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Ministerpräsident Markus Söder spricht über Krisen und Kraftakte

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Von: Martina Ahr

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Ministerpräsident Markus Söder bei seiner Festrede.
Ministerpräsident Markus Söder bei seiner Festrede. © Karl Jena

Kempten – Eine Leistungsschau und Liebeserklärung ans Allgäu sei die Festwoche, befindet Ministerpräsident Markus Söder. 

Superlative fallen in seiner Festrede anschließend einige: Das Allgäu beschreibt er als eine der der schönsten und stärksten Regionen Bayerns – „und damit Deutschlands und auch eigentlich Europas“. Dazu der „schöne Sommer mit überragenden Zahlen aus der Wirtschaft“. Man könne sich bei all diesen positiven Punkten „nicht vorstellen, dass ein schwerer Herbst kommt“.

Gerade wegen der zurückliegenden und noch anstehenden Krisen sei es deshalb „ein wichtiges und richtiges Signal“, die Festwoche wieder stattfinden zu lassen, denn „um helfen zu können, braucht man Kraft“ und das biete die Festwoche den Menschen.

„Corona war eine Krise, wie wir sie noch nie hatten“, sagt er. Jeden Morgen habe er gestiegene Todeszahlen gesehen. Es sei schwer gewesen, in diesen Zeiten Entscheidungen zu treffen. „Aber unter dem Strich haben wir gut gearbeitet“ und es sei gelungen, Tausende Leben zu retten. Und im Herbst? Söder richtet sich an Gesundheitsminister Klaus Holetschek, der werde das regeln. Für Söder stehe fest: „Schützen ja, absperren nein.“

Aber es sei nicht nur das mögliche Neuaufflackern der Pandemie, was Söder aktuell beschäftigt. „Wir müssen schauen, wie wir über den Winter kommen“, sagt er im Hinblick auf anstehende Energieengpässe. Nach wie vor sei unsicher, was in den kommenden Monaten in der Folge des Ukrainekriegs passiere.

Alles wird teurer. Das stehe fest und erfordere Unterstützung, vor allem auch für Unternehmen. Söder kann sich ein Hilfsprogramm, vergleichbar zu den Corona-Hilfen, vorstellen. Außerdem brauche es eine Senkung der Steuern „auf alles, was mit Energie und Benzin“ zu tun hat und eine Erweiterung der Pendlerpauschale. Zwar müsse auch auf den Radwegeausbau gesetzt werden, aber Radfahren sieht er im Allgäu weniger als Fortbewegungsmittel, denn als „eine Herausforderung“.

Söder rechne trotz aller Teuerungen nicht mit Aufständen in der Bevölkerung; hier korrigiert sich Söder sofort, denn ihn habe teils verwundert, wie manche Menschen auf die Pandemie reagiert hätten und welche Behauptungen bei verschiedenen Protesten zu den Impfungen und Regelungen aufgetaucht seien.

Lange habe man gedacht, dass die Entscheidung, aus russischer Energie auszusteigen, von deutscher Seite getroffen werde. Nun sei es aber anders gekommen. Energiesparen finde er gut, um der Energiekrise zu begegnen. „Aber nur mit Sparen oder kalt Duschen wird das nicht gelingen.“ Ersatz für Gas sei trotzdem notwendig. Da sich Dinge ständig verändern, zuletzt „dramatisch schnell“, müsse man dabei auf Schablonen verzichten und in verschiedene Richtungen denken. Deshalb plädiere er dafür, Atomkraftwerke begrenzt weiteraufen zu lassen, aber auch dafür, erneuerbare Energien auszubauen. Aber wenn er „mal einen Baum umarmt“ habe, sei er dafür kritisiert worden, sagt er mit einem Schmunzeln. Was Windenergie „vor der Haustür“ angehe, müsse man bei vielen „die innere Euphorie noch stärken“.

Trotz seiner Bemühungen in Klimaschutzthemen will Söder Regelungen in der Landwirtschaft lockern. Landwirte würden mehr kontrolliert als ein Atomkraftwerk. Auch der Tierschutz sei seiner Meinung nach zu stark reguliert. Er sehe sich zwar als Tierliebhaber, aber „der Wolf gehört halt nicht nach Bayern“ und müsse ohne den bislang notwendigen Aufwand entfernt werden dürfen. Auch Haltungsfragen sollten weniger Regeln unterliegen: „Wenn ich eine Kuh wäre, oder eher ein Bulle, wäre ich lieber in der Kombihaltung auf der Alm, als mein Leben lang in einem Laufstall.“

Trotz aller Probleme gebe es keinen Grund zu verzagen. „Die Leute haben unendlich viel zu essen, wenn sie in die Läden gehen.“ Ob das der Bevölkerung bewusst sei und ob sie diese Tatsache schätze? Söder fordert, mehr Dankbarkeit und mehr Stolz zu zeigen. Denn für ihn stehe fest: „Wir werden gut durch den Winter kommen, auch wenn es immer Schockmomente geben wird.“

Er werde nun ein paar Urlaubstage in Oberstaufen verbringen.

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