FGD-Sänger macht sich in der Narrensitzung für Kreiselmaut stark

Raketen in Dietmannsried gezündet

+
Hofnarr Stephan Blind

Dietmannsried – Mit dem Einmarsch des Prinzenpaares Thorsten II. und Rosi I. samt Hofmarschall sowie den Gardemädchen wurde die Narrensitzung der Faschingsgesellschaft Dietmannsried (FGD) am vergangenen Sonntag eröffnet. Die Akteure lieferten ein viereinhalb stündiges Programm der Extraklasse ab. Hofmarschall Christian Wagner erinnerte eingangs daran, dass 1967, das Gründungsjahr der FGD, zum Beispiel gerade der Minirock aktuell war und Jean Connery als Agent 007 ins Kino kam.

Für US-Präsident Donald Trump, der eine Mauer zum Nachbarn Mexiko errichten und sie von diesem bezahlen lassen möchte, hatte Hofnarr Stephan Blind, einen guten Rat. Mit: „Wir Deutschen wissen es ganz genau, was dann kommt. Das meiste Geld kostet die Mauer, wenn sie fällt“, erinnerte er an die Kosten für die Wiedervereinigung. Mit einer geschliffenen Rede, ohne Manuskript und Versprecher, in der er die große und kleine Politik aufs Korn nahm, begeisterte der Hofnarr die Zuhörer und heimste dafür mehrere Raketen, im Dietmannsrieder Fasching der Gradmesser für den Applaus, ein. Nicht nur dem Hofnarr, sondern allen Akteuren des Abends spendete das bestens aufgelegte Publikum jede Menge Raketen. Dies, obwohl die Zuschauer laut Oberst Steinbeißer und Leutnant Rieselkies (Steve Sörgel, Matthias Sorg), nicht gerade als Elitepublikum eingestuft werden konnten. Alle Anwesenden mussten sich deshalb zunächst dem Drill der Militärs unterziehen, bis sie „geformt“ waren.

Ein Highlight des Abends war der Auftritt des FGD-Chors. Mit ihrem Trauergesang auf das Aus ihrer Stammkneipe, des Laubener Gasthofs „Löwen“, trafen die Rocker Andreas Wahl und Thomas Becherer den Nerv der Zuhörer. Der „Hirsch“ (Dietmannsried), so ihr Plan, solle der neue Löwen werden. Dafür wird man sich nun „white twixxer“ nennen, denn der bisherige Name „black rider“ sei zu negativ behaftet. Zur Imageverbesserung wollen sie sich als Dietmannsrieder Kreiselwächter betätigen. Denn es sei zu befürchten, dass der Kies am Kreisel von den Kemptenern zum Streuen ihrer Gehsteige abgeholt wird, da aus dem ganzen Stadtgebiet der Allgäumetropole die Streugutkisten verbannt wurden. Interessant fand man ihren Vorschlag, eine Kreiselmaut – wahlweise soll es 1er-, Monats- oder Jahreskarten geben – einzuführen. In ihrem emotionalen Lied „wenn es dich noch gibt“, gaben Moni Becherer und Birgit Schubert dem Schmerz vieler bei der Suche nach kostenlosen Parkplätzen in Kempten eine Stimme. Ihr Vorschlag: wer nicht fündig werde, der könne nach Dietmannsried zum Einkaufen kommen, hier finde man alles vor. Für sein leidenschaftlich vorgetragenes Plädoyer an Frauen, die man im Ort alle lieb habe und dem Lied „Alles für die Damen“ erhielt Bürgermeister Werner Endres alias Andreas Rupp tosenden Beifall.

