Fettfallen lauern fast überall

Sind es in Entwicklungsländern vor allem Mangelerkrankungen, so machen den Menschen in „zivilisierten“ Industrienationen die Wohlstandkrankheiten zu schaffen. Neben der derzeit explodierenden Diabetes zählen hier Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Bluthochdruck zu den Spitzenreitern. Den letzteren drei widmete sich vergangene Woche „Die Kemptener Sprechstunde“ am Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) Kempten-Allgäu.

„Jeder zehnte Deutsche hat Probleme mit Herz-Kreislauferkrankungen“, die mit zahlreichen Folgeerkrankungen Jahr für Jahr Kosten von 57 Milliarden Euro verursachten, verdeutlichte Dr. med. Franz Heigl, Internist und Kardiologe am MVZ, die Tragweite. Circa 50 Prozent aller Todesfälle seien auf Herz-Kreislauferkrankungen zurückzuführen. Etwa 40 Prozent betrage die Sterblichkeit im ersten Jahr nach einem Herzinfarkt, und Schlaganfälle bezifferte er auf 200 000 pro Jahr. Die klassischen Risikofaktoren: Blutfette, Übergewicht und Bewegungsmangel, Blutdruck, Blutzucker sowie Rauchen. „Die genetischen Anlagen können Sie nicht wegradieren“, räumte er ein, „aber die anderen Faktoren schon“. Beispiel Cholesterin, das „nicht nur böse ist“, im Übermaß aber als Folge von Fettstoffwechselstörungen genannte Arteriosklerose begünstige. Mit zwei Eiern sei der Tagesbedarf bereits gedeckt. Entscheidend sei die Balance zwischen dem HDL-Wert, den Heigl mit der Eselsbrücke „Hab Dich Lieb“ als „gutes“ Cholesterin bezeichnete, und dem LDL-Wert, dem „LieDerLich“-Cholesterin sowie den Triglyceriden, den Fettsäuren. „Wenn das LDL abgesenkt wird, sinkt das Herzinfarktrsisko enorm“, wies er auf die Bedeutung von richtiger Ernährung hin, mit der auch bei Triglyceriden „viel machbar“ sei. Für die meist übergewichtigen Betroffenen auch wichtig um abzunehmen. „Fett macht fett“, pries Heigl die „mediterrane Ernährung“ mit pflanzlichen Ölen, Geflügel und Fisch mit nur wenig gesättigten Fetten sowie reichlich Obst und Gemüse als zu bevorzugende Küche an. Und „denken Sie immer auch ans Trinken“, wies er auf die versteckten Kalorienbomben in Fruchtsäften, Süßgetränken, Alkohol und alkoholfreien Bieren hin. Viel Bewegung Ein weiterer Baustein um HDL zu erhöhen, LDL und Trigylceride zu senken sowie Körperfett abzubauen: 2500 Kilocalorien durch wöchentlich fünf Mal 45 Minuten Ausdauerbewegung verbrauchen, wodurch das Herzinfarktrisiko um 40 Prozent sinke. Erzielt werde das beispielsweise durch pro Woche vier Stunden Joggen, viereinhalb Stunden Nordic Walking oder neun Stunden Spazierengehen – günstig auch gegen Bluthochdruck, von dem in Deutschland circa ein Drittel der Frauen und die Hälfte aller Männer betroffen seien. „Bluthochdruck macht die Gefäße in allen Etagen kaputt“, sah Heigl eine Gefahr darin, dass viele nichts von ihrem Bluthochdruck wüssten oder dieser nicht oder nicht adäquat behandelt werde. Für die vielen Fragen der Zuhörer stand auch Silvia Angerhofer, Ernährungsexpertin am MVZ, Rede und Antwort. Unter anderem regte sie an, der Bezeichnung Vollkornbrot kritisch zu begegnen. Oft sei es nämlich nur „gefärbtes Brot“ mit vielen Körnern drin, das nichts über Vollkorn aussage. Auch „summieren sich die Fette“ durch Nüsse und Körner. Und wer immer nur Weißbrot gegessen habe, solle „besser nach und nach umsteigen“, da Magen und Darm sich erst daran gewöhnen müssten. Als Nachteil von Süßstoff sah sie, dass „das Süßverhalten bleibt“ und man nicht davon wegkomme.

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