgeben können.

Rund 2500 Menschen haben die Ausstellung, die heuer gut ankommt, schon während der Festwochenzeit besucht.

Das liegt zum Einen daran, dass der Hofgartensaal weit weniger dicht bestückt wurde als in der Vergangenheit und so jedes Werk den nöti- gen Raum zum „Atmen“ hat. Aber auch einige bei der Festwochen-Kunstausstellung schon zum festen Standardrepertoire zählende Künstlernamen sucht man heuer vergeblich – zugunsten neuer künstlerischer Akzente. Die Einträge im Gästebuch sind im Vergleich zu den vergangenen Jahren bislang deutlich spärlicher ausgefallen. Es fehlen die teilweise aggressiven Einträge, die sich sonst immer zwischen den positiv bis kritisch-kopfschüttelnden Anmerkungen finden ließen. Warum? Wer weiß das schon.

Einen tiefen Eindruck, nicht zuletzt wegen der Aktualität des Themas, aber auch aufgrund des genial eingesetzten Materials hinterlässt das ernste Gesicht der „Näherin aus Bangladesch“, die Nina Schmidbauer in einer Stoffcollage abgebildet hat. Weniger kritisch sondern beobachtend hat Heidi Netzer Ihre Eindrücke einer Reise in das an Bangladesh angrenzende Indien in dem Aquarell „Frauen in Indien 1“ verarbeitet. Einen Menschen, dessen Gesicht markante Lebensspuren trägt, hat Eunice Huf mit ihrer Fotografie „Aus der Serie: Portraits I“ verewigt. „Lost memories of a holiday 1976“ heißt das originelle Objekt von Traudl Gilbricht. Dafür hat sie Dia-Rahmen mit Kabelbindern zu einem löchrigen Reisekoffer verbunden. An einen kleinen Außerirdischen erinnert die keramische Plastik „Kopflast“ von Manni Bachaue, die einen leicht nach vorne gebeugten Körper mit eng angepressten Armen und einem übergroßen Kopf zeigt. In seinen beiden „Rinderskizzen I“ in Bleistift hat Josef Wehrle zwei Kühe in der für ihn typischen gespenstischen Art abgebildet: unnatürlich verrenkte Glieder und große, hilfesuchende Augen gehen hier unter die Haut. Es ist ein Torbogen, der jedem Betrachter offen lässt, was das von der forschen Schrittes Durchschrittene sein soll: „The step in-between“ hat Anette Zappe ihre Bronze genannt.

Zwei Objekte zieren außerdem den öffentlichen Raum, auf der Südseite der Kemptener Residenz. Prominent thront die stählerne „Dialogentfaltung I“ von Karl K. Maurer inmitten der Stufenanlage vor dem Hauptportal und bildet ein erstaunlich harmonisches Miteinander von konkreter Kunst und historischem Gebäude. Im Bereich Schwägelin-Brunnen wirkt das steinerne Objekt „Bewegung“ von Daniel Pröbster dagegen etwas verloren. Das für den öffentlichen Raum relativ kleine Kunstwerk würde vermutlich in einem geschützteren Umfeld besser zur Geltung kommen können als es die „weite Flur“ des Rasens vor der Residenz ermöglicht.

Die Ausstellung im Hofgarten der Kemptener Residenz ist noch bis 14. September 2014 täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Christine Tröger

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