Gleich mehrmals ans Mikrofon trat Thorsten Georg: als Faschingsprinz, als Müllmann und als Dieter Dummbeutel. Besonders als Müllmann war er stark. Eine Partei, die MMP, kündigte er an, werde er gründen, denn so könne es nicht mehr weitergehen. Er nahm Petra Hinz (SPD) wegen ihrer Falschangaben zum Lebenslauf aufs Korn, will die Linke Sahra Wagenknecht nicht und sparte nicht mit Kritik an Mario Draghi. Anstatt, wie Grünechefin Simone Peter, die Polizei zu beschimpfen, solle man denen, die uns beschützen, danken. Den flammenden Appell an Alle, doch wählen zu gehen, stellte der Müllmann an den Schluss seiner Rede. Zwei Storys aus dem wahren Leben erzählte Postbote Stefan Fackler. Amüsiert hörte man ihm zu, als er wortreich das Pech eines Ehepaares schilderte, das einen Caravan als eigen wähnte, ihn unter Mühen an den Pkw andockte und erst am Fernpass bemerkte, dass er einem anderen gehörte. Dies, obwohl das Gefährt während der Fahrt recht schwanzte. Leicht unpässlich wurde es zwei Damen beim Kolpingausflug, die nicht nur etwas zu viel, sondern auch durcheinander getrunken hatten. Hierzu nur zwei Stichworte: Spucktüte und Handtäsch. Alles klar?

Wortakrobatik und Gesang vom Feinsten boten „D‘r Oi“ und d’r Anner“ (Eric Schneider, Stephan Blind). In „Burgerking Bobo mit dem Bagger, der baggert noch so spät“ wurde das Steckenpferd von Bürgermeister Werner Endres musikalisch umgesetzt. Man spreche bereits vom „Mörtel-Endres“. Frei nach Udo Lindenberg intonierte Schneider: „Entschuldigen Sie, ist dies der Dietmannsrieder Kreisel, wir sehen aber nix“. Der Kreisel, in dieser Nummer als Feldherrnhügel bezeichnet, war ein Dauerbrenner in der Narrensitzung. Nicht mehr auf den Sitzen hielt es das Publikum, als die beiden Vollblut-Spaßmacher bekannte Schlager schmetterten, und junge Tänzerinnen im feschen Dirndl auf der Bühne tanzten. Claudia (Homanner) und Renate (Feistner), die nicht mehr ganz taufrischen Gardemädchen, waren die einzigen, die zum FGD-Jubiläum kamen. Die anderen, lästerten sie frech, trauten sich nicht mehr, hätten Figurprobleme und eine Ehemalige sei sogar schon Uroma geworden. Ein Mann, waren sie sich einig, gäbe es bei ihnen nur noch ambulant, stationär sei er gestrichen.

Tänzerisch ein Genuss waren die Auftritte von Prinzen- und Jugendgarde. Mit einem raffinierten Schuhplattler begeisterten die Jumping-Jacks einmal mehr die Zuschauer. Für ihre Performance erhielten die bezaubernden Flaschengeister der FGD-Kids großen Beifall. Matthias Endres, Daniel und Maurice Kiefert überzeugten als „Two and Half Man“ in einer originellen musikalischen Darbietung, wobei der Half Man Maurice der E-Gitarre einen satten Sound entlockte. Neun ­galaktische Tänzer performten im futuristischen Star-Wars-Outfit unter anderem den Psy-Welthit „Gangnam Style“ und zauberten einen klasse Macarena auf die Bühne. Im Musikantenstadel schmetterten unter großem Beifall Marionetten, an denen nur der Kopf „echt und lebendig“ war, Hits wie „Atemlos“ oder „Ein Stern“. Zum Abschluss des Abends ging es noch einmal heiß her. Mit ihrem Showtanz erhielten die ­Pirates vom Publikum stehende Ovationen.

Hildegard Ulsperger

Auch interessant

Meistgelesen

Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Landwirt unter Traktor eingeklemmt
Dorfladen der Bürgergenossenschaft Frauenzell eröffnet
Dorfladen der Bürgergenossenschaft Frauenzell eröffnet
Leistungswettbewerb der Jugendfeuerwehren: Lauben-Heising gewinnt
Leistungswettbewerb der Jugendfeuerwehren: Lauben-Heising gewinnt
Protest in Kempten: Sklaverei existiert immer noch
Protest in Kempten: Sklaverei existiert immer noch

Kommentare